Blick auf Deutschlands größten Gasspeicher im niedersächsischen Rehden.

Blick auf Deutschlands größten Gasspeicher im niedersächsischen Rehden.

Bild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Der Energiekonzern Uniper erörtert die Konsequenzen der russischen Sanktionen gegen die Firma Gazprom Germania und andere ehemalige Tochterunternehmen des russischen Gaskonzerns. "Wir prüfen das im Detail", sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag. Unklar seien insbesondere Einzelheiten zum Verbot der Befüllung der Gasspeicher.

Die russische Regierung hatte am Mittwoch eine Verfügung veröffentlicht, nach der mit insgesamt 31 aufgelisteten Firmen von russischer Seite keine Geschäfte mehr gemacht werden dürfen. Demnach treten die Handelsverbote im Auftrag von Kremlchef Wladimir Putin in Kraft. Gazprom Germania war Anfang April unter staatliche deutsche Kontrolle gestellt worden.

Ein Viertel der Speicherkapazität

Gazprom Germania ist Eigentümerin weiterer wichtiger Unternehmen der deutschen Gaswirtschaft. Nach Angaben der russischen Agentur Interfax ist das Anlegen von Vorräten mit russischem Gas in den Speichern Europas künftig verboten. Unklar war zunächst, wie ein solches Verbot durchzusetzen wäre.

In Deutschland gibt es 47 Untertagespeicher an 33 Standorten, die von rund 25 Firmen betrieben werden. Auf Uniper entfällt rund ein Viertel der deutschen Speicherkapazität.

Gazprom-Germania-Tochter betreibt Speicher in Rehden

Der größte Einzelspeicher wird allerdings von der Gazprom-Germania-Tochter Astora betrieben, die unter die neuen Sanktionen fällt. Der Speicher befindet sich im niedersächsischen Rehden. Auf ihn entfällt rund ein Fünftel der deutschen Kapazität. Zuletzt war in dem Rehdener Speicher allerdings kaum Gas gelagert.

Derweil will Unipers Mutterkonzern, der finnische Energieriese Fortum, seine Russland-Aktivitäten beenden. "Wir haben entschieden, einen kontrollierten Ausstieg aus dem russischen Markt zu verfolgen", sagte Fortum-Chef Markus Rauramo laut einer Konzernmitteilung am Donnerstag bei der Vorlage der Quartalszahlen in Espoo.

Verkauf von Unipro

Im Auftaktquartal führte das Gasspeicher-Management der deutschen Tochter Uniper zu einem Verlust im mittleren dreistelligen Millionenbereich bei den Finnen. Die Fortum-Aktie fiel an der Börse in Helsinki gegen Mittag um mehr als sechs Prozent. Und auch das im MDax gelistete Uniper-Papier rutschte um rund zwei Prozent auf 22,10 Euro ab.

Als bevorzugten Weg für den Komplettausstieg nannte Fortum die Veräußerung der russischen Aktivitäten. Der Verkaufsprozess für die russische Uniper-Tochter Unipro solle ebenfalls so bald wie möglich wieder aufgenommen werden.

Weniger als ein Prozent des Umsatzes

Der Düsseldorfer Konzern Uniper hält rund 83,7 Prozent an Unipro. Das Portfolio in Russland besteht aus fünf Kraftwerken. Die Erzeugungsaktivitäten umfassen vor allem Erdgas, aber auch Stein- und Braunkohle und decken laut Uniper fünf Prozent des russischen Strombedarfs.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Fortum weniger als ein Prozent seines Umsatzes in Russland, allerdings trug das Geschäft rund zehn Prozent zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei. Bereits zuvor hatte Fortum gemäß der Sanktionen des Westens gegen Russland wegen Ukraine-Krieges einen Investitions- und Finanzierungsstopp in seine dortigen Tochtergesellschaften angekündigt.

Verschobene Gasverkäufe von Uniper

"Ich kann nicht genug betonen, dass diese Zeiten für den europäischen Energiesektor - und für Fortum - eine große Herausforderung darstellen", sagte Rauramo. Von Januar bis März rutschte Fortum beim operativen Ergebnis auf vergleichbarer Basis mit 438 Mio. Euro in die Verlustzone.

Hier wirkten sich insbesondere die verschobenen Gasverkäufe von Uniper aus. Die Düsseldorfer hatten sich im ersten Quartal dafür entschieden, im Voraus verkauftes Gas zunächst weiter in den Speichern zu belassen. Grund dafür ist der Rückgang der Gaspreise im März - auch wegen des warmen Wetters.

Gas am Markt zugekauft

Stattdessen hat Uniper Gas am Markt zugekauft und dieses geliefert. Im ersten Quartal entgingen Uniper deshalb 250 Mio. Euro Gewinn. Der Konzern erwartet aber rund das Dreifache auf Basis einer hohen zweistelligen Marge im restlichen Jahr erzielen zu können.

Dabei kalkuliert der Konzern damit, dass der Gaspreis im zweiten und dritten Quartal wieder steigt und er so mit dem noch eingespeicherten Gas mehr Gewinn erzielen kann. Angesichts dieser Annahmen bestätigte der Fortum- Vorstand seine Jahresprognose. (dpa/jk)

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