Schon VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing sprach es an: Die Unterstützung angesichts der verherrenden Schäden der Überschwemmungen ist überwältigend. Dabei gibt es unterschiedliche Hilfestellungen. Die ZfK hat einige Berichte dazu gesammelt.
Evo steht Jülich bei
In Jülich drohte die Rur bekanntlich über den Schutzdamm zu treten. Dahinter befindet sich das Umspannwerk über das die gesamte Stadt mit Strom versorgt wird. Die Stromversorgung wie auch die Wasserversorgung, da Wasser aus tiefen Brunnen mithilfe von großen Pumpen hochgepumpt werden muss, standen somit auf dem Spiel.
Die Energieversorgung Oberhausen AG (evo), entsandte daher in Absprache mit den Stadtwerken Jülich drei Kollegen der Oberhausener Netzgesellschaft mbH vor Ort, um das Schlimmste zu verhindern. Um Schäden zu vermeiden, wurden die Trinkwasserpumpen vorsorglich vom Stromnetz getrennt und über eine Netzersatzanlage aus Oberhausen versorgt, um so die Versorgung auch bei Übertritt der Rur zu gewährleisten.
Die Rur trat schließlich gegen 8:30 Uhr morgens am vergangenen Freitag über den Damm, allerdings und zum Glück, harmloser als erwartet. Für die Umspannanlage in Jülich bestand so keine Gefahr und auch die vorsorglich vom Netz getrennten Wasserpumpen konnten wieder auf die reguläre Versorgung umgestellt werden.
„Ich bin stolz auf die vielen Mitarbeiter, die sich bereit erklärt haben, freiwillig in Jülich zu helfen“, äußerte sich Bernd Hell, Geschäftsführer der Oberhausener Netzgesellschaft, zur Hilfsaktion. „Zivilcourage und Solidarität sind in solchen schlimmen Momenten das Wichtigste. Wir empfinden tiefes Mitgefühl für die vielen betroffenen Menschen.
Stadtwerke Tübingen unterstützen Trier
Die Stadtawerke Tübingen (swt) unterstützen angesichts der Hochwasser-Katastrophe die Stadtwerke Trier (SWT) beim Wiederaufbau der Stromversorgung. Ein fünfköpfiges Team des Technischen Service machte sich am Sonntag mit vier Einsatz- und Montagefahrzeugen aus Tübingen auf den Weg ins Hochwassergebiet. Das Ziel: Gemeinsam mit den Trierern die Stromversorgung schnellstmöglich wiederherzustellen.
Innerhalb weniger Stunden organisierte der Technische Service der swt eine mobile Einsatztruppe mit fünf Personen, vier Fahrzeugen, einem Notstromaggregat und zwei Anhängern, die vollgepackt wurden mit mehreren Hundert Sicherungen und weiterem Material. Im Rahmen eines kürzlich mit dem Technischen Hilfswerk geschlossenen Kooperationsvertrags stellte das THW für den Einsatz Feldbetten bereit. Am frühen Sonntagmorgen machte sich das swt-Team auf die Reise.
Einige Abstimmungsgespräche mit den Verantwortlichen bei den Stadtwerken Trier, zu denen gute Verbindungen bestehen, brachten genauere Erkenntnisse darüber, welche Aufgaben am dringlichsten sind und welches Material dafür benötigt wird, berichteten die Tübinger Stadtwerke. In Trier angekommen, startete der Einsatz unmittelbar. Vor allem bei der Instandsetzung von überschwemmten Hausanschlusskästen inklusive Reinigung, sowie bei der Kabel- und Zählermontage können die Tübinger Techniker wertvolle Unterstützung leisten. Ein swt-Meister leitet darüber hinaus ein Team, das sich darum kümmert, das Niederspannungsnetz wieder in Betrieb zu nehmen.
Hilfe aus Sachsen
Zuvor hatte schon SachsenEnergie seine Unterstützung über den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) angeboten. Bereit gestellt wurde Material, Sandsäcke oder auch Technik, um die Versorgung der Menschen zu sichern. Parallel prüfen die Experten, welche konkreten Versorgungsanlagen auf kurzem Wege direkt in die betroffenen Gebiete geschickt werden können.
Westenergie verteilt Powerbanks und Taschenlampen
Durch die Flutkatastrophe wurden Anlagen der Netzinfrastruktur des Westenergie-Verteilnetzbetreibers Westnetz beschädigt. Die Wassermassen haben Leitungen, Ortsnetzstationen und Umspannanlagen teilweise komplett zerstört. Diese werden derzeit geprüft und wenn möglich repariert und wieder in Betrieb genommen. Wenn Anlagen zu stark beschädigt sind, kommen Umleitungen und Notstromaggregate zum Einsatz, um die Menschen in den Regionen mit Strom zu versorgen. 20.000 Einwohner sind derzeit im Gebiet der Westnetz ohne Strom. Ihnen möchte Westenergie eine zusätzliche Hilfe zukommen lassen.
Deshalb verteilt Westenergie zur Unterstützung der Menschen in den betroffenen Ortschaften rund 10.000 geladene Powerbanks und 5.000 Taschenlampen. In den vergangenen beiden Tagen wurde der Großteil der kleinen wiederaufladbaren Speicher und die mit Batterien bestückten Taschenlampen nach Düren im Westlichen Rheinland und nach Saffig in Rheinland-Pfalz gebracht. Von dort aus werden sie weiterverteilt in die betroffenen Ortschaften.
EWR spendet 100 000 Euro
Angesichts der ernsten Lage in den von dem Hochwasser betroffenen Gebieten hat das rheinhessische Energieunternehmen EWR AG die größte Spende in der Unternehmensgeschichte mit 100.000 Euro auf den Weg gebracht. Der Geldbetrag geht an den Hilfsfonds der Landesregierung Rheinland-Pfalz. Gleichzeitig bietet das Unternehmen personelle und technische Unterstützung beim Wiederaufbau der Versorgungsinfrastruktur an.
„In Rheinland-Pfalz haben viele Menschen durch die Flutkatastrophe der letzten Tage großes Leid erfahren”, sagt EWR-Vorstand Stephan Wilhelm und ergänzt: „Mit unserer Spende möchten wir die Betroffenen unserer Region so gut es geht unterstützen, denn verantwortungsbewusstestes Handeln und Zusammenhalt sind in Momenten wie diesen wichtiger denn je“. Darüber hinaus werden aktuell über das Unternehmen Partnerfirmen zu gemeinsamen Unterstützungsmaßnahmen aufgerufen.
Lichtblick übernimmt Stromrechnungen
Lichtblick hilft Flutopfern indem das Ökostrom-Unternehmen für drei Monate die Stromrechnung seiner vom Hochwasser betroffene Kunden übernimmt. Darüber hinaus spende man 50.000 Euro und werbe über die eigene Homepage und den sozialen Medien bei Kunden und Mitarbeitern für Geldspenden. Alle Spenden fließen direkt an die Hochwasserhilfe des Deutschen Roten Kreuzes.
Eine ähnliche Idee hatte auch Eon: Da aktuell Schäden in vielen betroffenen Häusern mit strombetriebenen Trockengeräte und Wasserpumpen beseitigt werden müssen, bietet der Konzern an den Betroffenen die Stromkostenkosten für den Einsatz dieser Geräte pauschal in Höhe von 200 Euro je betroffener Wohnung zu erstatten. "Dieser Betrag deckt den durchschnittlichen Mehrverbrauch für diese stromintensiven Geräte ab", so , sagt Filip Thon, Vorsitzender Geschäftsführer der Eon Energie Deutschland.
RWE bietet Unterkunft
Der Energiekonzern RWE bietet Menschen, die durch die Unwetterkatastrophe ihre Wohnungen verloren haben, Unterkunft in leeren Häusern im Braunkohlegebiet an. Konkret gehe es um Häuser, die RWE im Zuge der Umsiedlungen für die Tagebaue angekauft habe und die jetzt leer stünden, sagte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch.
Einige Häuser könnten sofort wieder bezogen werden, andere müssten erst wieder mit Strom und Wasser versorgt werden. RWE suche aber auch nach anderen Unterbringungsmöglichkeiten. Die Stadt Erftstadt hatte die Bürger auf Facebook über das Angebot von RWE informiert. (dpa/sg)



