Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)

Bild: © Sebastian Gollnow/dpa

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat die Pläne der Bundesregierung zum Bau neuer Gaskraftwerke verteidigt.

Es brauche gesicherte Leistung, wenn Kohle aus Klimaschutzgründen und wegen des CO2-Preises aus dem Markt verschwinde, sagte die CDU-Politikerin beim Tag des Familienunternehmens in Berlin. "Wir brauchen dringend eine Gasversorgung auch über einen längeren Zeitraum."

Reiche weist Kritik zurück

Reiche, die vor ihrer Rückkehr in die Spitzenpolitik Chefin des Stadtwerkeverbands VKU war und für die Eon-Tochter Westenergie gearbeitet hatte, wehrte sich gegen Lobbyismus-Vorwürfe. "Und wenn ich jetzt höre und lese, da sei die Gaslobby am Werk, möchte ich den Kritikern gleich zurufen, dass wir im gleichen Zug die Abscheidung von CO2, also CCS und CCU, also die Nutzung von CO2, ermöglichen müssen", fügte sie hinzu. "Wenn wir gesicherte Leistung brauchen und gleichzeitig Klimaschutz machen wollen, müssen wir uns um das anfallende CO2 kümmern und das machen wir, indem wir es abscheiden, transportieren und speichern werden."

Bei CCS (Carbon Capture and Storage) wird anfallendes Kohlendioxid etwa in tiefen Erdschichten gespeichert. CCU (Carbon Capture and Utilization) bedeutet, das Treibhausgas für andere Prozesse etwa als Rohstoff zu nutzen. 

Vorwürfe von Linken und Grünen 

Von Grünen und Linken hatte es Kritik an Reiche gegeben. Der Energieminister Schleswig-Holsteins, Tobias Goldschmidt (Grüne), hatte im "Handelsblatt" von einem "Durchmarsch der Gaslobby" gesprochen. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Lorenz Gösta Beutin warf der Bundesregierung vor, die Klimaziele "zugunsten fossiler Interessen" über Bord zu werfen. "Dass diese Pläne ausgerechnet von einer früheren Energielobbyistin wie Reiche kommen, ist bezeichnend für die Pläne dieser Konzernkoalition", sagte er.

Rückendeckung bekam Reiche vom Energieverband BDEW. "Wir brauchen 20 GW gesicherte Erzeugungsleistung, unter anderem wasserstofffähige Gaskraftwerke, die jetzt schnell, effizient und investitionssicher ermöglicht werden müssen", teilte Verbandschefin Kerstin Andreae per Presseaussendung mit. "Entscheidend ist dabei, dass die Ausschreibungen für neue Kraftwerke zügig starten."

Sicht der Energiewirtschaft

In der Energiewirtschaft gibt es Konsens darüber, dass Deutschland mehr gesicherte Leistung benötigt, um die Versorgungssicherheit auch nach Atom- und Kohleausstieg zu gewährleisten. Auch Reiches Vorgänger Robert Habeck (Grüne) hatte im Rahmen eines Gesetzes 10 GW neue Gaskraftwerksleistung fördern wollen. Das Vorhaben versandete kurz nach dem Aus der Ampelregierung.

Strittig ist, wie viele neue Gaskraftwerke tatsächlich nötig sind. Zudem wird heftig diskutiert, wie diese Kraftwerke perspektivisch dekarbonisiert werden sollen. Während die Grünen und Teile der SPD auf eine baldige Wasserstoffumstellung setzen, kann sich die Union um Kanzler Friedrich Merz (CDU) auch die CCS-Technologie für Gaskraftwerke vorstellen. Im Koalitionsvertrag wurde dafür die Tür geöffnet. (aba/dpa)

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