Der Gebotstermin für die erste Ausschreibung ist beendet. Die Bundesnetzagentur teilte nun mit, die Ausschreibung für "Langzeitkapazitäten" nach dem Gesetz zur Sicherung der Versorgungssicherheit Strom und zur Bereitstellung neuer Kapazitäten (StromVKG) sei "deutlich überzeichnet" gewesen.
Die Auswertung der Gebote sei angelaufen. Die Behörde prüfe insbesondere, ob die Bieter alle Teilnahmevoraussetzungen erfüllen und keine Ausschlussgründe vorliegen. Die Bekanntgabe der bezuschlagten Unternehmen will die Regulierungsbehörde spätestens am 3. November vollziehen.
Das StromVKG soll einen Kapazitätsmarkt schaffen, um zusätzliche gesicherte Stromerzeugungsleistung bereitzustellen. Unternehmen erhalten darin eine Vergütung, wenn sie neue Anlagen bauen und deren Leistung künftig zuverlässig bereitstellen – insbesondere in Zeiten geringer Einspeisung aus erneuerbaren Energien.
4.500 Megawatt für 15 Jahre
Die erste Ausschreibung betraf sogenannte Langzeitkapazitäten. Ausgeschrieben waren 4.500 Megawatt "reduzierte Leistung" mit einem Verpflichtungszeitraum von 15 Jahren. Wegen des vorgegebenen Zehn-Stunden-Kriteriums ist die Ausschreibung vor allem für moderne Gaskraftwerke geeignet.
Die bezuschlagten Anlagen müssen bis 2031 in Betrieb gehen, hieß es in einem Papier des Ministeriums. Die Anlagenbetreiber erhalten dafür eine Kapazitätsvergütung.
Große und kommunale Versorger zeigen Interesse
Die offizielle Liste der Bieter ist nicht bekannt. Im Vorfeld hatten jedoch zahlreiche Unternehmen ihr Interesse öffentlich bekundet. Dazu zählen unter anderem die Energieunternehmen RWE, EnBW, Uniper und Leag. Die Lausitzer haben beispielsweise betont, auch nach dem Kohleausstieg ein relevanter Kraftwerksbetreiber bleiben zu wollen. "Der Bau neuer Kraftwerke ist das notwendige technologische Back-up, um die Kombination aus Erneuerbaren Energien mit Batteriespeichern im Gigawatt-Maßstab in dem von uns geplanten Zukunftskonzept Gigawatt Factory intelligent zu ergänzen", sagte am Mittwoch Leag-CEO Adi Roesch.
Sein Unternehmen habe mehrere Standorte in der Lausitz sowie in Mittel- und Süddeutschland im Blick. Damit wolle die Leag die Chancen des StromVKG umfassend nutzen, "um für jeden unserer Kraftwerksstandorte – Jänschwalde, Boxberg, Schwarze Pumpe und Lippendorf – nach Anschlusslösungen zu suchen".
Im kommunalen Umfeld prüften außerdem die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW), Enervie, die Hamburger Energiewerke, die Nürnberger N-Ergie und Trianel eine mögliche Beteiligung oder hatten ihre Teilnahme an der Ausschreibung bereits angekündigt. Zuletzt kündigte die thüringische TEAG eine Beteiligung an. Konkret geht es um bis zu zwei sogenannte Greenfield-Standorte in Thüringen, also Projekte "auf der grünen Wiese" auf zuvor ungenutzten Flächen. Die Planungen seien bereits fortgeschritten, hieß es dazu.


