Die gestiegenen Netzentgelte führen auch dazu, dass die Branche die Redispatch-Kosten stärker unter die Lupe nimmt.

Die gestiegenen Netzentgelte führen auch dazu, dass die Branche die Redispatch-Kosten stärker unter die Lupe nimmt.

Bild: © David Woods/AdobeStock

Von Andreas Baumer

Die Netzengpassmanagement-Kosten dürften in diesem Jahr deutlich geringer ausfallen als von den Übertragungsnetzbetreibern in ihrer 2023-Prognose angenommen. Kerstin Andreae vom größten deutschen Energieverband BDEW schätzte die Gesamtkosten in diesem Jahr auf rund zwei Milliarden Euro. Das wären rund drei Milliarden Euro weniger als angenommen. Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber sind allesamt Mitglieder des BDEW.

Offiziell liegen die Netzengpassmanagement-Kosten für das erste Halbjahr 2024 vor. Demnach wurden 1,1 Milliarden Euro für das Management von Netzengpässen ausgegeben. Für die Folgejahre haben die Übertragungsnetzbetreiber ihre Prognose inzwischen deutlich nach unten korrigiert. Demnach werden für 2025 Netzengpass-Managementkosten in Höhe von 3,5 Milliarden Euro erwartet (-2,1 Milliarden Euro im Vergleich zur Vorjahresprognose). Im Jahr 2026 würden es vier Milliarden Euro sein (-2,5 Milliarden Euro).

Hauptkostentreiber von Netzengpassmanagement-Kosten sind sogenannte Redispatch-Maßnahmen. Gemeint sind vom Netzbetreiber angeordnete Eingriffe in den ursprünglich geplanten Fahrplan von Kraftwerken, um Netzüberlastungen im Stromnetz vorzubeugen oder zu beheben. Häufig werden an windreichen Tagen Windkraftanlagen in Norddeutschland abgeschaltet und fossile Kraftwerke im Süden zugeschaltet, um Leitungen und Umspannwerke nicht zu überlasten oder die Spannung aufrechtzuerhalten.

Weniger Windstrom abgeregelt

Laut Andreae ist auch die abgeregelte Windkraftmenge in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr spürbar zurückgegangen. Von Januar bis August 2024 wurden insgesamt 2,3 Terawattstunden (TWh) auf See abgeregelt. Im Vergleichszeitraum 2023 waren es noch mehr 3,9 TWh gewesen. "Der Netzausbau auf Übertragungsnetzebene trägt Früchte", sagte Andreae dazu.

Im Energiekrisenjahr 2022 waren die Netzengpassmanagement-Kosten angesichts extrem hoher Strompreise auf den Großhandelsmärkten auf den bisherigen Höchstwert von 4,2 Milliarden Euro gestiegen. Im Folgejahr waren es nur noch gut drei Milliarden Euro gewesen. Die Netzengpassmanagement-Kosten spielen neben den Netzausbaukosten eine zentrale Rolle bei der Berechnung der Übertragungsnetzentgelte. Sinken sie, entlastet dies auch die Netzkosten insgesamt.

Übertragungsnetzentgelte als Politikum

Für das kommende Jahr hatten die Übertragungsnetzbetreiber eine Erhöhung der durchschnittlichen Entgelte auf Höchst- und Umspannungsebene von bislang 6,43 auf 6,65 Cent pro Kilowattstunde (kWh) angekündigt. Bemühungen auf Bundesebene, die Kosten durch einen Zuschuss zu dämpfen, waren bislang erfolglos. Die Unionsfraktion habe sich bisher nicht zur Zustimmung zu Entlastungen für die Wirtschaft durchringen können, sagte Britta Haßelmann, Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Ein Rückgang der Netzengpassmanagement-Kosten dürfte auch die Debatte um die deutsche Strompreiszone etwas entschärfen. Gegner einer einheitlichen Strompreiszone argumentieren, dass durch eine Teilung Redispatch-Kosten deutlich gesenkt werden könnten. Union, SPD und Gründe sowie große Energie- und Industrieverbände sind gegen eine Teilung der einheitlichen Strompreiszone.

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