Ein Blick auf das Umspannwerk Pulverdingen in Baden-Württemberg, das von den Netzbetreibern Transnet BW und Netze BW gemeinsam betrieben wird.

Ein Blick auf das Umspannwerk Pulverdingen in Baden-Württemberg, das von den Netzbetreibern Transnet BW und Netze BW gemeinsam betrieben wird.

Bild: © Marijan Murat/dpa

Die Debatte um niedrigere Netzentgelte gewinnt weiter an Fahrt. Der ZfK liegt ein Positionspapier der Arbeitsgruppe Wirtschaft der SPD-Bundestagsfraktion vor, in dem wieder mehr Freileitungen auf Übertragungsnetzebene gefordert werden.

Auf Drängen der CSU habe die damalige große Koalition den Vorrang von Erdkabeln für Übertragungsnetze beschlossen, heißt es dort. "Bereits zu diesem Zeitpunkt war klar, dass diese Entscheidung die Kosten des Netzausbaus in die Höhe treiben würde. Die aktuelle Lage verlangt jedoch eine Neubewertung der Situation und eine Abschaffung des Erdkabel-Vorrangs."

Umgang mit laufenden Projekten

Der Umstieg von Erdkabeln auf Freileitungen könne Projekte beschleunigen, schreibt die SPD-Arbeitsgruppe. Der Vorrang von Erdverkabelung vor Freileitungen müsse daher reformiert werden.

Der Kanzlerpartei geht es dabei nicht um im Bau befindliche oder weit in der Planung vorangeschrittene Projekte. Hier würde der Wechsel auf Freileitungen zu Verzögerungen und Mehrkosten führen.

Einsparpotenziale im zweistelligen Milliardenbereich

"Der Wegfall des Vorrangs der Erdverkabelung wäre aber für die Projekte sinnvoll, die noch nicht im Genehmigungsverfahren oder derzeit Gegenstand der Bundesfachplanung sind." Konkret nennt die Arbeitsgruppe die Trassen Ostwestlink von Niedersachsen nach Sachsen, Nordwestlink zwischen Niedersachsen und Baden-Württemberg sowie Südwestlink zwischen Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg.

Mit der Realisierung dieser Vorhaben als Freileitung ergäben sich Einsparpotenziale im zweistelligen Milliardenbereich, erläutert die SPD-Arbeitsgruppe und beruft sich auf Angaben der Übertragungsnetzbetreiber. Freileitungen könnten schneller und preiswerter gebaut werden, insbesondere in Regionen mit komplexer Topographie, führt sie aus.

Hintergrund der Debatte

"Darüber hinaus gibt es weniger Eingriffe in den ökologisch wichtigen Lebensraum Boden. Auch Eingriffe in das Privateigentum entfallen weitgehend und die landwirtschaftliche Nutzung ist deutlich geringer beeinträchtigt."

Die Netzentgelt-Debatte hat sich seit dem Wegfall eines milliardenschweren Bundeszuschusses für dieses Jahr im Zuge der Haushaltskrise verschärft. Nach Angaben der Übertragungsnetzbetreiber stiegen allein die Übertragungsnetzentgelte dadurch im Schnitt auf 6,43 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Auch in den kommenden Jahren dürften nicht zuletzt erhebliche Investitionen für den Netzausbau die Netzkosten hoch halten.

Netzagentur bereitet sich auf öffentliche Debatte vor

Nach Zahlen des Energiedienstleisters Enet gingen im Januar die Netzentgelte im Durchschnitt um 20 Prozent nach oben. In der Folge reagierten einige Stromversorger, darunter auch die großen Regionalversorger EnBW und EWE, und erhöhten ihrerseits die Strompreise.

Bundesnetzagentur-Präsident Müller prognostizierte im Januar, dass es Richtung Ostern oder Pfingsten noch einmal eine öffentliche Debatte über die Netzkosten geben werde. "Dann werden wir vorbereitet sein", sagte der Behördenchef.

Drei Übertragungsnetzbetreiber für mehr Freileitungen

Vor Kurzem hatte sich auch 50Hertz-Chef Stefan Kapferer dafür ausgesprochen, künftig wieder verstärkt Freileitungen anstelle von Erdkabelleitungen zu bauen. Damit ließen sich bis zu 20 Milliarden Euro sparen, führte er aus. Auch die Netzbetreiber Tennet und Transnet BW plädierten zuletzt für das Comeback von Freileitungen. (Die ZfK berichtete.) (aba)

Mehr zum Thema: Teure Netzentgelte: Eon und Co. stellen versteckte Kostentreiber ins Rampenlicht

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