EU genehmigt Milliardenbeihilfe für Lkw-Ladenetz

Die Elektrifizierung großer Lastwagen soll in Fahrt kommen.
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Von Jürgen Walk
Die Europäische Kommission hat eine deutsche Beihilferegelung in Höhe von bis zu 1,6 Milliarden Euro genehmigt. Damit soll der Ausbau des Ladenetzes für schwere Elektro-Nutzfahrzeuge entlang der Autobahnen beschleunigt werden. Ziel ist es, die Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs voranzutreiben und die Grundlage für eine flächendeckende Versorgung mit Ladestrom zu schaffen. Wettbewerbs-Kommissarin Teresa Ribera betonte, die Maßnahme unterstütze einen "sauberen, fairen und wettbewerbsfähigen Wandel".
Die Förderung umfasst direkte Zuschüsse und wiederkehrende Zahlungen, die einen Teil der Bau- und Betriebskosten decken. Dabei beträgt die Vertragslaufzeit zunächst acht Jahre mit der Option auf bis zu zwölf Jahre. Betreiber werden per Ausschreibung ausgewählt und müssen nachweislich Erfahrung im Aufbau und Betrieb von Ladeinfrastruktur mitbringen. Vorgesehen ist, bis zu 1410 Ladepunkte an mehr als 120 unbewirtschafteten Rastplätzen entlang der deutschen Autobahnen zu errichten.
500 Kilometer Reichweite in der Ruhepause ziehen
Technisch umgesetzt wird das durch die Autobahn GmbH in Kooperation mit der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur unter dem Dach der NOW GmbH. Geplant ist die Installation von Ladepunkten nach den Standards CCS (Combined Charging System) und MCS (Megawatt Charging System).
Insgesamt sollen bis zu 725 CCS- und 685 MCS-Ladepunkte entstehen. Während CCS bereits etabliert ist, ermöglicht MCS Ladeleistungen im Megawattbereich und damit extrem kurze Ladezeiten für den Fernverkehr. Megawattladen gilt als Schlüsseltechnologie für den Schwerlastverkehr. Mit solchen Ladeleistungen können große Elektro-Lastwagen während der vorgeschriebenen Ruhepausen für die Fahrer in 45 Minuten ausreichend Energie für rund 500 Kilometer Reichweite aufnehmen.
Die Betreiber müssen verschiedene Preisoptionen anbieten: ein Ad-hoc-Modell ohne Abonnement, ein vertragsbasiertes Modell sowie ein Durchleitungsmodell, bei dem die Nutzer die Tarife ihres eigenen Energieversorgers zahlen. Zusätzlich wird eine Ladenetzwerkgebühr erhoben, die in den Nutzungspreis integriert und an den Bund abgeführt wird. Diese Vorgaben sollen Wettbewerb fördern und überhöhten Preisen vorbeugen.
Die EU-Kommission sieht in der Maßnahme einen klaren Anreizeffekt: Ohne öffentliche Förderung würden die Investitionen nicht in diesem Umfang und Tempo erfolgen. Zudem seien Vorkehrungen getroffen worden, um die Auswirkungen auf den Wettbewerb und den Handel innerhalb der EU zu begrenzen.
Aktuell existieren in Deutschland nur 64 öffentlich zugängliche Lkw-Ladestandorte. Der geplante Ausbau gilt daher als Schritt, um die Elektrifizierung des Güterverkehrs wirtschaftlich attraktiv zu machen. "Damit der E-Lkw für den Transport- und Logistiksektor interessant wird, muss das öffentliche Ladenetz schnell und zuverlässig skalieren", erklärt Dagmar Fehler, CEO der NOW GmbH. Die Investition schaffe Planungssicherheit für die Branche und beschleunige den Markthochlauf.

