Kommunen und Stadtwerke brauchen bei der Wärmeplanung weiterhin einen langen Atem. Die Lücke zwischen eingereichten und bewilligten Anträgen bei der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) bleibt hoch: Nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) waren 1914 eingegangene Anträge noch nicht bewilligt worden (Juni 2026). Das sind fast doppelt so viele Fälle wie vor einem Jahr. Damals lag der Rückstau bei knapp 1000.
Im Vergleich zum Frühjahr ist die Lücke dagegen wieder etwas kleiner geworden. Stand April lag der Rückstau bei mehr als 2000. Wie viele Anträge storniert oder abgelehnt wurden, ist unklar.
Über die BEW fördert der Bund Vorhaben zum Ausbau von Wärmenetzen und zur Vergrünung der Fernwärme, etwa Flusswärmepumpen oder Geothermieanlagen. Das Programm startete im September 2022.
Die Nachfrage ist seitdem ungebrochen. Allein im ersten Halbjahr 2026 gingen laut Bafa-Statistik 1280 Anträge ein – mehr als in jedem anderen Halbjahr bislang. 895 wurden in diesem Zeitraum laut Bafa bewilligt. Insgesamt wurden bis zum 30. Juni 2026 mehr als 5800 Anträge gestellt und mehr als 3900 bewilligt.
Antragsflut im März
Den stärksten Antragsschub gab es nach der Bafa-Entscheidung Ende Januar, die Förderung von Transformationsplänen über Modul 1 zum 1. April einzustellen. Begründet wurde dies mit der gesetzlichen Verpflichtung der Wärmenetzbetreiber zur Erstellung von Wärmenetzausbau- und -dekarbonisierungsfahrplänen im Wärmeplanungsgesetz.
Allein im März wurden 914 BEW-Anträge beim Bafa gestellt. Der Wert übertrifft alle bisherigen Monatszahlen seit Programmstart und stellt ungefähr das Dreifache eines durchschnittlichen Monats aus der ersten Jahreshälfte 2025 dar.
"Allein die Ankündigung der Einstellung in Modul 1 zum 1. April 2026 – und die sich daraus ergebende Unsicherheit – haben zu einer weiteren Antragsflut geführt", erklärte Frank Mattat, Geschäftsführer des Fernwärmeverbandes AGFW. Diese Flut sei bisher noch nicht in der Bearbeitung beim Bafa angekommen.
Bearbeitung: Externer Dienstleister hilft
Um den Rückstau abzubauen, hat das Bafa nach eigenen Angaben bereits Maßnahmen ergriffen. Die Bearbeitungszeiten seien seit Jahresbeginn 2026 zurückgegangen, teilte die Behörde mit. Konkrete Zahlen zu aktuellen Bearbeitungszeiten nannte das Bafa nicht. Laut AGFW hat die Behörde mittlerweile einen externen Dienstleister hinzugezogen, um die Bearbeitung von BEW-Anträgen zu beschleunigen.
Die teils langen Bearbeitungszeiten begründete das Bafa so: "Es handelt sich bei den Förderanträgen um sehr komplexe Verfahren, die auch aufgrund fast immer erforderlicher Rückfragen mehrmonatige Bearbeitungszeit benötigen, bevor eine Bescheidung erfolgen kann." Hinzu komme, dass für eine zunehmende Anzahl bereits bewilligter Projekte weitere Unterlagen eingingen, die ebenfalls dringend zu prüfen seien.

Eine kurzfristige Verbesserung der BEW-Antragszeiten ist nicht zu erwarten.
Frank Mattat
AGFW-Chef
AGFW-Chef Mattat bescheinigte dem Bafa guten Willen, sagte aber auch, dass noch mehr passieren müsse. Bis die externe Verstärkung tatsächlich Wirkung zeige, werde es noch dauern. "Eine kurzfristige Verbesserung der BEW-Antragszeiten ist daher nicht zu erwarten", prognostizierte der Verbandschef.
Bricht man die BEW-Anträge auf Module herunter, ergibt sich ein klares Muster: Der weitaus größte Teil der Anträge entfällt bisher auf die Planungsphase, also auf Machbarkeitsstudien und Transformationspläne über Modul 1.
Die eigentliche Umsetzung, gefördert über Modul 2, macht bislang einen vergleichsweise kleinen Anteil aus. Auch Einzelmaßnahmen über Modul 3 und die Betriebskostenförderung über Modul 4 spielen eine nachgeordnete Rolle.
Fast fünf Milliarden Euro bewilligt
Auch zu den bewilligten BEW-Fördermitteln lieferte das Bafa neue Zahlen. Demnach wurden bis zur Jahresmitte knapp fünf Milliarden Euro bewilligt. Den größten Anteil daran hatte das zweite Halbjahr 2025 mit rund 1,3 Milliarden Euro. Das war fast doppelt so viel wie im ersten Halbjahr 2025. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2026 wurden knapp 700 Millionen Euro bewilligt.


