Die Kritik am aktuellen Ausschreibungsdesign für neue Offshore-Wind-Flächen reißt nicht ab. Die Stiftung Offshore-Windenergie hat mit anderen Erneuerbaren-Organisationen nun eine Analyse veröffentlicht und dringenden Anpassungs- und Handlungsbedarf festgestellt. Es drohe eine "Schwächung der Wettbewerbs- und Akteursvielfalt" und eine "Schaffung neuer energiepolitischer Abhängigkeiten", heißt es in einer Mitteilung der Stiftung.
Das aktuelle Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) von Januar 2023 sieht ein zweigeteiltes Auktionsdesign für Flächen in Nord- und Ostsee für zukünftige Offshore-Windparks vor. Einerseits werden Flächen vergeben, die bereits durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) voruntersucht wurden und die über einen Bieterwettstreit sowie durch qualitative Kriterien vergeben werden; andererseits Flächen, bei denen die erfolgreichen Bieter die Boden- und Umweltuntersuchungen noch selbst durchführen müssen. Hier erfolgt die Vergabe ausschließlich über die Höhe der Gebote.
Auktionen über fast 9 GW
Im Sommer 2023 sorgten die neuen Kriterien dafür, dass sich Total Energies und BP durchsetzten (Die ZfK berichtete). Die Ölriesen erwarben Flächen mit 7 GW zu installierender Leistung für insgesamt 12,6 Mrd. Euro. Dem Staat bescherten die Offshore-Auktionen insgesamt Rekordeinnahmen von 13,4 Mrd. Euro, gestreckt über 20 Jahre.
Für 2024 sind nun Auktionen für fast 9 GW geplant. Dass diese nach denselben Ausschreibungsregeln erfolgen sollen, hält die Stiftung Offshore Windenergie für einen Fehler. "Wir riskieren hierdurch nicht nur massive industrie- und wettbewerbspolitische Kollateralschäden, sondern auch die fristgerechte Umsetzung der Ausbauziele", wird Stiftungsgeschäftsführerin Karina Würtz zitiert.
Bislang liege der Fokus vor allem darauf, die Erlöse für den Staat zu maximieren. Stattdessen brauche es aber eine noch stärkere Zusammenführung von Energie- und Industriepolitik, so die Branchenvertreterin.
Mahnendes Beispiel UMTS
Die hohen Investitionskosten für neue Offshore-Windparks führten zudem entweder zu teurerem Strom oder zu einem "ruinösen Preiswettbewerb zwischen Projektierern und Zulieferern", warnt Sebastian Averdung, Vorsitzender des Erneuerbaren Energien Cluster Hamburg (EEHH).
Die Verbände stellen hierzu den Vergleich mit den UMTS-Lizenzvergaben im Jahr 2000 an. Diese hätten zwar die staatlichen Einnahmen maximiert, gleichzeitig aber zu einer der schlechtesten Netzabdeckungen in Europa geführt. Viele der erfolgreichen Bieter hätten mangels Rentabilität die Lizenzen wieder zurückgeben müssen oder beim Ausbau gespart.
Ein künfiges Ausschreibungsdesign für Offshore-Windkraft solle daher die Akteursvielfalt stärken und einen gesunden Wettbewerb erhalten", meint Andree Iffländer, Vorstandsvorsitzender des WindEnergy Networks. Aktuell drohe in den kommenden Jahren hingegen ein "Oligopol weniger eigenkapitalstarker Akteure".
Kleinere Losgrößen und Deckel
Um dies zu verhindern, sprechen sich die Verbände für die Einführung von qualitativen Kriterien oder für die Einführung eines Förderregmies mit Differenzverträgen (Contracts für Differences, CfDs) aus. Als kurzfristige Lösung schlagen Verbände unter anderem eine Aufteil der 2-GW-Flächen auf kleinere Losgrößen, eine Deckelung pro Teilnehmer sowie Finanzierungsprogramme der KfW vor.
Die Vorschläge dürften in der Kommunalwirtschaft auf offene Ohren stoßen: Auch kommunale Versorger wie die Hamburger Energiewerke hatten Ende 2023 eine Änderung des Ausschreibungsdesigns gefordert (die ZfK berichtete). (jk)



