Dass Viessmann seine Wärmepumpensparte verkauft, war auch auf der Handelsblatt-Jahrestagung "Stadtwerke 2023" ein Thema. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) wolle den Verkauf prüfen lassen (wie ZfK berichtete). Aber auch der Tagung anwesende Christian Maaß wurde direkt darauf angesprochen. Der Abteilungsleiter aus dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) betonte: "Wir haben ein großes Interesse daran, dass die deutsche Industrie in diesem Land bleiben soll und nicht verdrängt werden darf. Unabhängig davon, was sie produziert."
Der Abteilungsleiter für Energiepolitik – Wärme und Effizienz fügte hinzu: "Wir sehen, dass sich deutsche Hersteller auf den Weg gemacht haben und Wettbewerbsvorteile beispielsweise bei Kältemaschinen besitzen." Man werde weiterhin alles dafür tun, Arbeitsplätze zu erhalten.
Die Bundesregierung sieht sich auf Kurs
Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen sehe die Bundesregierung ihren Kurs bestätigt, auf erneuerbare Wärme zu setzen, ergänzte Maaß. Er bekräftigte, dass sich die Rahmenbedingungen für Wärmepumpen ändern müssten. Derzeit seien die Wärmepumpen teuer, weil sie "eher aus Manufakturen als aus industrieller Fertigung stammen". Es sei noch Luft nach oben und ebenso werde sich auf der Betriebskostenseite einiges entwickeln, sagte Maaß.
Auf die Diskussion über Wärmepumpen und auch das Verbot von Gas- und Ölheizungen ging auch Michael Maxelon ein. Der Chef der Städtischen Werke Kassel ergänzte, dass die Energiewirtschaft sich in einer "spannenden Zeit" befände. Aber die Kund:innen seien verunsichert. "Welche Technik wird sich durchsetzen, welcher Energieträger und zu welchem Preis", warf er stellvertretend auf.
Förderung müssten nachjustiert werden, wenn sie nicht ausreichen
Das beschäftigt auch den Verbraucherzentralen Bundesverband (vzbv). In der Diskussion um Viessmann gab Thomas Engelke Einblicke aus der Energieberatung der Verbraucherzentralen. "Wir merken eine hohe Nachfrage nach Wärmepumpen. Sollten die amtierenden und geplanten Förderungen nicht ausreichen, müsste nachjustiert werden", bekräftigte der vzbv-Leiter für Energie und Bauen. Denn immerhin koste die Technologie rund 30.000 Euro, und dies müssten die Menschen sich auch leisten können.
Aber er lobte die Förderkulisse der Bundesregierung, welche bereits jetzt einen Heizungstausch mit bis zu 40 Prozent bezuschusst. "Das ist nicht nichts" und gehe in "richtige Richtung". Jedoch sehe er weiterhin Defizite bei der energetischen Gebäudesanierung. "Hier erhalten sie Zuschüsse von rund 20 Prozent." Beides müsse miteinander verbunden werden, um die Wärmewende zu schaffen.
Wärmeplanung kommt "bald"
Um die erneuerbare Wärme insgesamt voranzutreiben, arbeite das Bundeswirtschaftsministerium weiterhin an der kommunalen Wärmeplanung. "Bald" soll ein Vorschlag diesbezüglich stehen. Während des Prozesses habe man Hindernisse festgestellt. So fehle exemplarisch die Rechtsgrundlage, bestimmte Daten erheben zu können. Manche Akteure dürften diese schlicht nicht herausgeben. "Dadurch fehlt den Kommunen der Überblick, wo, welche Technologien und Netze vorhanden sind und sie können nicht wirklich etwas planen", sagte der Abteilungsleiter.
Gleichzeitig bekräftigte er, dass die Potenziale von Abwärme und Geothermie gehoben werden sollen. "De facto wissen wir gar nicht, wie viel Potenzial wir besitzen, weil wir zu wenig Bohrungen durchgeführt haben. Erdgas war günstig und Geothermie ist risikobehafteter." Deswegen sei es nun wichtig, "Klarheit" zu schaffen. Dem Bundeswirtschaftsministerium schwebe vor, mindestens 100 Bohrungen an den geeignetsten Standorten durchführen zu lassen. "Viele Bundesländer und Kommunen sind hierfür an unserer Seite und ich denke, dass Geothermie eine unterschätzte Technologie." (gun)



