Gibt es genug Ladesäulen? Daran zweifeln Verbrennerfahrer oft.

Gibt es genug Ladesäulen? Daran zweifeln Verbrennerfahrer oft.

Bild: © ThomBal/Adobe Stock

Die Furcht vor fehlenden Lademöglichkeiten im Alltag zählt weiterhin zu den größten Bremsfaktoren für den Hochlauf der Elektromobilität. Das zeigt eine repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag des ZVEI Verband der Elektro- und Digitalindustrie. Auffällig in dieser Studie ist dabei die enorme Diskrepanz in der Wahrnehmung zwischen Verbrenner- und E‑Auto-Nutzern.

Demnach zählen fehlende Lademöglichkeiten für 51 Prozent der Verbrenner-Fahrerinnen und -Fahrer zu den größten Hürden beim Umstieg auf das Elektroauto. Noch höher liegt mit 64 Prozent der Anteil derjenigen, die die hohen Anschaffungskosten als Hemmnis sehen, während sich ebenfalls 51 Prozent um die Reichweite sorgen. Knapp ein Viertel der Befragten gibt an, durch die Strompreise von einem Wechsel zurückgehalten zu werden.

Laden als Bestandteil alltäglicher Routinen

Dabei ist die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und realer Nutzungserfahrung deutlich: Während nur 30 Prozent der Verbrennernutzer mit der Ladeinfrastruktur zufrieden sind, sind es unter den E-Auto-Fahrerinnen und -Fahrern gut 70 Prozent. Viele Vorbehalte scheinen sich also zu relativieren, sobald tatsächlich elektrisch gefahren und geladen wird. Azar Mottale, ZVEI-Bereichsleiterin Mobilität, verweist in diesem Zusammenhang auf die deutliche Weiterentwicklung: Mit Reichweiten um die 400 Kilometer seien heutige E-Autos für viele Alltagsprofile ausreichend dimensioniert, sodass Reichweitenangst nach ihrer Einschätzung kaum noch begründet ist.

Gleichzeitig macht die Umfrage klar, dass sich der Alltag der Nutzerinnen und Nutzer in der Ladeinfrastruktur widerspiegeln muss. Besonders gefragt sind anschlussfähige Lademöglichkeiten beim Einkaufen, auf öffentlichen Parkplätzen und am Arbeitsplatz – "Destination Charging" soll integraler Bestandteil alltäglicher Routinen sein.

Im ländlichen Raum dominiert die private Wallbox als häufigste Ladeform, doch in Großstädten bleibt sie oft die Ausnahme. Rund die Hälfte der Befragten aus urbanen Räumen würde ihr E-Auto gerne häufiger an einer Wallbox im Mehrparteienhaus laden, stößt dort aber auf bauliche, rechtliche oder wirtschaftliche Hürden.

Es gäbe Besseres als die Einmal-Prämie

Der Verband fordert daher eine ambitionierte Umsetzung des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes (GEIG) und passgenaue Förderprogramme für Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern. Die Ladesäule am Gebäude gilt inzwischen als zentraler Flaschenhals des Ausbaus, weshalb der Verband die politischen Pläne zur Förderung von Ladepunkten in Wohngebäuden ausdrücklich unterstützt. Parallel dazu werden leistungsfähige Mittel- und Niederspannungsnetze benötigt, um zusätzliche Ladepunkte sicher integrieren zu können – eine Herausforderung, die insbesondere Netzbetreiber und Stadtwerke adressieren müssen.

Auch ein weiterer Befund der Umfrage berührt unmittelbar die Geschäftsmodelle von Energieversorgern und Ladeinfrastrukturbetreibern: Knapp 60 Prozent der Befragten bevorzugen dauerhaft niedrigere Stromkosten gegenüber einer einmaligen Kaufprämie. Nur 18 Prozent wünschen sich vor allem eine Subvention beim Fahrzeugkauf.

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