Eine Straßenbahn am Mainzer Hauptbahnhof

Eine Straßenbahn am Mainzer Hauptbahnhof

Bild: © Stephan Dinges / Adobe Stock

Ehrgeizige Pläne hatten die Mainzer für ihren Nahverkehr. In den kommenden vier Jahren sollte die Zahl der Fahrgäste um fast 20 Prozent auf dann 67 Millionen pro Jahr steigen. Doch weil das alles zu teuer wird, ziehen die Stadtwerke nun die Reißleine. Die Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) muss sparen, damit die Konzernmutter nicht in die tiefroten Zahlen rutscht. Und Hoffnung ruht in Mainz auch darauf, dass das Land der MVG unter die Arme greift.

Vor einigen Wochen hatte Stadtwerke-Vorstand Daniel Gahr im Finanzausschuss des Mainzer Stadtrates auf die drohenden finanziellen Überforderungen für die Stadtwerke hingewiesen. Seine Befürchtung: Mit den ehrgeizigen Plänen im Nahverkehr könnte das Defizit des ÖPNV-Bereichs in den kommenden Jahren von derzeit 25 auf dann bis zu 54 Millionen Euro klettern. Für die Stadtwerke sei ein solcher Anstieg nicht mehr alleine zu stemmen.

Trotz Einsparung soll die Fahrgastzahl steigen

Als Gegenmaßnahme wurde unter anderem die MVG-Geschäftsführung aufgefordert, deutliche Einsparvorschläge vorzulegen. Diese liegen mittlerweile auf dem Tisch und der Aufsichtsrat der Stadtwerke hat der Planung zugestimmt.

Den ursprünglichen Planungen zufolge sollte der Zuwachs bei den Fahrgästen vor allem durch den zügigen Straßenbahnausbau in der Innenstadt und zum Heiligkreuz-Viertel erreicht werden. Zwar werden nun beide Ausbauprojekte weiter bis zum Planfeststellungsbeschluss vorangetrieben. Ein automatischer Baustart, sobald Baurecht vorliegt, lasse sich derzeit aber nicht zusagen. Daher rechnet die Mainzer Mobilität in der jetzt überarbeiteten Mittelfristplanung „nur noch“ mit etwa 60 Millionen Fahrgästen im Jahr 2028. Gahr betont aber: „Im Vergleich zu anderen Städten, die ihren ÖPNV in den kommenden Jahren aus Kostengründen eher reduzieren müssen, peilen wir immer noch ein Plus von etwa vier Millionen Fahrgästen bis 2028 an.“   

Hinten angestellt wird dementsprechend auch die Beschaffung von acht zusätzlichen Straßenbahnfahrzeugen, die für den Ausbau des Straßenbahnnetzes zum Einsatz gekommen wären. Die gerade angestoßene Ausschreibung von 22 neuen Straßenbahnen als Ersatz für ältere Bahnen wird aber fortgesetzt.

Der zweite Betriebshof kommt später

Nicht realisiert werden könne zunächst auch ein zweiter Betriebshof der MVG. Klar ist aber auch: Bei dessen Wegfall dürften sich in den kommenden Jahren Kapazitätsprobleme bei Fahrzeugabstellung und -instandhaltung sowie der Umstellung auf alternative Antriebe ergeben. Daher laufen zumindest Standortsuche und Planung weiter.

Auf der Streichliste steht schließlich der „Mainz Rider“, das „Shuttle-on-demand“-Angebot. Zwar ist die Zahl der Fahrten nach der Corona-Krise wieder gestiegen. Das Defizit beim „Mainz Rider“ betrage aber mehrere hunderttausend Euro im Jahr und sei in der aktuellen Situation nicht darstellbar.  

Drohendes Stadtwerke-Minus ist vom Tisch

Mit der neuen Planung rechnet die Stadtwerke-Gruppe in den kommenden fünf Jahren mit jeweils leicht positiven Jahresergebnissen zwischen vier bis zehn Millionen Euro. Das zuvor drohende Minus von kumuliert mehr als 63 Millionen Euro für die Jahre 2026 bis 2028 sei nun vom Tisch. Es bestünden allerdings gerade auf der Einnahmeseite in den kommenden Jahren weiter erhebliche Risiken für die Verkehrssparte. Eine stärkere Unterstützung von Bund, Land und Stadt sei für die Verkehrs- und Klimawende unerlässlich.
 
Hoffnung liegt aber auch in der Landesförderung, konkret aus Änderungen im 2021 novellierten Nahverkehrsgesetz von Rheinland-Pfalz: In Gesprächen zwischen dem Stadtwerke-Vorstand und dem Umwelt- und Mobilitätsministerium hat das Land nach Stadtwerke-Angaben erstmals signalisiert, dass ab 2024 die im Nahverkehrsgesetz verankerte Kofinanzierung des Landes für den lokalen ÖPNV umgesetzt werden soll. Damit werde auch in Mainz ein Teil des jährlichen Defizits im ÖPNV vom Land getragen. Dafür zeigte sich Gahr der Verkehrsministerin Katrin Eder dankbar. Er verwies aber darauf, dass die im Raum stehende Übernahme von 15 Prozent des ÖPNV-Defizits nicht reiche, um die Verkehrswende spürbar vorantreiben zu können. (wa)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper