Von Jürgen Walk
Die Pionierzeit der Elektromobilität endet. Wer früher ein E-Auto kaufte, war möglicherweise noch bereit, kleinere Unzulänglichkeiten etwa bei der Ladeinfrastruktur hinzunehmen. Neukunden sind da deutlich anspruchsvoller.
Der Sprung in den Massenmarkt gelingt der Elektromobilität nur mit einer reibungslos funktionierenden und transparenten Infrastruktur – so lautete das Ergebnis eines Diskussionspanels der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur. Aber wie muss die Ladeinfrastruktur aussehen, die für den Massenmarkt taugt? Und was wollen die Kunden, die jetzt ein Elektroauto kaufen?
Nicht jeder Fahrer wird einen Stellplatz haben
Johannes Pallasch, Leiter der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur, skizziert die Veränderungen der Kundschaft: Elektromobilität funktioniere heute dort, "wo ich meinen eigenen Stellplatz habe, wo ich das Auto zuhause regelmäßig mit Energie versorgen und dann auf der Langstrecke auch öffentlich laden kann". Bislang seien das eher Eigenheimbesitzer am Land gewesen. Mittlerweile nehme auch der Anteil der Großstadtbewohner zu, aber auch das seien in der Regel städtische Bürger, die Stellplatz-Sicherheit haben.
Der große Sprung sei nun, auch die Gruppe zu adressieren, die sich rund um die Uhr im öffentlichen Raum versorgen muss – und die keinen eigenen Stellplatz hat. "Die sind möglicherweise nicht mehr ganz so gut betucht". Damit liege auf der Hand, dass dann auch die Preissensitivität noch einmal steigen wird.
Axel Sprenger, Chef des auf Elektromobilität spezialisierten Umfrageinstituts U-Scale, beschreibt auch die neue Kundschaft als Menschen, die immer noch durchschnittlich bis überdurchschnittlich verdienen, aber sich nicht mehr so intensiv für die Technik der Autos und der Ladeinfrastruktur interessieren. "Die wollen sich auch nicht mit zu vielen Ladetarifen auseinandersetzen. Die wollen, dass alles relativ einfach geht und dass sie nicht zu viel Aufwand betreiben müssen, um an ein geladenes Auto zu kommen."
Diese Änderung zeige sich auch an den Informationskanälen. Bislang hätten sich die Fahrenden vor allem über Social-Media-Kanäle informiert: Sprengers Prognose: Klassische Informationskanäle werden künftig wieder wichtiger. "Die Menschen informieren sich wieder bei einem Autohändler, bei einem Energieversorger, was früher nicht der Fall war". Auch die Bedeutung von Vergleichsportalen werde wieder wachsen.
Laden soll nicht mehr wahrgenommen werden müssen
Eine gute Innovation sei, wenn der "kognitive Aufwand" vor, während und nach dem Laden reduziert wird. Kunden wollen laut Sprenger kein "Ladeerlebnis" haben. "Wenn wir es schaffen, das Ladeerlebnis zu etwas zu machen, das gar nicht mehr wahrgenommen wird, dann haben wir es richtig gemacht."
Johanna Kardel vom Ladelösungs-Anbieter Elli aus dem Volkswagen-Konzern monierte "graue Säulen, die sich irgendwo hinter einem Baum verstecken – dann werden sie wahrscheinlich auch nicht genutzt". Ladesäulen müssten attraktiver sein und vor allem gut funktionieren.
Zum guten Funktionieren – auch da waren sich die Diskutanten einig – gehöre auch, dass die Preistransparenz deutlich verbessert werden muss. Preise dürfen nicht erst direkt an der Säule in Kleinschrift sichtbar sein. Nach Ansicht von Matthias Vogt vom ADAC "brauchen wir gar nicht erst mal die Innovationen. Wir brauchen nur Einfachheit und Preistransparenz. Und dann können wir über Innovation nachdenken. etwa dynamische Preismodelle. Da kommen dann auch wieder die Early Adopter und werden das ausprobieren".



