Die Strompreise in Deutschland steigen wegen der höheren Netzentgelte offenbar weniger dramatisch an - aber immer noch deutlich. Die Mehrkosten für diesen Posten belaufen sich gegenüber dem Vorjahr im Schnitt auf knapp 20 Prozent, zeigen Zahlen des Energiedienstleisters Enet, die der ZFK vorab vorlagen. Kurz zuvor hat das Vergleichsportal Check 24 noch gewarnt, dass sich die Stromnetzentgelte dieses Jahr um durchschnittlich 24 Prozent verteuern könnten.
Anscheinend geben aber viele Stadtwerke und Energieversorger die gestiegenen Kosten nicht an ihre Kundinnen und Kunden weiter, was auch eine nicht repräsentative ZfK-Umfrage Ende 2023 belegt. Betrachtet hat die Enet mit Sitz in Hückelhoven (Nordrhein-Westfalen) die Preisunterschiede der vorläufigen und endgültigen Daten der Netzbetreiber für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 3.500 kWh jährlich.
Enet: Weniger dramatisch als erwartet
Im bundesweiten Durchschnitt steigt der Arbeitspreis gegenüber den vorläufigen Daten der Netzbetreiber demnach nun um 1,08 Cent auf 12,14 Cent je Kilowattstunde (kWh). Das sei ein Anstieg von 9,8 Prozent oder rund 38 Euro im Jahr – und dieser damit "weniger dramatisch, als nach dem Wegfall der Subventionen von vielen erwartet wurde".
Allerdings betont das Unternehmen, dass die Netzkunden in der Höchst- und Hochspannung "mit voller Wucht" vom Preisanstieg getroffen würden. "Das dürfte die Diskussion um die Zukunftsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland erneut befeuern", ist sich Enet sicher.
"Mit spitzer Feder"
Auch, dass viele Versorger "mit sehr spitzer Feder" werden rechnen müssen. Denn neben den Netzentgelten und dem CO2-Preis sind die staatlichen Umlagen auf Strom gestiegen: um 6,1 Prozent. Zudem sind die Energiepreisbremsen mit dem Jahreswechsel weggefallen.
Infolge des Ausfalls von Subventionen der Bundesregierung in Höhe von 5,5 Milliarden Euro, haben sich die Netzentgelte im Übertragungsnetz auf 6,43 Cent/kWh verdoppelt.
Die nun veröffentlichten endgültigen Netzentgelte im Verteilnetz fallen quer durch die Republik sehr unterschiedlich aus. Die Spreizung zwischen den niedrigsten und höchsten Preisen beträgt der Enet zufolge rund 142 Prozent.
Sowohl prozentual als auch absolut am stärksten steigen die Entgelte nach aktuellem Stand bei den Mainzer Netzen in Rheinland-Pfalz: von 9,14 auf 12,06 Cent/kWh – ein Plus von 32 Prozent. Mit unverändert 6,94 Cent/kWh bleibt es dagegen bei den Stadtwerken Pappenheim in Bayern 2024 am günstigsten.
Gasnetzentgelte sinken
Die Gasnetzentgelte sind insgesamt weniger in Bewegung. Im bundesweiten Durchschnitt sinkt der Arbeitspreis sogar leicht um 1,3 Prozent auf 1,99 Cent/kWh. Mit 3,69 Cent/kWh am teuersten bleiben die Entgelte im Gebiet der Stadtwerke Bad Wildbad in Baden-Württemberg. Die unverändert geringsten fallen mit 0,98 Cent/kWh im Netz der niedersächsischen Stadtwerke Neuenhaus an.
Ausgewertet wurden die bislang veröffentlichten Preisblätter für jeweils etwa 99 Prozent aller Versorgungsgebiete. Weitere Daten hat die Enet auf ihrer Internetseite bereitgestellt. (dz)
Dieser Artikel wurde am 8. Januar 2024 präzisiert. Die Stromnetzentgelte haben sich rund zehn Prozent gegenüber den vorläufigen verändert - gegenüber 2023 aber um rund 20 Prozent.


