Beliebt, aber vielleicht bald abgeschafft: der E-Roller "Clara"

Beliebt, aber vielleicht bald abgeschafft: der E-Roller "Clara"

Bild: © Stadtwerke Bonn GmbH

Das E-Rollersharing "Clara" der Stadt Bonn trägt sich seit 2025 finanziell selbst. Trotz großer Beliebtheit soll die Alternative zu Bus und Bahn aber nun auf den Prüfstand – wie alle Mobilitätsangebote.

Seit 2021 betreibt die Stadtwerke-Tochter SWB Bus & Bahn eine Flotte von mittlerweile 50 mit Ökostrom angetriebenen Rollern zum Ausleihen nach dem Free-Floating-Konzept – also mit Rückgabezonen statt einer festen -station.

Das Angebot stehe exemplarisch für kommunale Innovationskraft, da alles aus einer Hand komme, teilte SWB Bus & Bahn im Januar mit. Ein Sprecher der Stadtwerke erklärte auf Anfrage, die Nachfrage sei hoch und die E-Roller würden bei nahezu jeder Wetterlage gebucht.

100.000 gefahrene Kilometer

Noch Ende Januar zählte der Betreiber mehr als 100.000 gefahrene Kilometer und verzeichnete rund 15.000 Ausleihen. "Clara" sei fest im Alltag vieler Bonnerinnen und Bonner angekommen, schrieb SWB Bus & Bahn.

Kundinnen und Kunden würden das Angebot auch nutzen, um auf das Auto zu verzichten. Es stehe darüber hinaus nicht in Konkurrenz zu Bus und Bahn, sondern ergänze bestehende Mobilitätslösungen, so der Stadtwerkesprecher weiter.

Er betont: "Die Entwicklung seit dem Start zeigt, dass sich das System kontinuierlich stabilisiert und weiter professionalisiert hat." Demnach konnten seit dem vergangenen Jahr die reinen Betriebskosten durch die Einnahmen von "Clara" gedeckt werden.

"Vollständig inhouse"

Ein Grund dafür ist auch die Lernkurve der vergangenen fünf Jahre. Heute sei "Clara" ein "vollständig inhouse betriebenes Sharingsystem", so der Sprecher weiter. Täglich sorge ein Serviceteam dafür, die Roller einsatzbereit zu halten.

Zu Beginn seien in einzelne Betriebs- und Serviceprozesse allerdings noch externe Dienstleister eingebunden gewesen, "was naturgemäß auch mit höheren Kosten verbunden war".

Über die Zeit sei dann "gezielt internes Know-how aufgebaut, eigene Werkstattstrukturen etabliert und unsere Prozesse kontinuierlich optimiert" worden. "Durch diese konsequente Weiterentwicklung konnten wir Abläufe effizienter gestalten, Reaktionszeiten verkürzen und zugleich die Kostenstruktur nachhaltig verbessern."

Alles wird überprüft

Aber damit könnte bald Schluss sein. Denn der Sprecher räumt ein: "Jedoch werden wir aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage in Bonn sämtliche Mobilitätsangebote auf den Prüfstand stellen."

Die Mobilitätstochter bietet neben Bussen und Bahnen außerdem Fahrräder, E-Bikes und elektrische Lastenräder sowie, auf weniger nachgefragten Strecken, einen "TaxiBus" zum ÖPNV-Tarif an. Welche Mobilitätsangebote von Einschnitten betroffen sein werden und in welchem Umfang, sagte der Stadtwerkesprecher nicht.

Zu den E-Rollern hieß es: "Entscheidend ist für uns, dass 'Clara' einen spürbaren Mehrwert für die Bonnerinnen und Bonner schafft, flexibel nutzbar ist und sinnvoll in bestehende Mobilitätsstrukturen eingebunden wird."

Historisches Defizit in NRW

Die Stadt Bonn teilte im Januar mit, die finanzielle Lage der Kommunen in Nordrhein-Westfalen sei angespannt wie nie zuvor. 2024 habe das Defizit der NRW-Kommunen historische 24,8 Milliarden Euro betragen. Bis zu 35 Milliarden Euro könnten es im Jahr 2025 sein.

Da auch Bonn von einer strukturellen Unterfinanzierung, steigenden Sozialausgaben und wachsenden Investitionsbedarfen betroffen sei, kündigte die Stadt ein "umfassendes Sparpaket" an. Vor allem Großprojekte und bestehende Beschlüsse würden im Zuge dessen überprüft.

Ein entsprechender Haushaltsentwurf soll im September 2026 in den Rat eingebracht werden. Nach Angaben der Stadt beläuft sich das Defizit "auf 96 bis 128 Millionen Euro" – jedes Jahr.

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