Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende der Grünen

Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende der Grünen

Bild: © Gregor Fischer/dpa

"Wenn wir nicht dazu kommen, dass klimafreundliches Verhalten belohnt wird, dann wird der Klimaschutz kein Selbstläufer werden", so Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende der Bündnisgrünen auf einer Podiumsdiskussion des BDEW-Kongresses zu den globalen Perspektiven für Klimaschutz, Wirtschaft und Wohlstand. Das Mittel Baerbocks Wahl hierfür ist die Einführung eines CO2-Preises.

Nur so könne Deutschland die technologischen Entwicklungen, die bereits vorhanden sind, auch in den Markt bringen, satt Klimaschutz weiterhin vorrangig über Förderprogramme anzuregen. Ähnlich sieht das auch Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK): "Wenn der CO2-Preis jenseits des ETS-Handels einen Preis von 35 Euro pro Tonne hat, dann können die Marktkräfte dafür sorgen, dass der Kohleausstieg auch schon vor 2038 gelingen kann."

Nachhaltige Wirtschaft gibt es nicht zum Nulltarif

Für Baerbock muss es gar kein verfrühter Kohleausstieg sein, sie wäre schon zufrieden, wenn das beschlossene Ausstiegsdatum pünktlich umgesetzt wird: "Der Kohleausstieg ist festgeschrieben, noch fehlt allerdings die Gesetzgebung". Deswegen besteht die Bundesvorsitzende darauf, das Kohleausstiegsgesetz noch vor der Sommerpause auf den Weg zu bringen. Immerhin hinge daran auch ein wirtschaftlicher Faktor – nur wenn es verlässliche politische Leitplanken gebe, werde auch in klimafreundliche Technologien investiert.

Wie eng Wirtschaft und Klimaschutz zusammenhängen verdeutlicht auch Edenhofer: "Wenn wir ein nachhaltiges Wachstum wollen, müssen wir das bepreisen, was dieses verhindert. Nachhaltigkeit gibt es eben nicht zum Nulltarif."

100-prozentige Mehrheit nicht von Anfang an

Ein weiterer wichtiger Faktor für das Gelingen der Energiewende sei jedoch auch der Wille der Verbraucher. "Wir haben eine Verpflichtung, Botschaften so zu transportieren, dass die Menschen sie verstehen", erklärt Karsten Widberger, Mitglied des Vorstandes von Eon und ergänzt: Die Lebenswelten werden komplexer werden und es brauche Information und Aufklärung, um die Entwicklungen zu verstehen.

Auf einen vollkommenen Konsens in Politik und Gesellschaft dürfe man dennoch nicht gleich hoffen: "Wenn wir etwas verändern wollen, und darauf setzten, dass am Anfang 100 Prozent dafür sind, dann werden wir nichts verändern", betont Baerbock. So ist das mit allen Prozessen: Es hätte weder die Wiedervereinigung noch die Euroeinführung gegeben, wenn wir nach jeder Blitzumfrage gesagt hätten, das lassen wir jetzt."

Stagnation vermeiden

Bei Fehlentscheidungen oder -entwicklungen müsse nachgesteuert werden, deswegen dürfe man aber tortzdem nicht den Mut verlieren, andere Prozesse weiter voranzubringen. "Ansonsten stagnieren wir nur", so Baerbock abschließend. (ls)

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