Schneller als bisher geplant will Hannover aus der Kohleenergie aussteigen und bei der Strom- sowie Wärmeproduktion komplett auf erneuerbare Quellen umsatteln. Dazu soll das vom kommunalen Versorger Enercity betriebene Kraftwerk in Stöcken bereits ab 2024 schrittweise vom Netz gehen.
Zunächst war von einer möglichen Abschaltung des ersten Blocks ab frühestens 2025 die Rede gewesen, erklärte ein Sprecher. Eine Gesamt-Stilllegung des Meilers im Norden der Stadt könnte dann ab 2026 statt 2030 folgen. Gleichzeitig ist der Hochlauf alternativer Kapazitäten vorgesehen, wie Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne), Enercity-Chefin Susanna Zapreva und Mitglieder des Bürgerbegehrens "hannover erneuerbar" ankündigten.
Erste Anlagen bis 2024 fertig
Die Stilllegung des ersten Blocks des Kohlekraftwerks in 2024 will Enercity vor allem durch die derzeit entstehende und 2023 in Betrieb gehende Klärschlammverwertungsanlage in Lahe und durch das geplante Biomasseheizwerk in Stöcken auffangen. Als Backup steht zusätzlich das Gaskraftwerk Linden bereit.
Außerdem sollen künftig vor allem industrielle Abwärme, Großwärmepumpen und weitere Biomasseanlagen stärker genutzt werden. Insgesamt sind bis zu 14 Standorte zur Strom- und Wärmeerzeugung auf erneuerbarer Basis vorgesehen. "Die Planung läuft mit Hochdruck."
"Die tragfähige Lösung war möglich durch offenen und konstruktiven Dialog und genau diesen wünsche ich mir auch mit den Bürgerinnen und Bürgern in Hannover im Rahmen der Genehmigungsprozesse für die 10 bis 14 neuen Anlagen, die in den kommenden Jahren gebaut werden", erklärte Enercity-Vorsitzende Susanna Zapreva. Hierzu benötige man die Unterstützung der Menschen in der Stadt.
Dreistelliger Millionenbetrag
Der Rat und "hannover erneuerbar" sollen jetzt über den Vorschlag beraten. Bis 2023 fließen zudem 35 Mio. Euro in die Förderung energieeffizienter und CO2-ärmerer Heizungstechnik bei Verbrauchern. Die Anschubfinanzierung etwa zum Austausch alter Ölheizungen und für Fernwärme-Anschlüsse kämen vollständig von der Stadt und von Enercity. Das Land Niedersachsen und der Bund würden aber um ergänzende Mittel für die Umstellung von Kohle- auf nichtfossile Erzeugung gebeten.
In der vergangenen Woche hatte Onay das Kanzleramt aufgefordert, die Kommunen im Zusammenhang mit dem neuen Klimagesetz besser zu unterstützen. In der Summe dürfte die Energie- und Wärmewende in Hannover einen deutlich dreistelligen Millionenbetrag kosten. (dpa/jk/hoe)
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