Die Stadtwerke Tübingen bündeln die THG-Quote ihrer Haushaltskunden mit Ökostromvertrag und vermarkten sie weiter. (Symbolbild)

Die Stadtwerke Tübingen bündeln die THG-Quote ihrer Haushaltskunden mit Ökostromvertrag und vermarkten sie weiter. (Symbolbild)

Bild: © Hendrik Schmidt/dpa

Von Daniel Zugehör

Bund, Industrie und Energiebranche haben ein Pilotprojekt zum bidirektionalem Laden gestartet. E-Autos sollen in Zukunft das Netz stabilisieren helfen – und so auch Kosten senken. "Zukünftig sollen E-Autos nicht mehr nur Strom tanken, sondern ihn bei Bedarf auch wieder zurück ins Netz geben", erklärte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in einer Mitteilung. "So wird die E-Mobilität dazu beitragen, die Stromnetze deutlich besser auszulasten und die Stromkosten für Wirtschaft und Verbraucher zu senken."

Das Projekt mit dem Namen "GRIDS & BENEFITS" wird von einer Reihe namhafter Unternehmen getragen, darunter Bayernwerk Netz, BMW, EWE Netz, Lechwerke, Maingau Energie, Octopus Energy, Tennet, The Mobility House und Transnet BW. Die Idee: Elektroautos laden dann, wenn viel erneuerbare Energie verfügbar ist, und speisen Strom zurück, wenn die Nachfrage hoch ist oder Netzengpässe auftreten.

Energiebranche: Technologie mit großem Potenzial

Für die beteiligten Netzbetreiber und Energieunternehmen bietet das Projekt eine Chance, innovative Steuerungskonzepte unter realen Bedingungen zu testen. "Wir müssen das Stromsystem flexibler machen – und bidirektionales Laden kann dabei eine entscheidende Rolle spielen", erklärte ein Tennet-Sprecher. "Indem E-Autos Strom abgeben, wenn er benötigt wird, können wir Schwankungen im Netz besser ausgleichen und Kosten für den Netzausbau reduzieren."

Auch auf Verbraucherseite könnte sich das System lohnen: Besitzer von Elektroautos könnten in Zukunft Geld verdienen, indem sie Strom aus ihren Batterien ins Netz zurückspeisen. Das System funktioniert über eine digitale Steuerung per App, bei der Kunden lediglich angeben, wann ihr Auto wieder vollgeladen sein soll. Die Optimierung der Ladevorgänge erfolgt automatisiert – basierend auf Netzkapazitäten und Strompreisen.

Erste Tests in den kommenden Monaten

In den nächsten sechs Monaten soll das Konzept in die Praxis umgesetzt werden. Das Pilotprojekt deckt verschiedene Netzebenen ab: Mit Bayernwerk Netz, EWE Netz und den Lechwerken sind drei große Verteilnetzbetreiber beteiligt, die zusammen knapp zehn Prozent der deutschen Haushalte versorgen. Auf der Übertragungsebene testen Tennet und Transnet BW das Modell, das künftig auch bundesweit ausgerollt werden könnte.

Koordiniert wird das Vorhaben vom Innovationszentrum der TU München "UnternehmerTUM" unter wissenschaftlicher Begleitung der "European Coalition of the Willing for Bidirectional Charging". Die Energiebranche setzt große Hoffnungen in das Pilotprojekt. "Wenn sich das bidirektionale Laden als praktikabel erweist, könnte es die Stromversorgung revolutionieren", sagt ein Vertreter von Maingau Energie.

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