Gaskraftwerke sollen vor allem dann Strom produzieren, wenn Wind- und Solaranlagen zu wenig Elektrizität ins Netz einspeisen. (Symbolbild)

Gaskraftwerke sollen vor allem dann Strom produzieren, wenn Wind- und Solaranlagen zu wenig Elektrizität ins Netz einspeisen. (Symbolbild)

Bild: © guentermanaus/AdobeStock

Beim Thema CO2-Speicherung tut sich Deutschland schwer. Ein entsprechendes Gesetz wollte das Bundeskabinett laut Agenda eigentlich in seiner Sitzung am 10. April beschließen – aber Fehlanzeige. Auf eine ZfK-Anfrage dazu an das Wirtschaftsministerium teilte es mit, es gelte der Stand von Februar.

Klimaziele gefährdet

Allerdings warnen nun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor einem Verfehlen der Klimaziele – sollten CCS und CCU nicht verstärkt genutzt werden. "Emissionsreduktionen reichen nicht mehr aus, um die Klimaziele zu erfüllen", schreibt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in einer Ad-hoc-Stellungnahme.

Ein Knackpunkt in dem Gesetzentwurf ist, dass auch Biomasse- und Gaskraftwerke künftig Kohlenstoffdioxid (CO2) abscheiden und speichern (CCS) sowie abscheiden und nutzen (CCU) sollen. Eine laut Deutscher Umwelthilfe "lebensverlängernde Maßnahmen für fossile Kraftwerke", so die Kritik.

Auch die Akademie betont, dass die CO2-Speicherung im Untergrund "nicht dafür eingesetzt werden sollte, die Nutzung fossiler Energieträger zu verlängern", sondern für nicht vermeidbare CO2-Emissionen, beispielsweise aus Landwirtschaft und Industrie.

CCS nicht nur in der Nordsee

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht bislang vor, das Speichern von CO2 ausschließlich unterhalb der Nordsee zu erlauben. In ihrer Stellungnahme empfehlen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jedoch, CCS "nicht nur im marinen Bereich, sondern auch auf dem Festland zu nutzen".

Sie drängen darauf, neben der Energieeffizienz und dem Ausbau der Erneuerbaren auch "Kohlenstoffmanagement" zu betreiben. Außerdem geben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Empfehlungen zur technischen Umsetzung, zu ökonomischen Anreizen und zur internationalen Zusammenarbeit.

Ein neuer Zertifikatmarkt?

Unterstützt werden sollte etwa die Forschung zur CO2-Abtrennung in industriellen Prozessen und zur direkten Entnahme aus der Atmosphäre (Direct Air Capture). Darüber hinaus sollten Märkte für die CO2-Entnahme aus der Atmosphäre gefördert und privates Kapital dafür aktiviert werden. "Dafür könnten beispielsweise eigene Zertifikatmärkte entwickelt werden."

Wichtig sei es, ein europaweit einheitliches Regelwerk zu schaffen. Zudem empfehlen sie, Kooperationen im Bereich erneuerbarer Energien voranzutreiben, insbesondere mit Ländern des Globalen Südens. Die Stellungnahme "Schlüsselelemente eines Kohlenstoffmanagements" ist online als PDF verfügbar. (dz)

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