Mit geballter Stärke erschien die Kommunalbranche zur Sachverständigenanhörung im Bundestags-Bauausschuss und zeigte sogleich, aus wie vielen klimafreundlichen Wärmequellen sie schöpfen will – wenn sie denn darf.
Optimierungsbedarf, so viel vorweg, sah sie im kommunalen Wärmeplanungsgesetz durchaus – auch wenn sie den vorliegenden Regierungsentwurf insgesamt als "gut" bewertete.
Deckel bei Abfall- und Biomasse-Abwärme
Der Empfehlungsreigen begann bei der thermischen Abfallverwertung, aus der sich Abwärme gewinnen lässt. "Hier sollten wir alle Potenziale nutzen, nicht nur die der überlassungspflichtigen Abfälle", sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. Selbes hatte bereits der Bundesrat angemahnt und war damit bei der Bundesregierung abgeschmettert.
Auch den sogenannten Biomasse-Deckel kritisierte Liebing. Laut Regierungsentwurf soll der Biomasseanteil an der jährlich erzeugten Wärmemenge in neuen Wärmenetzen begrenzt werden. Bei Netzen mit einer Länge von 20 bis 50 Kilometern soll der Anteil maximal 35 Prozent betragen, bei längeren Leitungen höchstens 25 Prozent. In dieser Form halte er die Vorgaben für "falsch", sagte der Cheflobbyist kommunaler Unternehmen. "So bleiben Potenziale liegen".
Stadtwerke München für "Geothermieerschließungsgesetz"
Kay Ruge vom Deutschen Landkreistag warb dafür, Klärschlämme und Deponiegase als Fernwärmeoptionen aufzunehmen. Auch dies sei "sinnvoll und effizient". Beide Wärmequellen werden im aktuellen Entwurf nicht anerkannt.
Ein "Geothermieerschließungsgesetz" forderte Maik Günther von den Stadtwerken München. Denn derzeit müsse sein Unternehmen für den Bau einer Tiefengeothermieanlage von der Planung bis zur Inbetriebnahme mit zehn Jahren rechnen. "Das dauert viel zu lang".
Wärmepumpen und Wasserstoff
Schwieriger hatte es bei den Kommunalvertretern eine Option, die sich in anderen Wärmewende-Ländern bereits durchgesetzt hat. "Wir halten es volkswirtschaftlich nicht für klug, dass Wärmepumpen dort gefördert werden, wo Wärmenetze geplant werden", sagte Christine Wilcken vom Deutschen Städtetag. Aus Sicht ihres Verbandes seien Wärmenetze "die tragende Säule der Wärmewende".
Thema war auch wieder die umstrittene Wärmeoption Wasserstoff. Tilman Wilhelm vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches, kurz DVGW, warb dafür, gesetzliche Infrastrukturhürden für grüne Gase wie Wasserstoff im Vergleich zu Wärmepumpen und Fernwärme abzubauen.
Reizthema Wasserheizungen
Dabei stritten sich die Experten, welchen Platz insbesondere Wasserstoffheizungen im künftigen Wärmemix tatsächlich einnehmen können. Für die Stadtwerke München spiele diese Option "keine Rolle", sagte Günther. "Wir gehen davon aus, dass [Wasserstoff] nicht in der erforderlichen Menge zur Verfügung stehen wird. Er wird perspektivisch auch noch nicht so günstig sein, dass er wirtschaftlich attraktiv ist."
Und sollte Wasserstoff gerade an kalten Tagen doch gebraucht werden, dann seien die Stadtwerke selbst die besten Kunden, fuhr Günther fort. Heißt: Wasserstoff würde dann in Heizkraftwerken des Unternehmens zum Einsatz kommen, um Fernwärme zu produzieren. Im dezentralen Netz sei Wasserstoff dagegen eher "ein Randthema".
"Thermodynamischer Vandalismus"
Noch deutlicher wurde Simon Müller von der Denkfabrik Agora Energiewende. Er bezeichnete das Verbrennen von Wasserstoff in dezentralen Heizungen als "thermodynamischen Vandalismus".
Schließlich nehme man einen "extrem hochwertigen Energieträger", um "extrem niederwertige Wärme" herauszuholen.
Biomasse-Potenzial "sehr begrenzt"
Auch die Wärmeoption Bioenergie wurde nicht nur positiv bewertet. Die nachhaltigen Potenziale seien hier "sehr begrenzt", sagte Elisabeth Staudt von der Deutschen Umwelthilfe.
"Wenn wir den Grundsatz einer nachhaltigen und resilienten Wärmeplanung ernst nehmen, müssen wir sicherstellen, dass wir mit dem Gesetzentwurf keine Übernutzung an Biomasse anreizen, die am Ende nur durch massenhaften Import gedeckt werden kann." (aba)
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