Die Förderung erneuerbarer Energien im Rahmen des EEG bleibt für den Bund auch in den nächsten Jahren eine teure Angelegenheit. Für das kommende Jahr prognostizieren die Übertragungsnetzbetreiber einen Finanzierungsbedarf von rund 17 Milliarden Euro.
Der Förderbetrag selbst ist noch höher. Das von den Übertragungsnetzbetreibern beauftragte Energiewirtschaftliche Institut an der Universität Köln (EWI) rechnet mit Zahlungen von 18 Milliarden Euro an Erneuerbaren-Anlagenbetreiber. Dem stehen Einnahmen vor allem durch die Vermarktung der Anlagen auf den Kurzfristmärkten gegenüber.
Sprung auf über 20 Milliarden Euro
Auch in den darauffolgenden Jahren bleiben die Förderbeträge hoch. Bei aktuell geltender Gesetzeslage könnten 2026 rund 19 Milliarden Euro an Förderung ausgezahlt werden. Danach geht es schrittweise auf bis zu 23 Milliarden Euro im Jahr 2029 hoch.
Nicht berücksichtigt sind geplante kostendämpfende Maßnahmen der Ampel-Koalition, die beispielsweise die Direktvermarktungspflicht ausweiten und die Vergütung von Negativstunden einschränken will.
Solaranlagen größter Kostenposten
Aus der EWI-Studie geht hervor, wer die Haupttreiber der EEG-Förderkosten sind. Demnach wird im nächsten Jahr mehr als die Hälfte des Betrags an Solaranlagen überwiesen, die nicht auf freien Flächen gebaut wurden (10,3 Milliarden Euro). Diese Summe steigt bis 2029 etwas weiter.
Der zweitgrößte Erzeugerposten sind Biomasseanlagen, die überwiegend in der Direktvermarktung sind (3,7 Milliarden Euro). Danach kommen Windkraftanlagen auf See sowie Freiflächen-Solaranlagen.
Hohe Prognoseunsicherheiten
In den nächsten Jahren dürften laut Studie die Förderkosten insbesondere für Windkraftanlagen an Land deutlich steigen: von 550 Millionen Euro nächstes Jahr auf 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2029. Für alle Zahlen wurde jeweils das Trend-Szenario angenommen.
Generell gilt, dass EEG-Kostenprognosen stark von der Entwicklung des Strompreises abhängig und mit entsprechend hohen Unsicherheiten verbunden sind. Während das EEG-Konto, über das Einnahmen und Ausgaben im Rahmen der EEG-Förderung verrechnet werden, im Energiekrisenjahr 2022 ein unverhofft hohes Guthabenwachstum erfuhr, waren die Überschüsse im darauffolgenden Jahr unerwartet schnell aufgezehrt.
Rund 500 Millionen Euro Kontoguthaben
Für das laufende Jahr wurde aufgrund einer Studie der Unternehmensberatung Enervis ein Finanzierungsbedarf in Höhe von 10,6 Milliarden Euro ermittelt. Im Laufe des Jahres kristallisierte sich dann heraus, dass der Bund deutlich mehr zuschießen muss, um eine Kontoüberziehung zu vermeiden. Im Juli einigte sich die Ampel-Koalition auf einen Nachtragshaushalt, um die Zusatzkosten zu decken. Der Bundestag muss noch zustimmen.
Ende September lagen rund 500 Millionen Euro auf dem EEG-Konto. Nach Prognose der Übertragungsnetzbetreiber dürfte mit einem vergleichbaren Betrag das Jahr auch enden.
Die Zukunft der EEG-Finanzierung ist längst zum Politikum geworden. Während SPD und Grüne die Förderung erneuerbarer Energien grundsätzlich verteidigen, plädiert die FDP für ein baldiges Auslaufen. "Habecks Solar-Infarkt muss dringend gestoppt werden", kommentierte der FDP-Abgeordnete Michael Kruse.
Änderungsbedarf sieht auch die Union. "Die Erneuerbaren kannibalisieren sich", teilte der CDU-Bundestagsabgeordnete Mark Helfrich auf ZfK-Anfrage mit. "Der Steuerzahler bezahlt für zunehmend wertlosen Strom. Es droht in der Folge ein Erneuerbaren-Ausbau nach Kassenlage des Bundesfinanzministers."
Ziel müsse es sein, die EEG-Förderung in der heutigen Form unter Wahrung des Bestandsschutzes abzuschaffen. "Wir brauchen ein neues Förderregime, das nicht die maximale Einspeisung, sondern das Vorhalten von Erzeugungsleistung vergütet und vor allem flexible Einspeisung anreizt." (aba)
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