Bifaziale, transparente Solarmodule sind in das lichtdurchflutete Freideck des E-Schiffs der BSB integriert. Sie müssen noch verkabelt werden.

Bifaziale, transparente Solarmodule sind in das lichtdurchflutete Freideck des E-Schiffs der BSB integriert. Sie müssen noch verkabelt werden.

Bild: © H.C.Neidlein

Mehr hätte die Sonne nicht strahlen können als der E-Katamaran in Anwesenheit zahlreicher Gäste am Sonntag auf den Namen Motorschiff (MS) „Insel Mainau“ getauft und bei einer Probefahrt vorgeführt wurde. Es soll ab August Begrüßungsfahrten von verschiedenen Häfen des Bodensees aus unternehmen und anschließend den Kursbetrieb mit einer Fahrzeit von rund 20 Minuten zwischen der Insel Mainau und Uhldingen am nördlichen Bodenseeufer aufnehmen.

Das 300 Personen fassende und 33 Meter lange und neun Meter breite Schiff erzeugt an sonnigen Tagen etwa ein Fünftel des benötigten Fahrstroms selbst. Hierzu sind rund 60 bifaziale, transparente Solarmodule mit einer Leistung von je 400 Watt in das lichtdurchflutete Freideck montiert. Sie haben einen Wirkungsgrad von 20 Prozent und wurden vom Konstanzer ISC entwickelt und im Auftrag in China (Zellen) bzw. in den neuen Bundesländern (Module) gefertigt.

Fünf Stunden Ladezeit - effizienter Katamaran

Zudem verfügt das Schiff über feuersichere Batterien des Herstellers Tesvolt (Sachsen-Anhalt) mit einer Leistung von 150 kW sowie einer Kapazität von knapp 1.000 kWh. Sie können an einer Ladestation in Unteruhldingen innerhalb von circa fünf Stunden voll aufgeladen werden bzw. an allen BSB-Schiffslandestellen mit einer etwas längeren Ladezeit. Neben der eigenen Solarstromerzeugung wird das Schiff in Uhldingen mit 100-Prozent zertifiziertem Ökostrom geladen.

Für einen geringen Schiffswiderstand und Wellenbild wurde das Schiff als Katamaran gebaut, erklärte Christoph Witte, technischer Leiter der BSB und Mitglied der Geschäftsführung den Gästen, darunter der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Entworfen und gefertigt wurde es von der Stralsunder Werft Ostseestaal (Mecklenburg-Vorpommern). Der E-Motor sowie die Antriebspropeller wurden von einem Unternehmen im österreichischen Lustenau (Vorarlberg) geliefert.

Amortisationszeit 12-15 Jahre - zweites E-Schiff folgt

Die Gesamtkosten des E-Schiffs, das finanziell vom Bund und vom Land gefördert wurde, belaufen sich auf rund 3,5 Millionen Euro (inclusive der 300.000 Euro teuren Ladeinfrastruktur). Die Amortisationszeit liegt zwischen 12-15 Jahren, so Norbert Reuter, Chef der Konstanzer Stadtwerke, gegenüber der ZfK. Er sieht die die MS „Insel Mainau“ als einen wichtigen Schritt für eine klimaneutrale Schifffahrt auf dem Bodensee.

In zwei Jahren soll ein baugleiches E-Schwesterschiff der BSB in Betrieb genommen werden. Bis spätestens 2035 soll die gesamte BSB-Flotte emissionsfrei unterwegs sein, so Reuter. Die BSB sind ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Konstanz. Das Fährschiff „Fontainebleau“, das zwischen Konstanz und Meersburg verkehrt soll durch ein gasbetriebenes neues Fährschiff ersetzt werden.

Ausbau PV-Produktion auf 30 Prozent im Strommix

Zudem setze man u.a. auf einen weiteren Ausbau der Photovoltaik in der Universitätsstadt Konstanz, mit einem 30-prozentigen Anteil an der Stromproduktion bis spätestens 2035. Sechs E-Busse sind derzeit bei den Konstanzer Stadtwerken im Einsatz, weitere 23 sollen in den kommenden drei Jahren dazu kommen. Auch wird das Fahrradmietsystem um 44 weitere E-Lastenfahrräder erweitert. Auch laufen Versuche der thermischen Nutzung des Seewassers zur Wärmeversorgung. (hcn)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper