Von Christina Hövener-Hetz
Was bieten kleinere und mittelgroße Stadtwerke Auszubildenden an, um als attraktiver Arbeitgeber zu punkten? Eine Umfrage der ZfK ergab, dass es mittlerweile ganz unterschiedliche Möglichkeiten gibt, mit denen regionale Versorger kompetente Nachwuchskräfte anwerben und langfristig an sich binden. In vielen Fällen mit beachtlichem Erfolg: Viele Ausbildungsplätze für das nächste Ausbildungsjahr sind schon vergeben. Was besonders auffällt: Immer mehr Stadtwerke bieten ihren Auszubildenden preiswerte Wohnungen oder WG-Zimmer an.
Zum Beispiel Jena. Zur Unternehmensgruppe gehört seit einigen Jahren das Tochterunternehmen JenaWohnen. Hier können sich junge Leute von außerhalb um eine Wohnung bewerben. Für den Ausbildungsberuf Fachangestellter (m/w/d) für Bäderbetriebe steht eine eigene möblierte Azubi-WG in Chemnitz, wo sich die Berufsschule befindet, zur Verfügung. Die Miete und Nebenkosten werden vom Ausbildungsunternehmen getragen.
Ines Eckert, Bereichsleiterin Unternehmenskommunikation der Stadtwerke Jena, berichtet, dass die Suche nach passenden Auszubildenden mehrgleisig verläuft. Bereits in der Phase der Berufsorientierung gehen Mitarbeitende in die Schulen. "Viele Schüler können wir auf diesem direkten Weg gewinnen. Die Stadtwerke bieten darüber hinaus Bewerbertrainings an, sind auf Messen vertreten und bieten Schülerpraktika. Gut angenommen wird bei Berufsorientierungsveranstaltungen auch die 'Anhängerwerkstatt' im Bereich Wasser, Abwasser und Energie für Schüler:innen ab der siebten Klassenstufe."
Prämien und Zuschüsse
Die Stadtwerke Jena bieten aber noch viele weitere Vergünstigungen, angefangen bei Jahressonderzahlungen über Prämienzahlungen bei guten Leistungen bis zu Zuschüssen für Lernmittel oder bei einer auswärtigen Berufsschule. Weitere Stichworte sind ein Job-Deutschlandticket oder vermögenswirksame Leistungen. Bei erfolgreichem Abschluss wird die Übernahme für sechs Monate garantiert. Außerdem gibt es Chancen für die Weiterentwicklung und Aufstiegsfortbildungen.
Die Stadtwerke Flensburg halten für Azubis aktuell eine WG-Wohnung zur Miete bereit. "Azubi-Bewerber aus der Region kommen eher zu uns, wenn wir die Möglichkeit anbieten, vor Ort zu wohnen", sagt Unternehmenssprecher Peer Holdensen. "Auf Basis unserer Azubi-Zahlen ist eine WG aber aktuell ausreichend."
Die Azubis waren aktiv in die Gestaltung der Unterkunft eingebunden: "Die Renovierung des Gebäudes durch die Azubis selbst war ein erfolgreiches Azubi-Projekt", so Holdensen. Abiturienten können darüber hinaus ein Wirtschaftspraktikum machen und sich für ein duales Bachelor- und Masterstudium bewerben.
Garantie auf Anschlussvertrag
Ein Wirtschafts-Informatikstudium und ein Trainee-Programm neben sechs Ausbildungsberufen bieten die Stadtwerke Rostock an. Die Stadtwerke Kiel werben mit Studienförderverträgen, Coachings, Prämien und Altersvorsorge. Erfolgreiche Absolventen der Ausbildung erhalten bei den Stadtwerken Oberhausen einen "garantierten Anschlussvertrag für mindestens sechs bis zu zwölf Monate" und "familienfreundliche Angebote". Das Unternehmen setzt auf "gutes Betriebsklima, vertrauensvolle Unternehmenskultur und Freiräume, über sich hinauszuwachsen".
Im Gegensatz zu kleineren und mittleren Stadtwerken gehören Werkswohnungen bei großen Stadtwerken schon seit vielen Jahren zum Angebot. Vorreiter sind die Stadtwerke München, Arbeitgeber von 10.000 Menschen. Für sie und rund 140 Auszubildende, die jedes Jahr anfangen, bauen die SWM schon seit 2012 ihr Wohnungsangebot massiv aus: In den kommenden Jahren sollen in Neubauprojekten bis 2030 weitere 3000 Mitarbeiterwohnungen fertig werden. Dann könnte fast jeder dritte Beschäftigte eine Werkswohnung beziehen – je nach Vorliebe im Süden, Norden, Osten und Westen Münchens, im Zentrum oder am Stadtrand.
Die Mieten der SWM-Werkswohnungen liegen am unteren Ende des örtlichen Mietpreisspiegels. Zudem sind bei den Neubauten anteilig Wohnungen an soziale Kriterien gebunden und damit noch günstiger. Rund 1000 Wohnungen vermieten die SWM aktuell für die Dauer des Arbeitsverhältnisses. Die Vergabe erfolgt nach einer hausinternen Bewerbung der Interessenten, ausschlaggebend sind soziale Kriterien und die Dringlichkeit. Wer eine Werkswohnung bezieht, darf dort wohnen bleiben, solange er Mitarbeiter der SWM ist – und auch, wenn er bei den Stadtwerken München in den Ruhestand geht.
Der Beitrag ist in der Februar-Ausgabe der ZfK erschienen. Zum Abo geht es hier.



