Blickfang in Frankfurt: Der 200 Meter hohe "Tower185", in dem die Deutschland-Zentrale von PwC ihren Sitz hat.

Blickfang in Frankfurt: Der 200 Meter hohe "Tower185", in dem die Deutschland-Zentrale von PwC ihren Sitz hat.

Bild: @ PwC

Öffentliche Unternehmen und Institutionen in Deutschland müssen ihre Governance-Systeme verbessern, wenn sie die immer komplexer werdenden Anforderungen und Regelungsbedarfe einhalten sowie Risiken reduzieren wollen. Andernfalls riskieren sie Reputationsverluste, Geldstrafen oder strafrechtliche Konsequenzen. Dies ist das Fazit der Studie "Governance-Systeme in Institutionen der öffentlichen Hand – Status quo und Handlungsbedarf".

Erstellt wurde die Studie gemeinsam von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) und dem Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Universität Paderborn. 64 Institutionen haben teilgenommen, darunter insgesamt 19 Versorger und Entsorger und 16 Kernverwaltungen. Die anderen Teilnehmer sind Kliniken, Hochschulen, Wohnungsunternehmen, Stiftungen, Vereine sowie auch drei Unternehmen im ÖPNV.

Deutliches Verbesserungspotenzial

Eine zentrale Voraussetzung für die optimale Systemnutzung ist das bestmögliche Zusammenspiel der Teilsysteme. "Hierfür müssen die Institutionen Systemabläufe, Prozesse und Methoden vereinheitlichen und aufeinander abstimmen", sagt René Fahr, Co-Autor der Studie und Inhaber des Lehrstuhls Betriebswirtschaft an der Universität Paderborn. Lediglich 51 Prozent der Befragten attestierten ihren eigenen Systemen eine "sehr gute" oder "gute" Verlinkung: "Daraus lässt sich schließen, dass knapp die Hälfte nicht das volle Potenzial ihrer Governance-Systeme nutzen oder viele Systeme nicht richtig funktionieren beziehungsweise ineffizient ausgestaltet sind."

Marco Galioto, Co-Autor und Partner bei PwC, hat aber auch gute Nachrichten: "Positiv ist, dass über 90 Prozent der befragten Institutionen Governance-Systeme als wichtig ansehen, um ihre Sorgfaltspflichten zu erfüllen und ihre Geschäftsrisiken zu reduzieren." Dass 20 Prozent dennoch kein einziges Governance-System (Risikomanagementsystem, Compliance-Managementsystem, Internes Kontrollsystem, Interne Revision u. a.) implementiert haben, sei bedenklich und spiegele die tägliche Beratungspraxis von PwC wider.

Kulturelle Defizite: Leitungsebene muss handeln

"Auf Leitungsebene und in den Aufsichtsorganen muss das Thema dringend höher priorisiert werden", so Galioto weiter. "Ansonsten besteht die Gefahr, dass Schwachstellen Störfälle verursachen, die wiederum zu Schäden für die Institution und persönlichen Konsequenzen für die Verantwortlichen führen." Risikomanagement-Systeme (63 Prozent) und interne Kontrollsysteme (58 Prozent) seien dabei weiter verbreitet als interne Revisionssysteme (52 Prozent) und Compliance-Managementsysteme (34 Prozent).

Zudem zeigt die Studie, dass es an Governance-Zieldefinitionen und kultureller Verankerung fehle. So leitet mehr als ein Drittel der Institutionen seine Systemziele nicht aus den allgemeinen Organisationszielen ab. "Das wirft die Frage auf, ob die Systeme ohne geeignete Zielsetzung überhaupt funktionieren können", sagt Galioto. Noch drängender wird diese Frage, da 57 Prozent der Institutionen nicht uneingeschränkt bejahen, dass es in ihrer Organisation eine Revisions-, Compliance- oder Risikokultur gibt.

Speziell ausgebildete Fachkräfte fehlen

Die Studie erfragte auch die Schwachstellen in den Governance-Systemen der Institutionen. Als Top 3 erweisen sich hier "unzureichende zeitliche Kapazitäten" (81 Prozent), "unzureichende personelle Ausstattung" (68 Prozent) und "nachrangige Priorisierung von Themen im Zusammenhang mit Governance" (62 Prozent). Zudem äußerten 79 Prozent der Befragten, dass es bessere Maßnahmen zur Fehlervermeidung und -aufdeckung braucht, um die Wirksamkeit der Governance-Systeme zu gewährleisten.

Corporate-Governance-Professor Fahr ergänzt: "Fast die Hälfte der Befragten sagt, dass Stellenbesetzungen schwierig sind. Offensichtlich fehlen spezifisch ausgebildete Fachkräfte am Markt. Umso wichtiger sind interne Qualifikationsmaßnahmen und mitunter die Unterstützung von externen Experten." In der Studie werden auch der Arbeitsaufwand für Governance-Systeme, die jährlichen Kosten, die größten Herausforderungen bei der Systemeinführung sowie geplante Maßnahmen für die Einführung und Weiterentwicklung bei einzelnen Unternehmen aufgeschlüsselt. (sig)

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