Bundesbauministerin Klara Geywitz hat bei einer Veranstaltung ihrer SPD-Bundestagsfraktion klargestellt, dass die Pflicht zur kommunalen Wärmeplanung nicht mit einer Pflicht zum Bau kommunaler Wärmenetze einhergehe. Das Gesetz beinhalte keine "Fernwärmekompletterschließung" von Deutschland.
Es werde Kommunen geben, deren Besiedlung so strukturiert sei, dass der Bau von Fernwärmenetzen nicht wirtschaftlich sinnvoll sei. Dann sei jeder Hausbesitzer auf die Erfüllungsoptionen des Gebäudeenergiegesetzes zurückgeworfen und könne sich beispielsweise eine Pelletheizung oder eine Wärmepumpe einbauen lassen. "Die Kommune investiert [dann] keinen einzigen Cent."
Geothermie mit "Riesenpotenzial"
Geywitz ließ durchblicken, dass es prinzipiell eine Reihe vielversprechender Fernwärmeoptionen gebe. Die Geothermie etwa habe ein "Riesenpotenzial", sagte sie. Zugleich räumte sie ein, dass hier noch viele Fragen zu klären seien, um die Erschließung dieser Quelle zu beschleunigen und das Fehlbohrungsrisiko noch besser abzupuffern.
Am Montag hatte bereits Maik Günther von den Stadtwerken München im Bauausschuss des Bundestags ein gesondertes "Geothermieerschließungsgesetz" gefordert. (Die ZfK berichtete.)
Option Abwasserwärme
"Großes Potenzial" ortete die Ministerin auch bei Abwasserwärme. "Da sind einige Kommunen schon richtig unterwegs."
Mit Abwasserwärme ist die Nutzung von Wärme aus gebrauchtem Warmwasser gemeint. Diese kann mittels moderner Wärmepumpentechnologie zum Heizen oder Kühlen größerer Gebäude und Wohnsiedlungen verwendet werden.
"Wichtige Wärmequelle in verdichteten Räumen"
Nach Angaben des baden-württembergischen Energieministeriums könnten auf diese Weise zehn Prozent aller Gebäude mit Wärme versorgt werden. Etwas konservativer sind die Schätzungen, die die Berliner Wasserbetriebe für Deutschlands bevölkerungsreichste Stadt angestellt hat. Demnach könnte Abwasserwärme langfristig einen Beitrag von bis zu fünf Prozent des Berliner Wärmebedarfs decken.
"Abwasser kann in verdichteten Räumen als wichtige Wärmequelle genutzt werden", heißt es auch im Regierungsentwurf zur kommunalen Wärmeplanung.
Wärmewende als Chance für Kommunen
Für den ländlichen Raum hob Geywitz eine andere Option hervor: Biomasse. Schon jetzt gebe es Kommunen, die so ihr ganzes Dorf beheizten, sagte sie. "Die haben eine längere Warteliste, als sie eigentlich realisieren können."
Aus der Sicht der Ministerin bietet die Wärmewende für Kommunen trotz aller Anstrengungen große Chancen. "Das kann ein Punkt sein, wo man Standorteigenschaften entwickelt." Gerade, dann, wenn man dekarbonisierte Wärme "gut und preiswert" zur Verfügung stellen könne.
Parlamentarisches Verfahren
Das von der Ampel-Koalition geschnürte Wärmewende-Paket sieht derzeit vor, dass Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern bis Mitte 2026 eine Wärmeplanung vorlegen müssen. Kleinere Städte und Gemeinden haben zwei Jahre länger Zeit.
Erst danach greifen die Erneuerbaren-Pflichten des Gebäudeenergie- oder Heizungsgesetzes auch für Bestandsgebäude. Noch befindet sich das Wärmeplanungsgesetz im parlamentarischen Verfahren. Erklärtes Ziel der Ampel-Parteien ist es, das Vorhaben noch vor Weihnachten final zu verabschieden. (aba)
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Die ZfK widmet sich dem Thema Wärmewende auch in einem eigenen Podcast. Hier können Sie die jüngste Folge hören:



