Das E-Carsharing der Stadtwerke Tübingen schreibt rote Zahlen.

Das E-Carsharing der Stadtwerke Tübingen schreibt rote Zahlen.

Bild: © SWT/Marquardt

Von Daniel Zugehör

Die Stadtwerke Tübingen (SWT) beenden Ende November ihr E-Carsharing-Angebot "COONO". Auch mehr als fünf Jahre nach der ersten Fahrt sei das Projekt nicht wirtschaftlich gewesen, teilten die SWT mit.

Das Unternehmen wollte die Elektromobilität in der Universitätsstadt mit einem reinen E-Carsharing voranbringen. "Dies gelang den SWT zwar im Grundsatz, auskömmlich war das Projekt allerdings zu keiner Zeit", räumte es jetzt ein. "Trotz Anpassungen, Flottenerweiterungen und neuen Nutzungskonzepten blieb das Angebot defizitär."

Zwar habe es positive Rückmeldungen gegeben, die Nachfrage sei jedoch zu gering geblieben, um den hohen Aufwand zu decken. Hinzu kommen strukturelle Nachteile: Der Betrieb einer reinen Elektroautoflotte verursacht demnach höhere Kosten als Carsharing-Modelle mit Verbrennern.

Die Fahrzeuge werden dennoch nicht komplett aus dem Stadtbild verschwinden. Ein Teil der Autos geht an die Genossenschaft "teilAuto Neckar-Alb". Dort sollen die bisherigen Coono-Kundinnen und -Kunden nahtlos weitermachen können – ohne zusätzliche Anmeldegebühren.

Ein bundesweites Problem

Tübingen ist kein Einzelfall: Bundesweit tun sich Stadtwerke und kommunale Anbieter schwer damit, E-Carsharing wirtschaftlich zu betreiben. Bereits in den vergangenen Jahren haben mehrere Projekte in kleineren und mittleren Städten aufgegeben oder wurden in Kooperationen mit größeren Carsharing-Anbietern überführt.

Die Gründe ähneln sich: hohe Fahrzeugkosten, vergleichsweise geringe Auslastung und die Notwendigkeit, Ladeinfrastruktur parallel aufzubauen und zu betreiben. Ebenfalls wieder beenden mussten es etwa die Stadtwerke Gütersloh, die ihr E-Carsharing Anfang 2025 nach sechs Jahren eingestellt haben, oder die Stadtwerke Schramberg (nach rund zwei Jahren; bis 2023).

Dabei gilt Carsharing mit Elektroautos als Baustein der Verkehrswende – gerade in Städten, die ihren CO₂-Ausstoß verringern und individuelle Autofahrten reduzieren wollen. Doch ohne Zuschüsse oder Kooperationen mit größeren Flottenanbietern bleibt das Modell für kommunale Unternehmen oft ein Zuschussgeschäft.

Zwischen Anspruch und Realität

Die Entscheidung der Stadtwerke Tübingen zeigt exemplarisch die Spannungen zwischen klimapolitischem Anspruch und ökonomischer Realität. Während Bund und Länder Elektromobilität fördern, stehen lokale Anbieter unter Druck, tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Ob in Zukunft neue Konzepte – etwa Mischflotten, engere Verzahnung mit ÖPNV-Angeboten oder flexible Tarifmodelle – für eine Wende sorgen können, bleibt offen. Sicher ist: Die Nachfrage nach klimafreundlicher Mobilität wächst, doch der Weg zur Wirtschaftlichkeit ist für viele Stadtwerke noch weit.

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