Sie haben geliefert – und zwar reichlich. 73 Seiten plus sechs Anlagen haben die Betreiber des künftigen Wasserstoff-Kernnetzes an die Bundesnetzagentur gesandt.
Das Wichtigste: An der Gesamtlänge hat sich fast nichts geändert. Weiterhin soll das Netz rund 9700 Kilometer lang sein. Und sonst? Ein Überblick:
Inwiefern hat sich die Länge des Wasserstoff-Kernnetzes geändert?
Waren im November noch 9721 Kilometer angedacht, sind es jetzt 9666 Kilometer geworden. Entfallen ist beispielsweise eine 86 Kilometer lange Neubauleitung, die von Glasewitz in Mecklenburg-Vorpommern in den Berliner Großraum geführt hätte.
Neu hinzugekommen ist hingegen etwa eine 58 Kilometer lange Neubauleitung des Verteilnetzbetreibers Badenova im Hochrhein entlang der Grenze zwischen Baden-Württemberg und der Schweiz. Im Vorfeld hatte sich Baden-Württemberg beklagt, bei der Planung nicht genügend berücksichtigt worden zu sein. Auch Kiel könnte nun ans Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen werden.
Insgesamt wurden von 16 Wasserstoffverteilnetzbetreibern Anträge aufgenommen. Es handelt sich dabei um 61 Leitungsmeldungen mit 802 Kilometern. Mit dabei ist beispielsweise das Berliner Wasserstoff-Startnetz mit einer Länge von 60 Kilometer, das auf die Gasag zurückgeht, oder drei Leitungen der Stadtwerke München.
Wie viele der Leitungen müssen neugebaut werden, wie viele werden umgewidmet?
Nach neuem Stand soll es sich bei 60 Prozent um bestehende Erdgasleitungen handeln, die auf Wasserstoff umgestellt werden sollen. Etwa 40 Prozent sind Neubauleitungen.
Wann gehen die Leitungen in Betrieb?
Ziel ist es, dass die Leitungen bis 2032 in Betrieb gehen. Im Einzelfall, etwa wenn Wasserstoffabnehmer wie Kraftwerke erst später ans Netz gehen, ist auch eine Inbetriebnahme bis 2037 erlaubt.
Die ersten Wasserstoffleitungen könnten schon 2025 stehen. Einer der Kandidaten könnte das gut 300 Kilometer lange Vorzeigeprojekt Get H2 sein, das sich von der Nordküste bis ins verbraucherstarke Ruhrgebiet zieht.
Am meisten Zeit dürften neu zu bauende Leitungen benötigen. Im Wesentlichen hängt die Inbetriebnahme aber von der Nachfrage ab.
Wie viel Wasserstoff kann das Netz transportieren?
278 Terawattstunden (TWh) Wasserstoff pro Jahr. Zum Vergleich: In der Vergangenheit flossen rund 1000 TWh Erdgas durch das Netz. Für das Jahr 2030 rechnet die Bundesregierung mit einem Wasserstoffbedarf von bis zu 130 TWh. Die Mengen dürften danach deutlich steigen.
Weitere richtungsweisende Zahlen in diesem Zusammenhang: Die Ausspeiseleistung soll 87 Gigawatt (GW) betragen, die Einspeiseleistung 101 GW.
Wie viel wird das Wasserstoff-Kernnetz kosten und wie wird es finanziert?
Nach neuen Schätzungen soll das Netz 19,7 Milliarden Euro kosten. Das sind rund 100 Millionen Euro weniger als bislang angenommen. Der Aufbau wird über Netzentgelte finanziert. Der Eigenkapitalzinsssatz liegt zunächst bei 6,69 Prozent.
Um Kunden in der Anfangszeit aber nicht mit Netzentgelten zu erdrücken, wird ein sogenanntes Amortisationskonto eingerichtet. Damit sollen Netzentgelte zeitlich gestreckt werden. Die Bundesregierung hilft über die Förderbank KfW aus, um den auf dem Konto angehäuften Fehlbetrag zwischenzufinanzieren.
2055 wird abgerechnet. Liegt wie erwartet dann noch immer ein Fehlbetrag auf dem Amortisationskonto vor, übernimmt der Bund bis zu 76 Prozent. Den Rest schultern als Selbstbehalt die Netzbetreiber. (Hier mehr zum Amortisationskonto.)
Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet damit, dass sich auf dem Amortisationskonto ein Schuldenberg von mehr als zehn Milliarden Euro auftürmt, der in den 2040er-Jahren abschmilzt und Anfang der 2050er-Jahre auf Null sinkt.
Im schlimmsten Fall würden nach Berechnungen des Ministeriums 10,6 Milliarden Euro bis 2055 auf dem Konto bleiben.
Wer sind die Wasserstoff-Kernnetzbetreiber – und wie viele?
15 Betreiber haben den Antrag eingereicht. Namentlich sind es Bayernets, die Ferngas Netzgesellschaft, der belgische Netzbetreiber Fluxys mit zwei Tochterunternehmen, Gascade, Gastransport Nord, Gasunie, GRT Gaz, NEL Gastransport, Lubmin-Brandov Gastransport, Nowega, die VNG-Tochter Ontras, OGE, Terranets und Thyssengas.
Bemerkenswert dabei: 46 der insgesamt 106 neu zu bauenden Netzabschnitte sind noch gar keinem verantwortlichen Unternehmen zugeordnet. Gleiches gilt für 16 der insgesamt 140 umzustellenden Leitungen.
Was ist jetzt noch zu tun?
Die Bundesnetzagentur führt eine weitere Konsultation durch. Spätestens zwei Monate nach Antragsabgabe dürfte die Genehmigung erfolgen. Das Hochlaufentgelt soll dann in der zweiten Jahreshälfte festgelegt werden.
Was muss das Wirtschaftsministerium noch liefern?
Die Bundesregierung will diesen Mittwoch eine Wasserstoff-Importstrategie beschließen. (Mehr dazu hier.) Eine Wasserstoffspeicher-Strategie soll im Herbst folgen.
Zudem wartet die Branche auf die Ausgestaltung des angekündigten Kraftwerkssicherheitsgesetzes. Das sieht den Zubau von mehreren Gigawatt Kraftwerken vor, die voraussichtlich in den 2030er-Jahren auf Wasserstoff umrüsten müssen. (aba)
Den vollständigen Antrag der Wasserstoffnetzbetreiber finden Sie hier.



