Chefregulierer Klaus Müller will Ende kommenden Jahres das künftige Netzregulierungsregime unter Dach und Fach haben.

Chefregulierer Klaus Müller will Ende kommenden Jahres das künftige Netzregulierungsregime unter Dach und Fach haben.

Bild: © Rolf Vennenbernd/dpa

Von Hans-Peter Hoeren

Die tatsächliche Höhe der Netzentgelte und vor allem die Unsicherheit über deren weitere Entwicklung – das ist laut Klaus Müller, dem Präsidenten der Bundesnetzagentur (BNetzA), eines der größten Probleme bei der Entwicklung der Energiekosten in Deutschland. "Wenn eine neue Bundesregierung hier über ein Amortisationskonto eine Garantie geben würde, dass die Entgelte nicht über einen Betrag X steigen", könne dies wieder mittel- bis langfristige Planungssicherheit bei der Kostenentwicklung geben, insbesondere auch für die Industrie.

Ein künftiger Finanzminister oder eine Finanzministerin werde sich zuerst fragen, was im Energiesystem noch für Effizienzen und Kosteneinsparungen möglich seien, bevor der Staat an anderen Stellschrauben drehe und mit eigenen Mitteln einspringe, so Müller auf dem Führungskräftetreffen der Süddeutschen Zeitung am Vorabend der Branchenmesse E-World in Essen.

"Erst wenn die Branche aufzeigen kann, an welchen Stellen der Stromnetzausbau noch günstiger, schneller und effizienter geht", werde ein künftiges Finanzministerium Geld in die Hand nehmen, um die Netzentgelte zu senken. Dies werde entweder über ein Amortisationskonto oder einen direkten Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelte gehen. "Beides wird es nicht geben."

Shift auf Freileitung mit hohem Sparpotenzial

Würde man bei den noch nicht genehmigten 30 bis 35 Prozent des geplanten Netzausbaus etwa in sinnvollem Maße auf Freileitungen statt Erdkabel satzen, ließen sich rund 18,5 Milliarden Euro einsparen. Der beste Zeitpunkt für diesen Paradigmenwechsel wäre im Sommer 2023 gewesen, als eine Vielzahl von Genehmigungen angestanden habe. Das ursprünglich für den Erdkabelvorrang ins Feld geführte Argument, dass dieser für eine höhere Akzeptanz sorge, gelte schon länger nicht mehr, so Müller weiter.

Mit dem Stand des Stromnetzausbaus zeigte er sich grundsätzlich zufrieden, auch sein Ausblick fiel optimistisch aus. Insbesondere bei der Beschleunigung des Stromnetzausbaus sei man in den vergangenen Jahren deutlich vorangekommen. Dies sei neben der Beschleunigung des Erneuerbarenausbaus, dem Start des Wasserstoffkernnetzes und der Bewältigung der jüngsten Energiekrise einer der größten Erfolge in der abgelaufenen Legislaturperiode. 

Redispatchkosten werden sinken

Die bebauten Kilometer im Übertragungsnetz hätten sich verdoppelt, die im Bau befindlichen Kilometer vervierfacht und die genehmigten Kilometer verdreizehnfacht. Diese Beschleunigung werde dazu führen, dass die Redispatchkosten künftig weiter sinken würden. Das höhere Tempo beim Netzausbau habe auch dazu geführt, dass "der Aggressiongsrad der Schreiben an die Bundesnetzagentur und die Intensität der Proteste und Zahl der Klagen gegen Netzausbauvorhaben" deutlich gestiegen sei.

Neben den sinkenden Redispatchkosten werde auch der Erneuerbarenausbau sich künftig dämpfend auf die Strompreise auswirken. Dagegen stünden höhere Kosten durch den Netzausbau und höhere Systemkosten, um die notwendige Systemstabilität und die Versorgungssicherheit über zusätzliche gesicherte Leistung zu gewährleisten.

Umverteilung der Netzentgeltbelastung wirkt

Die neuen Kompetenzen seiner Behörde bei der Umverteilung der Netzentgelte je nach Stand des Erneuerbarenausbaus in der jeweiligen Region bewertete er als positiv. Diese habe zu einer Entlastung der Gegenden mit einem hohen Wind- und PV-Anteil geführt, dies sei im Gegenzug vor allem von den Ballungszentren und anderen Teilen Deutschlands bezahlt worden. 

"Eine Region mit unterdurchschnittlicher Ausbaudynamik wird tendenziell mehr bezahlen." Es bestehe bei entsprechendem Erneuerbaren-Wachstum aber durchaus die Möglichkeit, vom Nettozahler zum Nettoprofiteur zu werden. Nordrhein-Westfalen etwa sei auf dem besten Wege, sich in diese Richtung zu entwickeln.

Reservekapazitäten gegen Dunkelflauten

Der Präsident der BNetzA zeigte Verständnis dafür, dass Dunkelflauten, für Unternehmen, die kurzfristig am Markt beschaffen, eine "furchtbare Erfahrung" sind. Seine Behörde werde immer schauen, dass sie genügend Reservekapazität vorrätig halte, um die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können. Dies sei aber teurer und schmutziger als der Stromimport aus den Nachbarländern, Teil der Reserve seien bis 2032 auch noch Kohlekraftwerke. Deshalb sei es wichtig, dass das Kraftwerkssicherheitsgesetz, das den Bau neuer Gaskraftwerke und einen Kapazitätsmechanismus anreizen soll, zeitnah von einer neuen Bundesregierung beschlossen wird.

Müller befürwortete in dem Zusammenhang, noch stärker auf den Europäischen Strombinnenmarkt zu setzen, da dies der effizienteste Mechanismus sei. Die Diskussion um verschiedene Strompreiszonen hingegen beurteilte er keineswegs entspannt. Deutschland werde teilweise zu Recht vorgeworfen von seinen Nachbarn, beim Stromnetzausbau zu langsam zu sein. "Deutschland hat einen Teil der Netzkosten Nachbarn aufgebürdet, da bin ich klein mit Hut gegenüber manchen europäischen Kollegen." Deshalb sei es so wichtig, dass Deutschland das Tempo beim Stromnetzausbau hoch halte und im Idealfall weiter steigere.

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