Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) stellte grafisch dar, über welche Wege künftig Wasserstoff nach Deutschland kommen könnten.

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) stellte grafisch dar, über welche Wege künftig Wasserstoff nach Deutschland kommen könnten.

Bild: © Kay Nietfeld/dpa

Die lange erwartete Wasserstoff-Importstrategie soll in der kommenden Woche auf den Tisch des Bundeskabinetts kommen. Das gab Wirtschaftsminister Robert Habeck auf einer Pressekonferenz bekannt. Ein Entwurf liegt der ZfK bereits vor.

Der Grünen-Politiker zeigte anhand einer Karte, welche Wasserstoffnetzkorridore am schnellsten realisiert werden könnten. Demnach soll zwischen Dänemark und Deutschland bis Ende 2028 die erste grenzüberschreitende Pipeline entstehen. Das nördlichste Nachbarland Deutschlands produziert viel Windstrom über Anlagen auf hoher See. Überschüssiger Strom könnte durch Elektrolyse in Strom umgewandelt werden.

Wasserstoff-Zusammenarbeit mit Großbritannien

Norwegen und Großbritannien könnten folgen. Norwegen könnte zunächst vor allem blauen Wasserstoff aus Erdgas herstellen. Eine Pipeline nach Deutschland soll bereits ab 2030 stehen. Laut Entwurf wird daran gearbeitet, die Rahmenbedingungen zu schaffen.

Ähnliches ist auch für Großbritannien denkbar. Bereits im September hatte Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, mit seinem britischen Amtskollegen eine Absichtserklärung für eine vertiefte Zusammenarbeit im Bereich Wasserstoff unterzeichnet. Im Entwurf heißt es nun, dass Gespräche zum möglichen Bau einer Wasserstoffpipeline geführt würden.

Grüner Wasserstoff aus Schottland

Auch die neue linksgerichtete Labour-Regierung setzt auf Wasserstoff und CO2-Speicherung, also blauen Wasserstoff. Zudem sollen laut Wahlprogramm 500 Millionen Pfund (knapp 600 Millionen Euro) in die Herstellung von grünem Wasserstoff fließen.

Grüner Wasserstoff könnte etwa aus den Offshore-Windgebieten vor Schottland kommen und per Pipeline nach Deutschland transportiert werden. Der schottische Außenminister Angus Robertson hatte bereits in der ZfK-Februarausgabe 2023 angekündigt, dass der Großteil des selbst produzierten Wasserstoffs für den Export bestimmt sei. Schottland könne Deutschland mitversorgen. "Das Interesse an einer Zusammenarbeit ist riesig."

Interkonnektoren zu Niederlande und Belgien

Fortgeschritten sind die Planungen mit den Niederlanden und Belgien. Beide wollen vor allem auf Schiffsimporte setzen.

"Laut aktuellem Antragsentwurf vom November 2023 sieht das [deutsche] Wasserstoff-Kernnetz bis 2032 vier deutsch-niederländische Interkonnektoren und einen deutsch-belgischen Interkonnektor vor", heißt es im Strategiepapier.

Auch Ukraine möglicher Wasserstofflieferant

Etwas später könnte das deutsche Wasserstoffnetz über die sogenannte H2Med-Pipeline mit Frankreich und der Iberischen Halbinsel verbunden werden. Das Projekt wurde im Oktober 2022 von Frankreich, Spanien und Portugal gestartet. (Die ZfK berichtete.)

Darüber hinaus nannte Habeck eine mehrsträngige Mittelmeerroute über Tunesien, Algerien und Italien, die großteils auf der bestehenden Gasnetzinfrastruktur aufbauen und über Österreich sowie perspektivisch über die Schweiz nach Deutschland führen soll. Auch Finnland, Rumänien und Bulgarien könnten künftig Wasserstoff liefern. "Und selbst die Ukraine redet darüber, sich anschließen zu können", sagte der Minister. "Das ist sicherlich Zukunftsmusik, aber wir reden hier von 2040."

Aufschub bei Importstrategie

Die Importstrategie der Bundesregierung, die als wesentlicher Pfeiler des Wasserstoffhochlaufs gilt, sollte eigentlich schon im vergangenen Jahr vorgestellt werden.

Auf ZfK-Nachfrage verwies Habeck darauf, "dass wir die [europäischen] Märkte miteinander abgeglichen haben, um ein möglichst realistisches Bild zu zeichnen". Das habe seine Zeit gedauert.

Wasserstoff-Importe werden wichtiger

Ziel der Importstrategie ist es, Produktions- und Transportoptionen sowie die erforderliche Importinfrastruktur aufzuzeigen. Im Fokus stehen dabei Schiffs- und Pipelinetransporte.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass im Jahr 2030 rund 50 bis 70 Prozent des Wasserstoffbedarfs in Deutschland durch Importe aus dem Ausland gedeckt werden. Konkret wären das 45 bis 90 Terawattstunden (TWh).

Bis zu 700 TWh Wasserstoffbedarf

Der Importanteil zur Deckung des Wasserstoffbedarfs wird demnach in den Jahren nach 2030 weiter steigen. Für das Jahr 2045 rechnet das Wirtschaftsministerium mit einem Importbedarf von bis zu 700 TWh Wasserstoff, wie aus dem Importstrategieentwurf des Ministeriums hervorgeht.

Als Hauptabnehmer gelten die Stahlindustrie, die Grundstoff- und Petrochemie, Flug- und Schwerlastverkehr sowie der Kraftwerkssektor. (aba)

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