Der Verbraucherzentrale-Bundesverband fordert einen verbraucherfreundlichen Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Der Verbraucherzentrale-Bundesverband fordert einen verbraucherfreundlichen Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Bild: © AdobeStock/Wellnhofer Designs

Von Daniel Zugehör

Öffentliche Ladesäulen werden immer öfter das Ziel von Vandalismus. Zugenommen hat vor allem der Diebstahl von Ladekabeln, wie Betreiber der ZfK bestätigen. Die Kabeldiebe haben es dabei auf das wertvolle Kupfer abgesehen, vermutet die Polizei. Während der Schaden groß ist, bleiben die Täter meist unentdeckt.

EnBW Mobility+, als größter Anbieter öffentlicher Ladesäulen, nennt zwar auf Nachfrage keine konkreten Zahlen. Eine Unternehmenssprecherin der Konzernmutter erklärt: Vandalismus gebe es zwar seit Jahren, bislang aber selten und nicht schwerwiegend. Die Schadenssumme sei daher bisher gering gewesen.

Fälle nehmen zu

Das hat sich jetzt geändert: "Seit kurzem nehmen […] die Fälle von Vandalismus in Form von Kabelklau erheblich zu." Einen Anstieg der Diebstähle verzeichne EnBW insbesondere im Vergleich zum Jahr 2024, so die Sprecherin weiter. Schwerpunktländer seien Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Vereinzelte Fälle habe es im Vorjahr auch in Sachsen, Thüringen und Rheinland-Pfalz gegeben.

Sie betont: "Wir zeigen jeden Fall von Kabeldiebstahl bei der Polizei an und sind dementsprechend schon im Austausch mit den Behörden." Da die meisten Vandalismusfälle derzeit in NRW verzeichnet würden, "sind wir hierzu im mittlerweile auch mit der Landesregierung im Austausch".

Schaden im Millionen-Bereich

Den dadurch entstandenen Schaden verortet die EnBW-Sprecherin im "unteren einstelligen Millionen-[Euro-]Bereich". Und unterstreicht: "Der durch Vandalismus verursachte kurzfristige Ausfall unserer Schnellladestandorte und die Kosten, die die Reparatur nach sich ziehen, ärgern uns als CPO [Charge-Point-Operator; Ladepunktbetreiber] enorm." Aber: Auf die Ladepreise habe dies keinen Einfluss.

Mit laut Bundesnetzagentur fast 9.400 öffentlichen Ladepunkten ist EnBW aktuell der zahlenmäßig größte Betreiber in Deutschland (Stand: Juli 2025). Mehr als 7.000 davon sind Schnellladepunkte mit höheren Leistungen. Während allein die Baukosten einer Ladesäule mit geringerer Leistung zumeist bei unter 10.000 Euro liegen, ist es bei einer Schnellladesäule ein unterer bis mittlerer fünfstelliger Betrag.

Parallelen bei Wettbewerbern

Allerdings handelt es sich keinesfalls um das einzige Unternehmen, das mit zunehmendem Kabelklau zu kämpfen hat. "Wir sind leider, wie unsere Wettbewerber auch, von einer ansteigenden Anzahl von Kabeldiebstählen betroffen", sagt eine Sprecherin von EWE Go, Mobilitätstochter des Oldenburger EWE-Konzerns auf ZfK-Anfrage. "Stand August" lägen die Fälle "für dieses Jahr im zweistelligen Bereich".

Die Parallelen sind ebenfalls auffällig: Vandalismus an Ladesäulen äußert sich weniger in vermüllten Standorten, Graffiti oder angeschlagenen Displays, sondern "aktuell leider vor allem [in Fällen] von Kabeldiebstahl", erläutert die EWE-Go-Sprecherin weiter. Das Unternehmen gehört wie EnBW zu den "Top 5 Betreibern" der Bundesnetzagentur, es betreibt demnach rund 2.800 Ladepunkte.

Kein hundertprozentiger Schutz

Dass ihre Infrastruktur beschädigt wird, nimmt die Branche nicht einfach hin. EWE Go arbeite aber eng mit den Behörden vor Ort zusammen. "Das hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass wir einzelne Fälle zurückverfolgen und auch aufklären konnten." Doch: "Einen 100-prozentigen Schutz vor Kabeldiebstahl gibt es leider nicht."

Die nach Zahl der Ladepunkte Nummer zwei in Deutschland, Eon, gibt sich auf Nachfrage betont gelassen. "Wie bei den meisten Einrichtungen, die im öffentlichen Raum frei zugänglich sind, kann es in Einzelfällen auch bei Ladesäulen dazu kommen, dass diese verunstaltet oder beschädigt werden", erklärt eine Konzernsprecherin.

Und: "Insgesamt beobachten wir das aber nach wie vor selten." Die Konzerntochter Eon Drive unterhält ein Ladenetz aus etwas mehr als 4.500 Punkten. "Sollte es einmal der Fall sein, werden mögliche Graffiti, Aufkleber oder ähnliches möglichst zeitnah entfernt oder gegebenenfalls auch eine rasche Reparatur angestoßen – sowohl bei turnusmäßigen Instandhaltungen als auch anlassbezogen", führt die Eon-Sprecherin aus.

Gegenmaßnahmen laufen

Sollte der Negativtrend anhalten, dürften die Unternehmen wohl oder übel weitere Gegenmaßnahmen einrichten. Von der EnBW heißt es dazu: "Wir prüfen für jeden Standort, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Sicherheit zu erhöhen und um Kabeldiebstahl entgegenzuwirken." Wo möglich, würden schon "abschreckende Maßnahmen wie Beleuchtung oder Videoüberwachung" eingesetzt.

EWE Go bietet "seit Neuestem" zudem ein entsprechendes Meldeformular auf seiner Website. Darüber können Kundinnen und Kunden Vandalismus-Schäden melden. "Damit können uns unsere Kundinnen und Kunden aktiv dabei unterstützen, Fälle von Vandalismus aufzuklären." Ist eine Ladesäule defekt, erfolgt zusätzlich eine automatische Meldung.

Unter den fünf zahlenmäßig größten Betreibern in Deutschland rangieren der Bundesnetzagentur zufolge außer EnBW Mobility+, Eon Drive und EWE Go momentan auch Tesla Germany mit rund 3.400 Punkten sowie Mercedes-Benz (2.665 Punkte).

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