Die Klimaziele der Bundesregierung bis 2030 sind eindeutig – über 60 Prozent weniger CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990. Weniger klar ist der Fahrplan für den unweigerlich bevorstehenden Kohleausstieg. Braunkohleregionen schlagen deshalb Alarm, denn allein in der Lausitz hängen 15 000 Arbeitsplätze an der Kohle. Die Studie „Beschäftigungsentwicklung in der Braunkohleindustrie: Status quo und Projektion“ vom Öko-Institut zeigt jedoch, dass der Strukturwandel einen weitaus geringeren Einfluss auf den Arbeitsmarkt hat als befürchtet.
Auch wenn die Förderung von Braunkohle in den nächsten Jahren stark zurückgeht, seien kaum betriebsbedingte Kündigungen nötig, so die Studienergebnisse. Bis 2030 gehen ohnehin fast zwei Drittel der aktuell 20 800 Branchenbeschäftigten in Ruhestand. Arbeitsplätze können also sozialverträglich mit dem Renteneintritt abgebaut werden.
12 800 Arbeitsplätze weniger bis 2030
Die Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes untersucht die Arbeitsmarktsituation unter Berücksichtigung von zwei Szenarien: Die bereits heute beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen der Bundesregierung führen dazu, das vor allem ältere Kraftwerke, in denen mehr Fachpersonal benötigt wird, stillgelegt werden. Demnach sinken die Beschäftigungszahlen bis zum Jahr 2030 um 30 Prozent auf etwa 14 500 Personen.
Werden künftige Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele in den Strukturwandel einbezogen, müsste die installierte Leistung der Braunkohlekraftwerke von rund 21 GW im Jahr 2015 auf neun GW im Jahr 2030 sinken. Unter diesen Annahmen arbeiten künftig noch rund 8000 Personen in der Braunkohleindustrie.
Rekulturivierung als Chance für neue Arbeitsplätze
Arbeitsplätze fallen definitiv weg, allerdings sind mehr als 50 Prozent der heutigen Belegschaft bereits über 50 Jahre alt. Lag der Anteil von über 56-Jährigen im Jahr 1991 bei 1,8 Prozent, stieg er bis 2014 auf 26,5 Prozent. Demgegenüber sank der Anteil der 15 bis 20-Jährigen im gleichen Zeitraum von 6,5 Prozent auf 4,5 Prozent. Auch wenn sich diese Zahlen nur auf die Altersstruktur im Bergbau beschränken, gehen die Studienautoren davon aus, dass die Situation in Kraftwerken ähnlich ist.Der demografische Wandel mildert somit den Strukturwandel ab.
Neben den vielen Renteneintritten entschärften Rekultivierungsmaßnahmen als Chance für weitere Arbeitsplätze die Befürchtungen der Branche. Und auch von Seiten der Politik kommt ein klares Signal. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kündigte an: Es sei seine feste Absicht, erst über die Arbeitsplätze in der Branche und den Strukturwandel zu sprechen. Der Strukturwandel sollte so verlaufen, dass am Ende mehr und nicht weniger Arbeitsplätze in der Region vorhanden seien. (ls)



