Alice Weidel, AfD-Bundesvorsitzende, wartet am Rande des Bundesparteitags ihrer Partei im sächsischen Riesa auf den Beginn eines TV-Interviews.

Alice Weidel, AfD-Bundesvorsitzende, wartet am Rande des Bundesparteitags ihrer Partei im sächsischen Riesa auf den Beginn eines TV-Interviews.

Bild: © Sebastian Kahnert/dpa

Für viel Diskussionsstoff in den sozialen Medien haben am Wochendende Äußerungen von AfD-Chefin Alice Weidel zum Erneuerbaren-Ausbau gesorgt. "Wenn wir am Ruder sind, reißen wir alle Windkraftwerke nieder. Nieder mit diesen Windmühlen der Schande", hatte Weidel unter dem tosenden Beifall der Delegierten gesagt. 

Nach der anschließenden Kritik aus verschiedenen politischen Lagern fühlte sich die am Samstag frisch gekürte Kanzlerkandidatin der AfD missverstanden. Die Aussagen seien aus dem Kontext gerissen worden und hätten sich auf den Reinhardswald in Hessen bezogen, sagte Weidel der Deutschen Presse-Agentur am Rande des Parteitages in Riesa.

"240 Meter hohe Windräder im hessischen Reinhardswald"

Im CDU-regierten Hessen werde der sogenannte Märchenwald abgeholzt «für Windmühlen, die über 240 Meter hoch sind und das, obwohl wir wissen, dass Windkraft eine ineffiziente Form der Energieproduktion ist». Grundsätzlich schloss Weidel auf Nachfrage Windkraft als Energiequelle nicht aus, aber ohne Subventionen. Zu den Projektpartnern bei dem geplanten größten Windpark Hessens im Reinhardswald zählen auch die Städtischen Werke Kassel, die Stadtwerke Eschwege und der kommunale Kasseler Energiedienstleister EAM.

Windverband: "Es stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel"

Die Windbranche reagierte am Sonntag zeitnah mit einem Statement. Ein Abriss der Windräder in Deutschland würde großen wirtschaftlichen Schaden anrichten, stellte der Bundesverband Windenergie Offshore klar.

Der Verband steht für Windparks in Nord- und Ostsee. Er betonte, erneuerbare Energien und Klimaschutztechnik seien für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft entscheidend. Wenn andere Länder hier Marktführer würden, stünden Arbeitsplätze auf dem Spiel.

"AfD-Vorschläge stärken Abhängigkeit von Gas"

Verbandsgeschäftsführer Stefan Thimm kritisierte, die AfD nehme den wirtschaftlichen Abstieg Deutschlands in Kauf. "Austritt aus dem Euro, Absage an die EU, Nationalismus statt offener Grenzen und keine Unterstützung für Freihandelsabkommen - die Liste ist lang und alarmierend." Die Vorschläge der AfD stärkten die Abhängigkeit von Gas und Öl, Nutznießer wäre der russische Staatschef Wladimir Putin, sagte Thimm.

Knapp 60 Prozent der deutschen Stromerzeugung entfielen im vergangenen Jahr auf erneuerbare Energien etwa aus Wind und Sonne. Deutschland hat zuletzt von Jahr zu Jahr wieder mehr Windräder gebaut. Kürzlich hatte der künftige US-Präsident Donald Trump gefordert, die Windräder in der Nordsee abzubauen.

In dem jetzt verabschiedeten Wahlprogramm fordert die AfD unter dem umstrittenen Stichwort «Remigration» eine strikte Migrationspolitik, eine Wiedereinsetzung der Wehrpflicht, einen Ausstieg aus dem Euro und dem Pariser Klimaabkommen. Sie tritt außerdem für einen neuen europäischen Staatenbund ein, vermeidet dabei aber die explizite Forderung nach einem Austritt Deutschlands aus der EU (Dexit).

Weidel: "Alle Subventionen für Klimaschutz werden wir abschaffen"

In ihrer Rede erneuerte die AfD-Chefin auch ihre ablehnende Haltung gegenüber staatlichen Hilfen für die Energiewende. "Alle Subventionen und Förderprogramme für den Klimaschutz und das EEG werden wir abschaffen. Weg mit dem EEG, weg mit der linken Ideologie." Die Partei werde das Ende der Energiewende und den Ausstieg aus der EU-Klimapolitik einläuten.

Zudem kündigte sie an, Nord-Stream wieder in Betrieb zu nehmen und forderte längere Laufzeiten für die deutschen Kohlekraftwerke. Diese seien die saubersten, sichersten und modernsten weltweit.

(hoe mit Material von der dpa)

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