Damit es mit dem Windausbau in Deutschland endlich wieder bergauf geht, hat das Bundeswirtschaftsministerium nun eine To-Do-Liste veröffentlicht.

Damit es mit dem Windausbau in Deutschland endlich wieder bergauf geht, hat das Bundeswirtschaftsministerium nun eine To-Do-Liste veröffentlicht.

Bild: © Rheinenergie

"Das ist ein Schlag in die Magengrube der Energiewende", unterstrich Matthias Zelinger, Geschäftsführer von VDMA Power Systems am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung der neuesten Zahlen zum Stand des Windkraftausbaus an Land in Deutschland. Hierdurch würden nicht nur Klimaschutzziele gefährdet, sondern auch der Wirtschaftsstandort Deutschland.

Gerade einmal 86 neue Windkraftanlagen sind im ersten Halbjahr 2019 dazugekommen, 82 Prozent weniger als im Vorjahr. Zieht man den Rückbau von Windenergieanlagen ab, ergibt sich ein Nettozubau von lediglich 35 Anlagen an Land mit einer Leistung von 231 Megawatt (MW) – der schlechteste Wert seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000. In mehreren Bundesländern, nämlich Bayern, Hessen, Saarland, Bremen, Hamburg und Berlin wurde in den ersten sechs Monaten dieses Jahres kein einziges neues Windrad gebaut.

Zubau von 1500 MW für dieses Jahr erwartet

"Die Bundesregierung spricht einerseits von der Erreichung ambitionierter Ausbau- und Klimaschutzziele für die Jahre 2030 und 2050, andererseits fehlt hierfür die Perspektive. Das Delta zwischen Anspruch und Wirklichkeit nimmt zu. Genehmigungsstau und Klageflut belasten die Branche und führen zur Unterzeichnung der aktuellen Ausschreibungen. Die derzeitige Schwäche des deutschen Marktes liegt nicht an den Unternehmen der Branche, die kosteneffiziente und hochinnovative Produktneuheiten auf den Markt bringen, sondern an politischen Rahmenbedingungen im Bund sowie in einzelnen Ländern. Wir befinden uns mitten in einer Talsohle. Diese müssen wir dringend verlassen", kommentiert Hermann Albers, Präsident des Bundesverband Windenergie (BWE).

Für das laufende Jahr rechnen BWE und VDMA Power Systems mit einem Zubau von 1500 MW. Im vergangenen Jahr waren es rund 2400 MW, zwischen 2014 und 2017 im Mittel jährlich noch 4600 MW. Windkraftanlagen an Land mit einer Leistung von 4700 MW müssten laut Bundesverband Erneuerbare Energie pro Jahr in Deutschland installiert werden, um das 65-Prozent Ökostromziel der Bundesregierung bis zum Jahr 2030 zu erreichen.

11.000 MW stecken im Genehmigungsverfahren fest

Viele Windenergieprojekte an Land sind derzeit durch Klagen blockiert, insgesamt 11.000 MW Windprojekte stecken im Genehmigungsverfahren fest. "Wir können es uns nicht erlauben, den Lastenträger des künftigen Energiesystems weiterhin in dieser Form auszubremsen", unterstrich Albers.

In einem 8-Punkte Aktionsplan schlägt der BWE deshalb nun Maßnahmen vor, um mehr Flächen für die Windkraft an Land bereitzustellen und die Genehmigungen zu beschleunigen und zu erweitern. Wichtige Bausteine sind unter anderem der Verzicht auf pauschale Abstandsregeln, die Verkürzung der Widerspruchs- und Klageverfahren gegen Genehmigungsbescheide sowie die Erleichterung des Repowering.

Kommunen und Bürgermeistern den Rücken stärken

"Ab 2021 fallen Bestandsanlagen sukzessive aus der EEG-Fördersystematik. Hier sind flexible und praktikable Lösungen erforderlich, um Repowering und Weiterbetrieb zu gewährleisten. Bis 2025 geht es um 16.000 MW Windenergieleistung. Dies ist eine für die Energieversorgung unseres Landes relevante Größe. Mit Blick auf diese Bestandsanlagen, aber auch für den Neubau, müssen Eigenversorgungs- sowie Direktbelieferungsmöglichkeiten verbessert werden. Deshalb gehört die Reform von Abgaben und Umlagen im Energiesystem jetzt auf die Tagesordnung", unterstrich Albers.

Um die Akzeptanz von Seiten des Naturschutzes zu verbessern setzt der BWE unter anderem auf einen intensiven Dialog mit den anerkannten Naturschutzverbänden wie BUND oder NABU sowie deren Untergliederungen. Zudem bemühe man sich "möglichst sachgerechte Informationen" zur Windkraft bereitzustellen, um Kommunen und Bürgermeistern den Rücken zu stärken, so Albers. Diese sind häufig auch mit dem organisierten Widerstand der AfD-nahen Bundesinitiative "Vernunftkraft" konfrontiert.

Krisengipfel auch zum Erhalt der Arbeitsplätze

Albers und Zelinger appellieren nun an die Bundeskanzlerin mit einem Windkraftgipfel neue Impulse auch zum Erhalt der gut 150.000 Arbeitsplätze der Branche in Deutschland zu setzen. "Wir reichen Ihnen die Hand für einen gemeinsamen Aufbruch“, heißt es in einem Schreiben der Branchenverbände an die Kanzlerin. (hcn)

 

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper