Vor Veröffentlichung der Kraftwerksstrategie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz hat der BDEW grundsätzliche Kriterien und Anforderungen an die geplanten Ausschreibungen für H2-ready-Kraftwerke formuliert.
„Für einen vorgezogenen Kohleausstieg ist es zentral, kurzfristig flexible und H2-ready-Stromerzeugungskapazitäten aufzubauen, welche die Versorgungssicherheit im nahezu klimaneutralen Stromsystem gewährleisten können und dabei konsequent den Weg der Dekarbonisierung beschreiten,“ erläutert BDEW-Chefin Kerstin Andreae in einer Pressemitteilung. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen seien die erforderlichen Investitionen in gesicherte Leistung jedoch nicht zu erwarten. Der sowohl von der Bundesregierung als auch von mehreren großen Studien gesehene erforderliche Zubaubedarf an gesicherter Leistung in Deutschland liege bei rund 20 bis 40 Gigawatt (GW) bis 2030 bzw. 2035. „Die Bundesregierung muss rasch Klarheit darüber schaffen, wie Versorgungssicherheit zudem mittel- und langfristig organisiert werden soll“, fordert Andreae.
Förderrahmen schaffen
Um die dringend benötigten Investitionen in diese Kapazitäten anzureizen, bedarf es daher aus Sicht des BDEW bereits kurzfristig eines geeigneten Förderrahmens. „Daher begrüßen wir, dass das Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen der so genannten Kraftwerksstrategie insbesondere Ausschreibungen für H2-ready-Kraftwerke vorsieht und diesbezüglich mit der EU-Kommission im engen Austausch steht,“ so Andreae. Darüber hinaus solle sehr zeitnah der Prozess zur Etablierung eines Kapazitätsmarktes gestartet werden, da dessen Implementierung Zeit erfordere.
Mit Blick auf die Kraftwerksstrategie 2023 ist es aus Sicht des BDEW zentral, mit dieser Strategie kurzfristig den Neubau und Betrieb von H2-ready-Kraftwerken so zu adressieren, dass die nötigen Investitionsentscheidungen zeitnah getroffen werden können. Bei der Umsetzung der Maßnahmen sollen sowohl marktwirtschaftliche Elemente wirken als auch die Versorgungssicherheit bei Erreichung der Dekarbonisierungsziele gestärkt werden.
Wettbewerbsverzerrungen vermeiden
Das bedeutet: Innerhalb der Ausschreibung sollte nach Überzeugung des Verbands eine sinnvolle, systemdienliche räumliche Verteilung der Kraftwerke angereizt werden, um die Anlagen im Engpassmanagement effektiv einbinden zu können. Darüber hinaus sollte die Förderung demnach leistungsbasiert vorgesehen werden, um tiefgreifende Wettbewerbsverzerrungen am Strommarkt zu vermeiden.
Zentrales Element für Investitionssicherheit ist aus BDEW-Sicht die Vermeidung von stranded investments. Dies muss nach Ansicht des BDEW durch eine kluge Verzahnung der Ausschreibungen für H2-ready-Kraftwerke mit einem zukünftigen Marktdesign, wie einem Kapazitätsmarkt, gewährleistet werden.
Technologieoffene Gestaltung
Der Förderrahmen für H2-ready-Kraftwerksausschreibungen müsse die Potenziale unterschiedlicher Technologien – inklusive der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) – optimal nutzen, indem er technologieoffen gestaltet wird. Ebenfalls ist es aus Sicht des BDEW sehr wichtig, sowohl bei Neu- als auch bei Bestandsanlagen die Umstellung auf einen Betrieb mit 100 Prozent Wasserstoff zeitlich und wirtschaftlich in die gesamte Kraftwerksstrategie einzubeziehen. Flexible und klimaneutral betriebene Stromerzeugungs- und KWK-Anlagen seien Partner der erneuerbaren Energien, die mit ihrer abrufbaren Kapazität wesentlich zum Gelingen der Energiewende beitragen, so der BDEW.
Wichtig seien auch eine Importstrategie für Wasserstoff und die entsprechenden Infrastrukturen sowohl für den Import als auch für die Verteilung über das – aktuell in der Konsultation befindliche – H2-Kernnetz sowie über die nachgelagerten Bereiche des Wasserstoffnetzes. (amo)



