Schon rund 200.000 öffentliche Ladepunkte sind aktuell in Betrieb.

Schon rund 200.000 öffentliche Ladepunkte sind aktuell in Betrieb.

Bild: © ThomBal/Adobe Stock

Hohe Spritpreise, eine neue Kaufprämie für Elektroautos sowie die KFZ-Steuerbefreiung bis 2035. Die Zeichen für Elektromobilität stehen gut – kommt es 2026 zum Ladesäulen-Boom?

Während fossile Kraftstoffe im März laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) fast 30 Prozent teurer waren als noch vor einem Jahr, sind die Strompreise in dem Monat im Vergleich zum März 2025 um fast sechs Prozent gesunken. Zugleich ist die Zahl öffentlicher Ladepunkte laut Bundesnetzagentur auf knapp 200.000 gestiegen.

Plus 66 Prozent E-Autos

Das Kraftfahrtbundesamt teilte mit, dass Elektroautos ebenfalls im März dieses Jahres um mehr als 66 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zulegten. Ihr Anteil an den Neuzulassungen habe damit zuletzt 24 Prozent betragen, Plug-in-Hybride machten einen Anteil von mehr als zehn Prozent aus (+13%).

Und diese Entwicklung dürfte sich insbesondere 2026 weiter beschleunigen. Denn im April gab der Bundestag zudem grünes Licht für die staatliche Kaufprämie von 1500 bis 6000 Euro – je nach Fahrzeug und persönlichen Umständen und rückwirkend zum Jahresbeginn. Entsprechend wird die Nachfrage nach Ladestrom absehbar deutlich steigen.

Stadtwerke bauen kräftig aus

Auf dem Markt mischen neben Konzernen wie EnBW und Tesla auch Stadtwerke mit. Kommunale Unternehmen betreiben rund die Hälfte der öffentlichen Ladepunkte in Städten und Gemeinden. Viele von ihnen, darunter die Stadtwerke Duisburg, Remscheid oder Stuttgart, bauen 2026 verstärkt zu. Die Stadtwerke Augsburg (SWA) wollen ihr Ladenetz bis Jahresende sogar verdoppeln.

Ein Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) erklärte auf Anfrage: "Wir rechnen mit einem weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur, sowohl durch Stadtwerke als auch durch neue Anbieter." Diese investierten nicht nur in Ladepunkte, sondern auch in Netze und intelligente Steuerung, so der VKU-Sprecher weiter. Und: "Die Technik wird besser, die Ladezeiten werden kürzer."

Schnellladen am Straßenrand

Wie beispielsweise in Stuttgart, wo das lokale Stadtwerk Anfang April erstmals sogenannte DC- oder Schnellladepunkte mit bis zu 170 Kilowatt (kW) Leistung direkt am Straßenrand in Betrieb genommen hat – also dort, wo bisher in der Regel AC- oder Normalladepunkte errichtet wurden.

Im selben Monat eröffneten die Stadtwerke Remscheid den ersten Schnellladepark in der Stadt. Sie werben mit Leistungen von bis zu 400 kW und teilweise flüssigkeitsgekühlten Kabeln, sodass dort neben PKW auch LKW laden könnten.

Neue Säulen im Monatstakt

Und an weiteren Beispielen mangelt es nicht. So errichten etwa die Stadtwerke Duisburg regelmäßig, beinahe im Monatstakt neue Lademöglichkeiten. Erst im April wuchs das Netz um 14 neue auf insgesamt 438 Ladepunkte – 500 sollen es mindestens werden.

Oder aber die SWA, die noch dieses Jahr ihr öffentliches Netz auf 200 Ladepunkte verdoppeln möchten. Dabei plane das Augsburger Unternehmen einen Mix aus AC- und DC-Laden, teilte es auf Nachfrage mit. Die Leistungen würden sich dabei an den jeweiligen Aufenthaltszeiten orientieren, erläuterte eine SWA-Sprecherin. "Entscheidend ist aus unserer Sicht nicht, überall die maximale Ladeleistung bereitzustellen, sondern die jeweils passende."

Ladestrom wird günstiger

Zeitgleich zum Ausbau sanken die Preise an den Ladesäulen zum 1. April. "Bezogen auf die bisherigen Arbeitspreise sprechen wir von einer Reduzierung um 20 bis 40 Prozent", führt die Sprecherin aus. Abhängig davon, ob AC oder DC, mit oder ohne Vertrag geladen werde.

nser Ziel ist nicht die kurzfristige Maximierung einzelner Margen, sondern der Aufbau einer wettbewerbsfähigen und stark genutzten Ladeinfrastruktur in Augsburg.

Wirtschaftlich dürfte das Geschäft, wie bei den meisten Betreibern, zwar aktuell noch nicht sein. Doch ist das auch nicht der Ansatz im Breisgau: Die Stadtwerke Augsburg sehen Ladeinfrastruktur vielmehr "als Teil einer langfristigen kommunalen Infrastruktur- und Mobilitätsstrategie". "Unser Ziel ist nicht die kurzfristige Maximierung einzelner Margen, sondern der Aufbau einer wettbewerbsfähigen und stark genutzten Ladeinfrastruktur in Augsburg", so die Sprecherin.

Mehr als 8 GW installiert

Aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur zufolge sind beinahe 200.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte in Betrieb (Stand: März). Die mit knapp 148.000 meisten davon seien AC-Ladepunkte, dazu kommen annähernd 50.500 DC-Ladepunkte.

Alle Ladepunkte zusammen können demnach eine Ladeleistung von theoretisch 8,38 Gigawatt (GW) bereitstellen. Ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem Vorjahresmonat: Im März 2025 zählte die Netzagentur noch weniger als 170.000 AC- und DC-Punkte mit einer Gesamtleistung von rund 6,49 GW.

Zum Vergleich: Die Marke von 100.000 Punkten knackte das Ladenetz erst Mitte 2023 – vor rund drei Jahren. Dem Wegfall der ersten Kaufprämie im Dezember desselben Jahres zum Trotz wuchs das Netz seither kontinuierlich weiter.

Trend zu höheren Leistungen

Schnellladepunkte verzeichneten laut der Bonner Behörde mit plus 33 Prozent das stärkste Wachstum in dem Zeitraum – in der höchsten Leistungsklasse ab 300 kW beträgt das Plus sogar 42 Prozent. Normalladepunkte legten währenddessen um 13 Prozent zu.

Nach Bundesländern führend ist NRW mit mehr als 39.000 Ladepunkten. Dahinter Bayern, knapp 38.000, und Baden-Württemberg: mehr als 34.000. Niedersachsen, der Viertplatzierte, folgt mit einigem Abstand (rd. 19.500).

Zwei Kommunale in der Top fünf

Unter den Top fünf Ladepunktbetreibern finden sich auch zwei kommunale Unternehmen: zum einen EnBW – mit rund 11.700 Punkten der führende Betreiber in Deutschland – sowie EWE (rd. 3.400). Des Weiteren Eon (rd. 4.800), Tesla (rd. 3.700) und BP (rd. 3.000).

Klar ist: Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Allein das sogenannte Deutschlandnetz des Bundes sieht insgesamt 9.000 Ladepunkte Schnellladepunkte an mehr als 1.000 Standorten vor, die bis Jahresende gebaut werden sollen. Laut Nationaler Leitstelle Ladeinfrastruktur sind davon derzeit 253 Standorte mit insgesamt 1.515 Ladepunkten in Betrieb.

Milliarden gegen "weiße Flecken"

Das Bundesverkehrsministerium möchte mit dem Förderprogramm "verbliebene 'weiße Flecken' auf der Ladelandkarte" schließen. Die Ladeparks müssen darum in zuvor definierten Suchräumen gebaut werden, dazu investiert das Ministerium nach eigenen Angaben rund 2,3 Milliarden Euro.

Gerade im ländlichen Raum ist das Ladeangebot häufig noch überschaubar. Insbesondere hier brauche es Unterstützung, betont auch der VKU-Sprecher. "In Städten wird der Wettbewerb zunehmen, im ländlichen Raum und in Urlaubsregionen mit saisonal hoher Nachfrage braucht es gezielte Förderung."

Marktkonzentration nimmt ab

Dafür sei der Markt heute deutlich vielfältiger als noch vor wenigen Jahren, hebt er hervor. "Die Zahl der Betreiber wächst, die Konzentration nimmt ab", "immer mehr Anbieter, vom Einzelhandel bis zu Tankstellenketten, steigen ein", so der VKU.

Die SWA gehen davon aus, dass Maßnahmen wie die Kaufprämie die Nachfrage beleben dürften. Die gestiegenen Kraftstoffpreise zeigten außerdem, wie stark Mobilität auf Basis fossiler Energieträger von externen Faktoren abhängig sei, führte die Sprecherin weiter aus. "Elektromobilität ist deshalb nicht nur eine Frage der Antriebsart, sondern auch ein Stück weit mehr Unabhängigkeit."

Ob es dieses Jahr tatsächlich zu einem verstärkten Ausbau kommt und von einem Boom gesprochen werden kann, hängt von mehreren Faktoren ab. Unter dem Strich ist aber festzustellen: Die Zeichen für einen deutlichen Schub der Elektromobilität stehen gut.

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