Vertreter der Projektpartner am neuen MCS-Standort Langenbruck.

Vertreter der Projektpartner am neuen MCS-Standort Langenbruck.

Bild: © Energie Südbayern

Energie Südbayern hat kürzlich einen Ladepark mit sehr hohen Leistungen von bis zu einem Megawatt in Betrieb genommen. Zusammen mit der bayerischen Spedition Dettendorfer Gruppe möchte der Energiedienstleister weitere Ladeinfrastruktur speziell für den elektrischen Güterverkehr bauen.

Der neue Park im bayerischen Langenbruck an der A9 verfüge über fünf gleichzeitig nutzbare Ladeplätze mit Leistungen von 400 bis maximal 1000 Kilowatt, teilte das Unternehmen mit. Neben dem verbreiteten Combined Charging System (CCS) wurden dazu auch Säulen mit Megawatt Charging System (MCS) ausgestattet.

Nächste Stufe der Dekarbonisierung

Dabei handele es sich um den ersten öffentlich zugängliche MCS‑Standort in Südbayern. Dieser könne zudem auf eine zweistellige Zahl von Ladeplätzen erweitert werden. "Mit Megawattladen ist die nächste wichtige Stufe in der Dekarbonisierung des Güterverkehrs erreicht", ist Speditionsgeschäftsführer Georg Dettendorfer überzeugt. Weniger Standzeiten und planbare Abläufe seien entscheidend für den wirtschaftlichen Einsatz elektrischer Lkw, so Dettendorfer.

Und weitere MCS-Parks sollen folgen. Dazu hat sein Unternehmen zusammen mit Energie Südbayern die Dettendorfer Energy gegründet. Ziel des Gemeinschaftsunternehmens ist nach eigenen Angaben, leistungsstarke Mobilitätslösungen für den Gütertransport zu entwickeln.

Volle Lkw-Batterie in unter einer Stunde

Die MCS-Technologie ermöglicht sehr schnelle Ladezeiten. Je nach Quelle lässt sich ein E-Lkw damit in weniger als einer Stunde voll laden, laut Volvo innerhalb von 45 Minuten. Noch ist das MCS-Laden hierzulande allerdings die Ausnahme.

Der erste öffentliche Standort in Deutschland ging Ende 2025 im Rahmen des Bundesforschungsprojekts "Hochleistungsladen im Lkw-Fernverkehr" in Nordrhein-Westfalen in Betrieb. Schätzungen gehen von bis zu zehn öffentlichen Ladeparks aus, einige davon noch im Pilotbetrieb oder im Aufbau. Doch dürfte sich diese Zahl in den kommenden Jahren deutlich erhöhen.

Staatliche Förderung bringt Tempo

Denn das Bundesverkehrsministerium hat jüngst eine neue Förderrichtlinie gestartet, die den Bau von Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge mit insgesamt einer Milliarde Euro unterstützt. Gefördert werden sowohl öffentliche Ladepunkte als auch Depotlösungen für Unternehmen – inklusive Netzanschlüssen, Batteriespeichern und Lastmanagement.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagte: "Elektromobilität im schweren Straßengüterverkehr kann nur mit einer leistungsfähigen Infrastruktur erfolgreich sein". Hier setze die neue Förderung an. In diesem Jahr sollen Schnieders Ministerium zufolge erste 200 Millionen Euro bereitstehen. Die Förderung richtet sich an Speditionen, Logistikunternehmen und Investoren.

Business Case zeichnet sich ab

Auch die Hersteller engagieren sich verstärkt. So plant das Joint Venture Milence von Daimler Truck, der Volvo Group und der Traton Group, weitere 120 Millionen Euro in den Aufbau eines europaweiten Schnellladenetzes zu investieren. Eine entsprechende Vereinbarung hätten die Partner jetzt unterzeichnet, teilte Milence mit.

Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben aktuell mehr als 30 Ladeparks in Europa, bis 2028 sollen es rund 90 Standorte sein. Milence-CEO Anja van Niersen sieht darin einen Wendepunkt: "Die Technologie ist bereit, der Business Case zeichnet sich ab – mit politischer Unterstützung können wir diesen Wandel in ganz Europa skalieren."

Millionen für Diesel-Ende

Um die Transformation weg vom Dieselantrieb, hin zu batterieelektrischen Antrieben voranzutreiben, hat Traton darüber hinaus einiges Kapital gesammelt. Wie die Gruppe vor kurzem mitteilte, habe sie eine "grüne Anleihe" mit einem Volumen von 500 Millionen Euro platziert sowie einen "grünen Kredit" über weitere 350 Millionen Euro abgeschlossen.

Die Mittel von insgesamt 850 Millionen Euro sollen demnach in ausgewählte Projekte im Bereich batterieelektrischer Nutzfahrzeuge und emissionsfreier Mobilität fließen. Zur Traton Group mit Hauptsitz München gehören die Marken Scania, MAN, International und Volkswagen Truck & Bus. Der Hersteller ist mehrheitlich im Besitz der Volkswagen AG.

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