Die Wärmewende ist, zumindest im Energiebereich, eines der dicksten Bretter, die Deutschland in naher Zukunft bohren muss. Der Umstieg auf Wärmepumpe und Fernwärme wird in Zukunft nicht aufzuhalten sein, davon ist Sören Bartol, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, überzeugt. Beides seien funktionierende und seriöse Technologien, betonte Bartol bei der DIHK-Konferenz am Donnerstag in Berlin.
Im Bundeswirtschaftsministerium teilt man die Auffassung von Bartol, wie die Leiterin der Wärmeabteilung des Ministeriums, Stephanie von Ahlefeldt, auf der gleichen Veranstaltung klarstellte. Ein Hemmnis für die Wärmewende sieht von Ahlefeldt bei den sogenannten Etagenheizungen. "Meine Prognose ist, dass in diesem Bereich vorerst sehr wenige Gasheizungen getauscht werden und man wird warten: Kommt hier ein Fernwärmeanschluss, ja oder nein?"
Einige kluge Stadtwerke hätten diese Situation jedoch bereits erkannt. In Hannover würde etwa Enercity eine Übergangslösung anbieten: Geht eine Gastherme kaputt, wird für die Überbrückungszeit bis zum Fernwärmeanschluss eine neue Gasheizung vom Stadtwerk bereitgestellt. "Meines Erachtens ist das wirklich eine schlaue Übergangslösung."
Stadtwerke treiben Wärmewende mit eigenen Lösungen voran
In der Stadtwerkewelt ist Enercity damit bei Weitem kein Einzelfall. "Die Havarieoption ist unser Vertriebshebel für die Fernwärme", sagte etwa Meike Thoma, Referentin Fernwärme und Projektmanagement bei der Rheinenergie der ZFK.
Auch in Leipzig wird eine sogenannte "Havarieoption" angeboten. Darunter versteht man genau das, was von Ahlefeldt lobend hervorgehoben hat: Bis ein Fernwärmeanschluss vorliegt, übernimmt das Stadtwerk übergangsweise die Verantwortung für die Gaskessel der Kund:innen.
Fernwärme: Zeitplan für Verordnungen weiter unklar
Dass solche Übergangslösungen überhaupt nötig sind, hat einen regulatorischen Grund. Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet derzeit gemeinsam mit Justiz- und Bauministerium an einem Wärmepaket, das die Rahmenbedingungen für Fernwärme grundlegend neu ordnen soll. Das Paket besteht aus einer Novelle der Fernwärmeverordnung (AVBFernwärmeV), einer Reform der Wärmelieferverordnung und einer verpflichtenden Preistransparenzplattform. Letztere gibt es auf freiwilliger Basis bereits, initiiert von den Energiewirtschaftsverbänden VKU, BDEW und dem Fernwärmeverband AGFW.
"Die größten Bauchschmerzen bereitet uns die Wärmelieferverordnung", räumte von Ahlefeldt auf dem Panel ein. Der Grund: Mieter können einen Fernwärmeanschluss heute ablehnen, wenn der Preis höher liegt als das bestehende System. Gemessen wird das Ganze am aktuellen Gaspreis. Dass dieser Gaspreis durch CO2-Bepreisung und steigende Netzentgelte langfristig steigen wird, bleibt im Vergleich außen vor, kritisierte von Ahlefeldt. "Da muss man etwas tun, wenn man gleichzeitig Klimaschutz erreichen will." Einen konkreten Zeitplan nannte sie nicht. Ihr Langzeitziel beschrieb von Ahlefeldt so: "Wir haben es so gut im Griff und das Vertrauen in diese Energieversorgung ist so groß, dass Bürgerinnen und Bürger vor Ort geradezu nach einem Anschluss- und Benutzungszwang rufen und wir dann auch die Planungssicherheit für die Infrastruktur haben."
Wärmepumpen: das Problem mit den Kosten
Ein weiteres Problem bei der Wärmewende ist die Preisbildung beim Einbau von Wärmepumpen. "Es muss uns gelingen, dass Wärmepumpen in Deutschland günstiger werden", sagte Bartol. Dafür werde die Bundesregierung noch ein Konzept vorlegen, kündigte er an. Wann es so weit sein soll, führte der Staatssekretär nicht weiter aus.
Im Vergleich zu Großbritannien kostet die Installation einer Luft-Wasser-Wärmepumpe in Deutschland rund das Doppelte, wie eine Studie der RWTH Aachen bereits im vergangenen Jahr zeigt. Die höheren Preise in Deutschland seien laut der Studie vor allem darauf zurückzuführen, dass technisch aufwändigere Komponenten verbaut werden müssen.
Außerdem sind die Anforderungen bezüglich des Lärmschutzes und der Effizienz höher, was die Anlagen schwerer macht und somit die Gesamtkosten aufgrund stärkerer Fundamente steigen lässt, wie der Wärmepumpenanbieter und Auftraggeber der Studie Octopus Energy in einer Veröffentlichung schreibt. "Wärmepumpen sind in Deutschland künstlich verteuert. Unnötige bürokratische Hürden machen den Umstieg kostspieliger als nötig", sagt Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Germany.



