Dieses Jahr produzierten Windkraftanlagen in Deutschland insgesamt deutlich weniger Strom als im Vorjahr. Da sind die EnBW-Windräder keine Ausnahme.

Dieses Jahr produzierten Windkraftanlagen in Deutschland insgesamt deutlich weniger Strom als im Vorjahr. Da sind die EnBW-Windräder keine Ausnahme.

Bild: © Raychel Sanner/Unsplash

Trotz der immensen Kosten liegt die Energiewende in Deutschland in mehreren Bereichen weit hinter den politischen Zielen zurück. Das hat eine Studie von Prognos ergeben.

Nachholbedarf gibt es nach Einschätzung des Basler Instituts vor allem beim Ausbau der Stromnetze und bei der Reduzierung des Stromverbrauchs. In zehn Jahren habe der Umbau der Gebäudeheizung weg von Gas und Öl "quasi keine" Fortschritte gemacht.

Stromtrassen verzögern sich

Die deutschen Industriestrompreise sind demnach mittlerweile die dritthöchsten in der EU hinter Großbritannien und Zypern, wie Prognos-Energieexpertin Almut Kirchner sagte. Das Beratungsunternehmen analysiert seit zehn Jahren die Fortschritte der Energiewende, Auftraggeber ist die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw).

Ende dieses Jahres sollen die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden. "Bei der Versorgungssicherheit sind wir, was die Frage der Netze angeht, wirklich in einer sehr, sehr kritischen Bewertung", sagte Kirchner. Dabei geht es vor allem um den Bau der geplanten beiden großen Stromtrassen "Südlink" und "Südostlink" von Schleswig-Holstein beziehungsweise Sachsen-Anhalt nach Bayern. Die Planung beider Großprojekte hat sich stark verzögert.

Gasheizungen weiter stark verbreitet

Beim Umbau der Gebäudeheizung - einem wichtigen Faktor bei den deutschen Treibhausgasemissionen - gab es laut Prognos nur minimale Fortschritte. In diesem Bereiche zeige sich das "ganze Ausmaß des Elends", sagte Kirchner.

Demnach sind alte Öl- und Gasheizungen bislang nur in wenigen Gebäuden ausgetauscht worden, auch bei Neubauten ist die Lage nicht viel besser: "Es werden im wesentlichen Gasheizungen zugebaut", sagte die Physikerin, die bei dem Beratungsunternehmen den Bereich Energie und Klimaschutz leitet.

Ausbautempo verdoppeln

Tatsächlich auf Kurs ist laut Studie bislang der Ausbau der erneuerbaren Energien. Die neue Bundesregierung hat sich jedoch ehrgeizigere Ziele gesetzt als die alte, im Jahr 2030 sollen 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs mit Ökostrom gedeckt werden. "Bei denen würden wir sehen, dass wir eigentlich bis 2030 verdoppeln müssen gegenüber heute", sagte Kirchner zum Ausbautempo bei Wind- und Sonnenstrom.

10H-Abstandsregel in Bayern

Auch daher fordert die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) die Abschaffung der 10H-Abstandsregel für Windräder in Bayern. "Wir müssen leider feststellen, dass die 10H-Regelung ein Fehlschlag war, also brauchen wir sie auch nicht mehr", sagte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Die 10H-Regel schreibt vor, dass der Abstand eines Windrades in der Regel mindestens das Zehnfache der Bauhöhe betragen muss - bei 200 Meter Rotorhöhe also 2 Kilometer. Die auf Ex-Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zurückgehende Vorschrift hat den Ausbau der Windenergie in Bayern quasi zum Erliegen gebracht. CSU-Generalsekretär Markus Blume hatte am Vortag betont, dass an der 10H-Regel nicht gerüttelt werden solle.

Verband bevorzugt Windkraft

Ende dieses Jahres sollen die letzten deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet werden, darunter Isar II in der Nähe von Landshut. Von Bedeutung für Bayern ist vor allem die Frage der Versorgungssicherheit, da die heimische Stromerzeugung den Bedarf nicht mehr deckt.

Deswegen favorisiert auch die vbw den Ausbau der Windkraft. "Die Energiewende wird nicht ohne Zumutungen und Eingriffe in unser Landschaftsbild gelingen", sagte Brossardt dazu. In Sachen Energiewende gebe es seit 20 Jahren politische Ankündigungen. "Aber beim Machen sind wir nicht vorangekommen." (dpa/jk)

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