Offizieller Startschuss für den Deutschlandfonds: Mit der Einrichtung dieses Dachfonds will die Bundesregierung mehr privates Kapital in wichtige Zukunftsfelder, vor allem in den Umbau der Energieversorgung lenken. Im Kern geht es darum, vor allem das Kapital privater Investoren für die Transformation zu hebeln.
Für Stadtwerke besonders interessant: Das lang erwartete KfW-Programm zur Förderung und Absicherung von Geothermie-Projekten ist am Donnerstag (18.12.) gestartet. Zudem sichert die bundeseigene Förderbank KfW künftig gemeinsam mit den Hausbanken Darlehen für die Modernisierung und Erweiterung der Stromverteilnetze ab. Dies soll die Finanzierungsmöglichkeiten der Hausbanken und Sparkassen vor Ort erhöhen.
Hier die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick.
Wie funktioniert der Deutschlandfonds und welche Branchen profitieren zuerst?
Über verschiedene Finanzierungsinstrumente sollen in einem ersten Schritt gezielt die Bedarfe von Industrie, Mittelstand und jungen Unternehmen (Start-ups wie Scale-ups) sowie Energieversorgern adressiert werden.Der Bund stellt dafür öffentliche Mittel in Höhe von rund 30 Milliarden Euro bereit.
Bei über 95 Prozent der Summe handelt es sich um Absicherungsinstrumente wie Bürgschaften und Garantien. Damit sollen insgesamt Investitionen von rund 130 Milliarden Euro ausgelöst werden.
Der Deutschlandfonds ist eine separate Investitionsoffensive, das staatliche Sondervermögen von 500 Milliarden Euro befindet sich in einem separaten Topf. Die KfW übernimmt die Koordination des Deutschlandfonds und ist Ansprechpartner für nationale und internationale Investoren.
Wann startet der Deutschlandfonds?
Der Aufbau des Deutschlandfonds ist stufenweise vorgesehen. Neben einem ersten Projekt im Bereich Rohstoffe starten noch im Dezember die ersten drei Instrumente:
- das Absicherungsinstrument für Transformationsindustrien,
- das Kreditprogramm zur Absicherung von Geothermie-Projekten
- ein neues Finanzierungsinstrument für Start-ups und Scale-ups
Wie profitieren Stromnetz- und Wärmenetzbetreiber konkret von dem Deutschlandfonds?
Die Kreditaufnahme von Stromverteil- und Wärmenetzbetreibern soll abgesichert werden, damit diese ihre in den nächsten Jahren stark steigenden Investitionen in die Stromverteil- und Wärmenetze stemmen können.
So soll das Ganze funktionieren: Ein Energieversorgungsunternehmen plant die Modernisierung oder Erweiterung seines Stromverteilnetzes. Um die Investition stemmen zu können, stellt die KfW in Zusammenarbeit mit den Hausbanken einen Kredit von bis zu 100 Millionen Euro bereit, dessen Risiken sich die Förderbank mit den Hausbanken teilt.
Dafür bekommt die KfW eine Garantie des Bundes. Genau dieses Signal haben offenbar viele investitionswillige institutionelle Anleger vom öffentlichen Sektor erwartet. Das senkt die Risiken und könnte im Idealfall auch die Renditererwartungen auf ein für die Kommunalwirtschaft tragfähiges Niveau senken.
"Die Stadtwerke wollen investieren und stehen
unter enormem Druck investieren zu müssen."
VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing
Wann wird dieses Instrument genau zur Verfügung stehen?
Wann genau diese Option im kommenden Jahr zur Verfügung stehen wird, ist noch offen. Es wird aber erwartet, dass dies zeitnah in den kommenden Monaten geschehen wird. "Ich gehe davon aus, dass die nächsten Produkte bald kommen werden", sagte Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des VKU auf ZfK-Nachfrage.
Darüber hinaus sei es angesichts der hohen Investitionsbedarfe notwendig, dass private und kommunale Energieversorgungsunternehmen über die für die Finanzierung erforderliche Eigenkapitalbasis verfügen, heißt es in einer Pressemitteilung der KfW. Hier wolle man in einen Dialog mit den Bundesländern treten und arbeite daran, dass Investoren und Energieversorger leichter zusammenfinden können.
"Die Stadtwerke wollen investieren und sie stehen unter enormem Druck investieren zu müssen", untermauerte Liebing die Bereitschaft der Branche.
Außerdem sind zinsverbilligte KfW-Kredite für Anlagen zur Erzeugung von Strom, Wärme und Kälte aus erneuerbaren Energien und Speicher geplant. Auch hier soll die Risikoentlastung durch den Bund die Bereitschaft der durchleitenden Banken zur Kreditvergabe erhöhen.
Der Förderkredit Geothermie unterstützt die Finanzierung geothermischer Bohrungen ab 400 Metern Tiefe und sichert die Fündigkeitsrisiken ab.
Wie ist das neue KfW-Programm für Fündigkeitsrisiken im Geothermiebereich genau ausgestaltet?
Bereits unter der Ampelkoalition wurde die Fündigkeitsversicherung für Geothermieanlagen vorbereitet. Bisher fehlte ein Haushaltstitel, jetzt liegt er vor. "Über die Risikoabsicherung ist lange gesprochen worden, ich bin froh das dieses Instrument jetzt scharf gestellt wird", sagte Liebing.
Ab sofort können Projektübersichten zur Prüfung eingereicht werden. Kooperationspartner der KfW ist der Rückversicherer Munich Re und das Bundesministerium für Wirtschaft und Finanzen.
Das Programm setzt an zwei Punkten an: Einerseits unterstützt es die Finanzierung geothermischer Bohrungen ab 400 Metern Tiefe mit zinsgünstigen Krediten der KfW, andererseits sichert es die Fündigkeitsrisiken aus diesen Bohrungen ab. Munich Re prüft die Projekte auf Versicherbarkeit und Durchführbarkeit.
Die KfW stellt pro Projekt Darlehen von bis zu 25 Millionen Euro mit einer maximalen Laufzeit von fünf Jahren zur Verfügung. Das Darlehen ist durch eine Versicherung respektive einen Teilschulderlass abzusichern. Der Bund stellt Mittel für die Risikoabsicherung bereit.
"Das Thema Fündigkeitsrisiko ist für viele Stadtwerke eine Hürde gewesen. Jetzt sind die Entscheidungen getroffen, jetzt kommt es voran", ordnete VKU-Chef Ingbert Liebing die Geothermie-Entscheidung ein.
"Wir schauen wir uns jedes Projekt auf Basis der jeweiligen Datenlage genau an. So können wir mit der Fündigkeitsversicherung prinzipiell bundesweit Geothermie-Projekte in Vorzugsgebieten absichern."
Thomas Blunck, Mitglied des Vorstands bei Munich Re
Wie läuft genau die Prüfung beim Geothermie-Förderprogramm ab?
Munich Re prüft vor der Kreditbeantragung die Versicherbarkeit der Projekte. Nach erfolgreicher Begutachtung der Mindestvoraussetzungen findet eine detaillierte Projektprüfung statt. Fällt diese ebenfalls positiv aus, stellt die KfW eine Aufforderung zur Antragstellung.
Munich Re sichert 30 bis 70 Prozent der Darlehenssumme ab. Für den nicht abgesicherten Teil gewährt die KfW im Schadensfall – beispielsweise bei Nicht-Fündigkeit – einen Teilschulderlass zu den gleichen Bedingungen wie im Versicherungsvertrag. Dadurch kann der Projektträger bis zu 100 Prozent des Darlehensbetrags absichern.
"Wir arbeiten im Bereich der Tiefengeothermie mit einem hohen Ausfallrisiko und hohen Risikoanforderungen. Dabei schauen wir uns jedes Projekt auf Basis der jeweiligen Datenlage genau an. Unter diesen Voraussetzungen kann Munich Re Geothermie-Projekte mit einer Fündigkeitsversicherung prinzipiell bundesweit in Vorzugsgebieten absichern", erklärt Thomas Blunck, Mitglied des Vorstands bei Munich Re. Essenziell sei es bei diesen Projekten, dass der Rückversicherer von Anfang an involviert sei, Einblick in die Messungen und Kalkulationen habe und die Datenlage stimme.
Die KfW erweitert darüber hinaus zeitnah den "Investitionskredit für kommunale und soziale Unternehmen" um Investitionen in eine effiziente Wärme- und Stromversorgung. Damit ist die Weiterfinanzierung des Baus einer Geothermieanlage nach einer erfolgreichen Bohrung möglich.
Wie wird der Deutschlandfonds weiter geführt, was sind die nächsten Schritte?
In einer zweiten Stufe sollen ab dem Jahr 2026 sukzessive weitere Instrumente starten. Hierzu gehören Instrumente zur Modernisierung der Energieinfrastruktur sowie neue private Kreditfonds für Start-ups und das Wachstums- und Innovationskapital.
Im weiteren Ausbau soll zudem die Wagnisfinanzierung von innovativen Start-ups und Scale-ups der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie über Fondsinvestitionen oder Direktbeteiligungen verstärkt. Das Ziel ist es, die technologische Verteidigungsfähigkeit in den Fokus zu nehmen.
Darüber hinaus wird laut KfW im Bereich Verbriefungen ein weiteres Instrument zur Vertiefung des Kapitalmarktzugangs und der Finanzierungskonditionen der deutschen Wirtschaft eingerichtet.
"Jetzt ist es wichtig, schnell tragfähige eigenkapitalstärkende Instrumente bereitzustellen, insbesondere für die Wärmewende."
BDEW-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Andreae
Wie bewertet die Branche den Startschuss für den Deutschlandfonds?
VKU-Hauptgeschäftführer Ingbert Liebing sprach von einem "starken Signal für die Energiewende". Die eigentliche Ausarbeitung und Detailarbeit für die weiteren Programme des Deutschlandfonds beginne aber jetzt erst. "Hier müssen wir schnell vorankommen, damit die im Fonds angelegten Instrumente für die Energiewirtschaft zügig umgesetzt werden". Vor allem das Eigenkapital von Stadtwerken müsse gestärkt werden.
Auch der BDEW sprach von einer "wichtigen Weichenstellung". Jetzt sei es wichtig, schnell tragfähige eigenkapitalstärkende Instrumente bereitzustellen, insbesondere für die Wärmewende. Dies müsse flankiert sein von Garantien und Bürgschaften. "Entscheidend ist es, schnell einen Energiewendefonds zu etablieren und zeitnah zu evaluieren, wie es im Markt angenommen wird", forderte BDEW-Chefin Kerstin Andreae.
Eine wichtige Rolle soll dabei sogenanntes eigenkapitalersetzendes, hybrides Kapital spielen. Der Markt hierfür ist in Deutschland im Vergleich zu anderer Ländern allerdings kaum entwickelt. Wenn es gelinge einen entsprechenden Markt im Inland aufzubauen, biete das großes Potenzial, verdeutlichte KfW-Chef Stefan Wintels.
Lob gab es auch vom Bundesverband Geothermie. "Mit den Bundesmitteln in Höhe von 49,5 Millionen Euro über vier Jahre, die im Haushalt eingestellt sind, können Investitionssummen im Milliardenbereich abgesichert werden", verdeutlichte Geschäftsführer Gregor Dilger. Im Zusammenspiel mit dem geplanten Geothermiebeschleunigungsgesetz ergebe sich hier eine Synergie, die vielen Kommunen den Weg zu eigenen Geothermieprojekten ebnen werde.






