Vom Rekordjahr 2019 mit rund 286 Mio. Fahrgästen waren die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) im vergangenen Jahr weit entfernt. Aufgrund der Coronapandemie sank die Zahl der ÖPNV-Nutzer in 2020 um 40 Prozent auf 167,7 Mio. Die Fahrgelderlöse gingen um 16 Prozent zurück.
Mit passgenauen Angeboten will die KVB nun auf das veränderte Mobilitätsverhalten der Bürger reagieren, kündigte die Vorstandsvorsitzende der KVB, Stefanie Haaks, auf der Bilanzpressekonferenz des Stadtwerke Köln Konzerns an. Geplant seien unter anderem im Rahmen eines zweijährigen Pilotprojektes die Einführung eines speziellen Jobtickets sowie eines flexiblen 10-Tage-Tickets, das per Smartphone gebucht werden kann.
ÖPNV-Rettungsschirm fängt Gros der Verluste auf
Dank Hilfen aus dem ÖPNV-Rettungsschirms von Bund und Ländern in Höhe von 45,6 Mio. Euro konnten die Mindereinnahmen der KVB im vergangenen Jahr weitgehend ausgeglichen werden. Das Unternehmensergebnis lag bei einem Fehlbetrag von 109,9 Mio. Euro (Vorjahr: -100,0 Mio. €). Auch in diesem Jahr rechnet die KVB-Chefin mit Fahrgastzahlen, die weit unter dem Niveau von vor der Krise liegen werden. Sie zeigte sich aber zuversichtlich, dass erneut mit Hilfe der Gelder aus dem ÖPNV-Rettungsschirm das Gros der Verluste aufgefangen werden kann.
Gleichzeitig investierte das Verkehrsunternehmen 2020 kräftig in den Ausbau der E-Bus-Flotte und baute seine Stellung als Mobilitätsdienstleister aus.
Der Einbruch der Fahrgastzahlen bei der KVB hat sich auch im Umsatz des Mutterkonzerns, der Stadtwerke Köln GmbH, niedergeschlagen. Dessen Umsatzerlöse gingen leicht auf 5,4 Mrd. Euro (Vorjahr: rund 5,5 Mrd. Euro) zurück. Ebenfalls durch die Pandemie bedingt sanken die Umsätze der KölnBäder drastisch um fast 40 Prozent.
Beide Unternehmen konnten aber durch staatliche Hilfen gestützt werden. Die Stadtwerke Köln GmbH schloss das Geschäftsjahr 2020 mit einem Jahresüberschuss in Höhe von 67,5 Mio. Euro (2019: 74,0 Mio. Euro). Damit konnte nach eigenen Angaben das Planergebnis um rund 13,3 Mio. Euro übertroffen werden.
Erfolgreiches Geschäftsjahr für Netcologne
Die wichtigsten Ergebnisbeiträge stammten von den GEW-Töchtern Rheinenergie (132, 3 Mio. Euro), Brunata-Metrona (28,7 Mio. Euro), aus der Beteiligung an den Stadtwerken Düsseldorf fließt eine Dividende von 13,7 Mio. Euro. Auch die NetCologne blickt auf ein erfolgreiches operatives Geschäftsjahr 2020 zurück und erwirtschaftete einen Überschuss von rund acht Mio. Euro.
Sie konnte sich laut Pressemitteilung in einem starken Wettbewerbsumfeld gut behaupten und investierte in den Ausbau. Um weiterhin ein hohes Investitionsniveau des Telekommunikationsunternehmens zu gewährleisten, verzichtete die GEW Köln auf eine Gewinnausschüttung. Auch die Logistiktochter HGK (9,9 Mio. Euro) und die Abfallwirtschaftsbetriebe Köln (13,4 Mio.) trugen maßgeblich zum Stadtwerke-Ergebnis bei.
Aus dem Jahresüberschuss erhält die Stadt Köln eine Ausschüttung in Höhe von 50,4 Mio. Euro (Vorjahr: 48,8 Mio. Euro). 17,1 Mio. Euro werden in die Gewinnrücklagen eingestellt (Vorjahr: 25,2 Mio. Euro). Neben dem Jahresüberschuss schließt dies die Verlustübernahmen für die KVB (- 109,9 Mio. Euro) und für die KölnBäder (- 20,9 Mio. Euro) ein.
"Wichtiges Standbein für Kölner Haushalt"
„Mit unserer Gewinnausschüttung an die Stadt Köln und unserer gesamten Wirtschaftsleistung in Höhe von rund 280 Mio. Euro sind wir ein wichtiges Standbein für den Kölner Haushalt und den Standort Köln“, erläuterte Dieter Steinkamp, Vorsitzender der SWK-Geschäftsführung, bei der Vorstellung der Konzernjahresbilanz. Die Konzerngesellschaften haben zudem im vergangenen Jahr ihre Investitionen in Sachanlagen, immaterielle Vermögenswerte und Finanzanlagen deutlich erhöht auf insgesamt rund 654 Mio. Euro.
Für das laufende Jahr hält Dieter Steinkamp ein Ergebnis von 50 Mio. Euro für möglich. Dafür müssten aber die Voraussetzungen stimmen. Zum einen seien dafür entsprechende Hilfen aus dem ÖPNV-Rettungsschirm notwendig. Außerdem berge die weitere Pandemieentwicklung und der weitere Konjunkturverlauf Unsicherheiten. So könnten durch das Auslaufen staatlicher Hilfszahlungen die Insolvenz- und damit die Ausfallrisiken bei Privat- und Gewerbekunden zunehmen. (hoe)



