Preem, Schwedens größter Hersteller von Kraftstoffen, spielt eine herausragende Rolle bei der Umstellung auf Wasserstoff.

Preem, Schwedens größter Hersteller von Kraftstoffen, spielt eine herausragende Rolle bei der Umstellung auf Wasserstoff.

Bild: © Adobe Stock/Thomas

Der Nationale Wasserstoffrat (NWR) hat seinen „Wasserstoff Aktionsplan Deutschland 2021 – 2025“ vorgelegt. Er enthält 80 Vorschläge für die nächste Bundesregierung, mit der ein schneller Hochlauf der Wasserstofftechnologie möglich gemacht werden soll. Die 26 Expertinnen und Experten des die Bundesregierung beratenden Gremiums haben den Aktionsplan heute an Kanzleramtschef Helge Braun übergeben, heißt es in einer Mitteilung.

Wie Katherina Reiche, die Vorsitzende des NWR, betont, versteht das Gremium den Aktionsplan als Blaupause für ein Regierungsprogramm zum Thema Wasserstoff nach der Bundestagswahl im September. „Die Umsetzung dieser Maßnahmen ist aus unserer Sicht unerlässlich, um die noch einmal verschärften Klimaziele erreichen zu können.“

Inhalte des Aktionsplans

Der Aktionsplan gliedert sich in drei Teile: Zunächst wird die Ausgangslage mit Blick auf Klimaschutzziele, Industriepotenziale und rechtliche Rahmenbedingungen diskutiert. Der zweite Teil fasst die Diskussion um den zu erwartenden Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft bis zum Jahr 2030 zusammen – getrennt nach Bedarfen, Aufkommen und notwendiger Infrastruktur. Der dritte Teil leitet konkrete, nach Dringlichkeit priorisierte Handlungsempfehlungen zur effizienten Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie ab. „Es geht darum, den Wasserstoff-Markthochlauf entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu realisieren – also von der Erzeugung über die Speicherung und den Transport bis hin zu den Anwendungen sowie einer qualifizierten Zulieferindustrie“, lässt sich Reiche in der Mitteilung zitieren.

Der NWR hat in dem Aktionsplan 80 Einzelmaßnahmen vorgeschlagen und auch in eine zeitliche Priorisierung gebracht. Dabei seien insbesondere die erforderlichen Entscheidungen für die Industrie sehr kurzfristig zu treffen, ist das Gremium überzeugt: An erster Stelle stehe dabei die Verfügbarkeit grünen Wasserstoffs, gefolgt von der Erfassung des CO2-Fußabdrucks der in den industriellen Verfahren eingesetzten Gase durch die Einführung einheitlicher Herkunftsnachweise. Auch bei staatlichen Förderinstrumenten zeigt der Aktionsplan kurzfristige Entwicklungsbedarfe auf.



Infrastruktur aufbauen

Im Verkehrssektor sehen die NWR-Mitglieder kurzfristigen Handlungsbedarf innerhalb der kommenden beiden Jahre. Neben Standardisierungsaspekten und Fragen des regulatorischen Rahmens der EU geht es dabei vor allem um den Aufbau einer europaweiten Tankstelleninfrastruktur und den staatlich unterstützten Aufbau einer Zulieferindustrie.

Der NWR zeigt in dem Aktionsplan auch den Handlungsbedarf beim regulatorischen Rahmen auf. Besonderes Augenmerk legt er auf einen geeigneten Preisanreiz: „Erstens muss die CO2-Bepreisung in allen Sektoren gestärkt, zweitens der Strompreis von der EEG-Umlage befreit und drittens die Stromsteuer deutlich reduziert werden“, fordert Katherina Reiche.



Sondervotum nach Uneinigkeit

Mit einem Sondervotum melden sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Klima Allianz Deutschland zu Wort. Sie kritisieren die Entscheidung des NWR, auch Wasserstoff aus fossilen Quellen als förderwürdig zu deklarieren. Daher seien auch nicht alle Passagen des Wasserstoff-Aktionsplans im Wasserstoffrat einstimmig beschlossen worden, heißt es in einer Mitteilung.

Verena Graichen, die Mitglied im BUND-Vorstand wie auch im NWR ist, kritisiert: „Nur grüner Wasserstoff aus erneuerbaren Energien ist eine nachhaltige Energiequelle. Blauer Wasserstoff aus fossilem Erdgas oder türkiser Wasserstoff aus Wärmeenergie sind nicht klimaneutral, deswegen können sie nicht auf einer Stufe mit grünem Wasserstoff stehen.“ Die Nationale Wasserstoffstrategie habe eine Richtungsentscheidung für grünen Wasserstoff getroffen, das müsse jetzt finanziell und planerisch unterstützt werden. Der NWR weiche nun von dieser Priorisierung ab und empfehle der künftigen Bundesregierung, über die Option der „Erzeugungs- und Anwendungsförderung“ von fossilem Wasserstoff zu entscheiden, ärgert sich Graichen.

Angst vor neuen Abhängigkeiten

Um die 1,5-Grad-Grenze des Pariser Klimaabkommens nicht zu überschreiten, müssten alle Sektoren schnellstmöglich klimaneutral umgestaltet werden. Der Nationale Wasserstoffrat spreche sich dennoch ohne feste zeitliche Limitierung für die Nutzung von Technologien wie Erdgas und auf fossiler Basis erzeugtem Wasserstoff aus. Christiane Averbeck, Geschäftsführerin der Klima Allianz Deutschland und Mitglied des NWR, fordert daher, dass der Ausbau der Erzeugung erneuerbaren Wasserstoffs nicht durch die Förderung von Erdgas und fossilem Wasserstoff verlangsamt werden sollte. „Das kostet zu viel knappe Steuergelder und birgt das Risiko, weitere jahrzehntelange Abhängigkeit von fossilen Strukturen zu zementieren. Die Nachfrage der Industrie sollte durch eine strikte Priorisierung der Anwendungsbereiche und den beschleunigten Ausbau zusätzlicher erneuerbarer Energien gedeckt werden. Eine Förderung von fossilem Wasserstoff weder ökologisch nachhaltig noch volkswirtschaftlich sinnvoll“, so Averbeck. (amo)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper