Bundesfinanzminister Jörg Kukies (SPD) wacht seit November über den Bundeshaushalt. Die Windflauten der vergangenen Woche dürften seinen Spielraum etwas vergrößert haben.

Bundesfinanzminister Jörg Kukies (SPD) wacht seit November über den Bundeshaushalt. Die Windflauten der vergangenen Woche dürften seinen Spielraum etwas vergrößert haben.

Bilder: © dpa

Von Andreas Baumer

Gute Nachrichten für den Bundesfinanzminister: Die EEG-Kosten sind im Januar deutlich gesunken. Lediglich gut 820 Millionen Euro wurden an Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen überwiesen. Das war – mit Ausnahme des Vormonats Dezembers – der niedrigste Wert seit dem Februar 2023. Damals steckte Deutschland noch mitten in der Energiekrise.

Weil der Bund gleichzeitig eineinhalb Milliarden Euro auf das EEG-Konto überwies, wuchs das Guthaben kräftig – auf nunmehr 1,6 Milliarden Euro. Über das EEG-Konto werden Einnahmen und Ausgaben für die Vermarktung von Strom aus erneuerbaren Energien miteinander verrechnet. Während auf der Einnahmenseite vor allem Erlöse aus dem Verkauf von Strom zu Buche schlagen, machen gesetzlich verpflichtende Förderzahlungen an Betreiber von erneuerbaren Anlagen den Großteil der Ausgaben aus. Die Übertragungsnetzbetreiber verwalten das Konto treuhänderisch.

Erneuerbare Energien schwächeln

Zwei Faktoren dürften den Rückgang der EEG-Kosten im Januar wesentlich begünstigt haben: Dunkelflauten und Strompreishoch. Im Januar betrug der volumengewichtete, durchschnittliche Börsenstrompreis 115 Euro pro Megawattstunde (MWh). Das entsprach einem Anstieg von 52 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Heißt: Wurden erneuerbare Energien vermarktet, wurden dafür höhere Preise aufgerufen. Das stärkte die Einnahmenseite.

Zugleich schwächelten die erneuerbaren Energien. Trotz Zubau im vergangenen Jahr ging die Grünstromproduktion im Januar gegenüber dem Vorjahreszeitraum spürbar zurück. Vor allem die im Winter eigentlich starke Windstromproduktion brach ein und erzeugte so wenig Strom wie seit dem Jahr 2021 nicht mehr. In der Folge mussten verstärkt teurere Gaskraftwerke aushelfen, um die Nachfragelücke zu schließen.

Strompreise: Februar steuert auf neues Rekordhoch zu

Satte acht Terawattstunden (TWh) wurden im Januar von Gaskraftwerken produziert. Das entsprach einem Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Weil die Gasnachfrage wegen kühler Temperaturen auch im Wärmebereich hoch blieb, stieg der Gaspreis, was die Gasverstromung zusätzlich verteuerte.

Gut möglich, dass die EEG-Kosten im Februar ein weiteres Mal unter dem Vorjahreswert bleiben. Schon jetzt haben Gaskraftwerke mehr Strom erzeugt als im kompletten Februar 2024. Der volumengewichtete, durchschnittliche Strompreis könnte nach jetzigem Stand sogar die Februarwerte der Energiekrisenjahre 2022 und 2023 übertrumpfen.

Selbst mit für diese Jahreszeit üppiger Solarstromproduktion schlossen deutsche Kraftwerke zuletzt die Nachfragelücke nicht, weil zur gleichen Zeit fast völlige Windflaute herrschte. Allein für diesen Dienstag wurden im Tagesdurchschnitt erneut 153 Euro pro MWh aufgerufen. Der niedrigste Stundenwert, zwischen 13 und 14 Uhr, lag bei 106 Euro pro MWh.

Sorgenkind EEG-Konto

Der Bundesfinanzminister kann eine Entlastung auf dem EEG-Konto wohl gut gebrauchen. Schließlich ist die Bundesregierung ohne ordentlichen Haushalt ins neue Jahr gestartet. Würden die EEG-Kosten über Gebühr steigen, könnte das die nun bestehende vorläufige Haushaltsführung deutlich erschweren.

Der Bund nimmt das Geld für das EEG-Konto aus dem Klima- und Transformationsfonds. Dort liegen andere wichtige Programme wie die Heizungsförderung BEG und Fernwärmeförderung BEW, die anders als das EEG nicht gesetzlich abgesichert sind.

Hinweis: Die genannten historischen Strommengen und Strompreise stammen von der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts. Bei den Strompreisen handelt es sich um Day-Ahead-Preise an der Strombörse Epex Spot. Für die Day-Ahead-Auktion für diesen Dienstag wurden die Daten von Epex Spot selbst analysiert.

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