Von Ariane Mohl
Das Vertrauen in die Reichweiten von E-Fahrzeugen steigt in Deutschland stark an – das ist ein Ergebnis der jüngsten Shell-Recharge-Elektromobilitätsstudie. Shell legt die jährliche Studie zum siebten Mal vor. Rund 51 Prozent der Befragten machen sich demnach weniger Sorgen um die Reichweite als noch vor zwölf Monaten. 64 Prozent der Befragten sind zufrieden mit dem Ladeangebot.
Wichtig für Stadtwerke: Zugleich steigen laut der Analyse die Ansprüche an die Ladeinfrastruktur. Das Ladeerlebnis wird demnach immer wichtiger. So sind rund 37 Prozent der Befragten bereit, für schnelles Laden mehr zu bezahlen. Und: Das Angebot während des Ladens – vor allem im Shop-Bereich einer Tankstelle – muss stimmen: 69 Prozent der Befragten würden weitere Strecken fahren, um für die Dauer der Ladezeit ein attraktives Angebot zu bekommen. Für Anbieter von Ladesäulen ist eine gezielte Standortplanung mit attraktiven Zusatzangeboten essenziell. Kooperationen mit Einzelhändlern und Dienstleistern können laut der Analyse dazu beitragen, attraktive Ladeorte zu gestalten, da 52 Prozent der deutschen E-Fahrer Wert auf zusätzliche Angebote wie Supermärkte, Restaurants oder sanitäre Einrichtungen legen.
Verloren im App-Dschungel
Für Frust sorgt laut der Studie die Vielfalt an Apps und Ladekarten. Laut Studie nutzen 97 Prozent der deutschen E-Mobilisten mindestens eine App für das Laden, 63 Prozent sogar drei oder mehr. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) ist darüber frustriert, und 71 Prozent würden eine einzige App für den gesamten Ladeprozess bevorzugen. Offene Schnittstellen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Anbietern könnten eine nahtlose Nutzung ermöglichen.
Darüber hinaus gewinnt die Ladeinfrastruktur an öffentlichen Verkehrsknotenpunkten an Bedeutung. Park-and-Ride-Plätze, Busbahnhöfe und Bahnhöfe sollten verstärkt mit Lademöglichkeiten ausgestattet werden, um den Umstieg zwischen Individual- und öffentlichem Verkehr zu erleichtern.
Transparente Informationen zu Preisen, Verfügbarkeit und Ladezeiten sowie verbesserte Kundenbetreuung können laut der Analyse das Vertrauen in die Elektromobilität zusätzlich erhöhen. Digitale Assistenzsysteme oder Hotlines könnten dabei helfen.
E-Mobilität ganzheitlich denken
Ein weiterer wichtiger Tipp für Stadtwerke und Co: Elektromobilität sollte stärker als integraler Bestandteil eines nachhaltigen Verkehrskonzepts betrachtet werden. Eine enge Verknüpfung mit dem öffentlichen Nahverkehr, Sharing-Angeboten und digitalen Mobilitätsplattformen sei entscheidend für einen E-Mobilitäts-Boom.
Generell zeigt die Analyse, dass Menschen, die sich einmal für ein E-Auto entschieden haben, damit hochzufrieden sind. 95 Prozent der deutschen E-Autofahrer geben an, dass ihr Elektroauto ihr Hauptfahrzeug ist, und mehr als ein Viertel (26 Prozent) besitzt bereits das zweite E-Fahrzeug. Nur noch 38 Prozent der deutschen E-Fahrzeug-Besitzer halten zusätzlich ein Auto mit Verbrennermotor.
Einmal umgestiegen, nie bereut
Je mehr das Vertrauen in die Reichweite wächst, desto mehr Strecke legen die E-Fahrer zudem mit ihrem Auto zurück. Rund 30 Prozent der privaten E-Fahrer fahren im Durchschnitt bereits mehr als 15.000 Kilometer pro Jahr, mehr als der Durchschnitt bei den privaten Verbrenner-Fahrern. E-Fahrer loben laut der Analyse, dass sie im Vergleich zum Verbrenner Geld sparen und die Umwelt weniger belasten.
Für die Studie wurden insgesamt 33.696 Interviews in den USA, China und Europa (Österreich, Belgien, Frankreich, Niederlande, Schweiz und Großbritannien) geführt. Darunter 9397 in Deutschland, wobei sowohl bei den privaten als auch bei den gewerblichen jeweils Fahrer von E-Autos und Verbrennern berücksichtigt wurden.



