In Hannover liegt eine Vereinbarung zum vorzeitigen Kohleausstieg zwischen Bürgerinitiativen und dem lokalen Energieversorger Enercity auf dem Tisch. Und auch in Köln will nun mit der Rheinenergie ein zweiter großer Fernwärmeversorger über eine verbindliche und transparente Kompromisslösung mit einer Bürgerinitiative ein Bürgerbegehren abwenden.
Diese fordert, dass der mehrheitlich kommunale Versorger ab 2030 nur noch zu 100 Prozent klimafreundlichen Ökostrom liefern und bereits deutlich vor 2035 eine klimaneutrale Energieversorgung sicherstellen soll. Eine Umstellung bis 2030 würde aber "für uns die komplette Aufgabe der Energieerzeugung mit Kraft-Wärme-Kopplung bedeuten“, verdeutlichte der Vorstandsvorsitzende der Rheinenergie Dieter Steinkamp bei der Jahrespressekonferenz.
Klimaneutralität in 2030 würde komplette Aufgabe der KWK-Produktion bedeuten
In den nächsten zwei, drei Wochen stehe man nur vor entscheidenden Gesprächen. "Wir sind dabei, an die Grenzen des wirtschaftlich und technisch Machbaren zu gehen“, so Steinkamp.
Man habe eine sehr konstruktive Arbeitsgrundlage ausgearbeitet, die eine Einigung möglich mache. Nun müsse sich auch die Bürgerinitiative einem Zielhorizont für die Klimaneutralität annähern, der realistisch sei. Laut Ratsbeschluss soll Köln bis 2035 klimaneutral sein. Eine entsprechende Einigung könnte man über einen Ratsbeschluss verbindlich ausgestalten.
Eine technisch realistische und gleichzeitig für die vielen Menschen bezahlbare Lösung werde es für weite Teile des Geschoss- und Bestandsbaus bis 2030 nicht geben. Mit einem Bürgerbegehren stünde die Fernwärmeversorgung von 230.000 Menschen auf dem Spiel.
Wärmewende als größte Herausforderung
Die größte Herausforderung mit Blick auf die Klimaziele ist für den Rheinergie-Chef die Wärmewende. Dabei setze die Rheinenergie auf synthetische Gase, zum Teil aber auch auf Klärschlamm. Wenn es gelänge, die Kraft-Wärme-Kopplung klimaneutral zu gestalten, hätte dies einen durchschlagenden Effekt auf den großstädtischen Raum. Bausteine zum Umbau des Wärmesektors seien zudem Fernwärmespeicher, große Solarthermie-Anlagen und perspektivisch Wasserstoff und Power-to-Heat-Kapazitäten.
In der grünen Wärmewende würden auch Großwärmepumpen eine wichtige Rolle spielen. Die Rheinenergie-Tochter Ago etwa hat eine Hochtemperatur-Wärmepumpe entwickelt. Diese wird bereits in Lemgo eingesetzt, um Flusswasser für die Fernwärme nutzbar zu machen. Die Leistung dieser Anlagen lasse sich zwischen 0,5 und zehn Megawatt skalieren. Im Vergleich zu herkömmlichen Wärmepumpen seien hier wesentlich höhere Nutztemperaturen, teils bis 120 Grad, möglich.
Zuschlag bei Innovationsausschreibungen
Im Bereich erneuerbarer Energien hat die Rheinenergie bislang 375 Mio. Euro investiert und ein Portfolio von insgesamt 210 MW aufgebaut. Dieses wird durch aktuelle Zuschläge bei Innovationsausschreibungen im PV-Bereich um weitere 59 MW wachsen.
Das Unternehmen hatte 2020 einen Dekarbonisierungsfahrplan vorgelegt. Ab kommendem Jahr wird die Stromlieferung an Privat- und Gewerbekunden auf Grünstrom umgestellt.
Wichtige Weichenstellung im Vertrieb
Eine wichtige Weichenstellung gibt es auch im Vertrieb: Im Zuge eines reinen Digitalvertriebs beliefert die Rheinenergie jetzt Privat- und Gewerbekunden seit kurzem unter der eigenen Marke mit Strom und Gas. Das Geschäft werde hier nicht mehr Face-to-Face betrieben, sondern der gesamte Bearbeitungsprozess sei dabei hoch digitalisiert und automatisiert, heißt es.
Für diesen Umbau wurden laut Steinkamp erhebliche Rückstellungen gebildet, auch für einen sozialverträglichen Personalabbau.
Einmaleffekte prägen Ergebnis
Das von der Coronapandemie geprägte Geschäftsjahr hat der mehrheitlich kommunale Versorger mit einer soliden Bilanzzahlen abgeschlossen. Das Ergebnis ist von Sondereffekten geprägt. So hat man einerseits vom Verkauf der Beteiligung an der MVV profitiert, auf der anderen Seite standen höhere Aufwendungen für die Umstrukturierung und Neuausrichtung des Lieferanten und obige Rückstellung.
Der Umsatz ohne Energiesteuer ging nur leicht zurück auf rund 2,47 Mrd. Euro (2019: 2,51 Mrd. Euro). Das Ebit liegt mit 189 Mio. Euro (2019: 172 Mio. Euro) deutlich über dem Vorjahreswert. Unterm Strich resultiert ein Unternehmensergebnis von 170 Mio. Euro (2019: 148 Euro).
Davon fließen 132 Mio. Euro an den Hauptgesellschafter, die städtische Holding GEW. Minderheitsgesellschafter Westenergie erhält 30 Mio. Euro, die Gewinnrücklagen der Rheinenergie werden mit acht Mio. Euro gestärkt. Für das laufende Jahr stellte der scheidende Finanzvorstand Dieter Hassel einen Umsatz von 2,4 Mrd. Euro und ein Ergebnis vor Etragssteuern von rund 154 Mio. Euro in Aussicht. (hoe)



