Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei der VKU-Verbandstagung 2023

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei der VKU-Verbandstagung 2023

Bild: © Julian Korb/ZfK

Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) erinnerte in einem Impuls bei der VKU-Verbandstagung 2023 an den aktuellen Stand der Wärmewende: Der Heizbedarf in Deutschland werde zu 50 Prozent mit Erdgas und 25 Prozent mit Erdöl befriedigt. "Wenn wir unseren Sonntagsreden ein bisschen Glauben schenken, dann kann uns das nicht zufriedenstellen." Weiter mit fossilen Energien zu heizen, werde absehbar teurer werden.

"Warum wurde diese Debatte nicht in 2013 geführt? Wir müssen jetzt entscheiden, wie wir den Wärmesektor dekarbonisieren möchten", appellierte Habeck an die versammelte Stadtwerke-Branche. Bei der Umsetzung zeigte sich der Minister allerdings offen.

Leak zum GEG

So sehe der geleakte Entwurf zum Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) vor, dass neue Heizungen technisch in der Lage sein müssten, mit einem Anteil von 65 Prozent an erneuerbaren Energien betrieben zu werden. "Das kann auch mit Wasserstoff geschehen", stellte Habeck klar.

"Der Vorwurf der mangelnden Technologieoffenheit geht an der Sache vorbei."

Die andere Frage sei aber, was ökonomisch skalierbar sei. Er persönlich halte die Wärmepumpe sowie die Versorgung über Fernwärme weiterhin für die günstigsten Lösungen.

Hohe Preise für Wasserstoff

So sei Wasserstoff noch nicht in größeren Mengen verfügbar. "Wir rechnen damit, dass die Industrie und die Energiewirtschaft große Wasserstoff nachfragen werden. Entsprechend hoch werden die Preise sein", erklärte Habeck.

"Ich glaube persönlich nicht, dass Wasserstoff in den Heizungen der verlässliche und günstige Weg ist", so Habeck. "Wenn Sie Wasserstoff trotzdem in ihrer kommunalen Wärmeversorgung einplanen, können Sie das machen. Die Umsetzung ist technologieoffen."

So liege es in der Verantwortung der Stadtwerke, die Wärmewende in vor Ort ökonomisch sinnvoll umzusetzen. "Ich persönlich glaube, dass ein hoher Anteil über Wärmepumpen und Fernwärme umgesetzt wird, aus Kostengründen. Das sehen wir auch bei unseren nordischen Nachbarländern, die die Wärmewende frühzeitiger umgesetzt haben."

Preisniveau bei Wärmepumpen senken

Der Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister versprach auch, die Wärmewende sozial abzufedern. Es müssten Gelder bereitgestellt werden, um die Kosten für den Betrieb von Wärmepumpen soweit zu senken, um ein ähnliches Niveau wie bei den heutigen Gasheizungen zu erreichen. Dies sei besonders für ökonomisch schwache Haushalte notwendig.

Nadelöhr der Verteilnetze

Große Herausforderungen sah Habeck auch beim Ausbau der Stromverteilnetze. Durch den Hochlauf von E-Mobilität und Wärmepumpen würden diese zunehmend zum Nadelöhr. Die Verteilnetzbetreiber seien bereits jetzt gehalten, für den Bedarf in 2030 vorzusorgen. "Das tun sie teilweise aber nicht", mahnte der Vizekanzler an. "Warten Sie nicht aufeinander, legen Sie jetzt los."

Es könne nicht sein, dass sich Verteilnetzbetreiber auf dem "Engpassparagraph" §14a EnWG ausruhten. Es müsse zunehmend unattraktiv werden, dieses Mittel zu nutzen, um das Netz zu stabilisieren.

Staatliches Wasserstoffnetz

Unterstützung versprach Habeck beim Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. So stünden 4,5 Mrd. Euro an Fördermitteln bereit, um die Elektrolyse in Deutschland anzuschieben. Auch für Gaskraftwerke, die dann auf Wasserstoff umgerüstet werden, sollen Förderprogramme kommen.

Offen sei dagegen noch die Frage, wer die Kosten für den Ausbau eines Wasserstoffnetzes trage. "Da bin ich unideologisch", sagte der Bundesminister. "Das muss nur passieren.“ Er stellte allerdings klar, dass der Staat, wenn er sich beteilige, auch eine gewisse Kontrolle einfordern würde. Mit einer Vermutung räumte er dagegen auf: "Es war nie geplant, dass der Staat die Wasserstoffnetze selbst baut." (jk)

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