Gas

Entbrennt gerade ein Machtkampf um Deutschlands größten Gasspeicher?

Eigentlich sollte der Gasspeicher in Rehden seit Donnerstag befüllt werden. Tags darauf war er aber plötzlich leerer als zuvor. Was steckt dahinter?
09.05.2022

Blick auf Deutschlands größten Gasspeicher im niedersächsischen Rehden.

Es hat sich einiges getan in den vergangenen Tagen in Deutschlands größtem Gasspeicher Rehden, der knapp ein Fünftel der deutschen Kapazitäten umfasst.

Den Anfang machte Egbert Laege, seit Kurzem Generalbevollmächtigter bei Gazprom Germania und damit auch verantwortlich für Rehdens Speicherbetreiber Astora. Er sagte am Donnerstag der Nachrichtenagentur "Reuters": "Ab heute werden täglich kleine Mengen eingespeichert. Wir arbeiten intensiv an Lösungen, dass schon bald deutlich mehr Gas in den Speicher fließt."

Zuerst in Gasspeicher eingespeichert, dann mehr ausgespeichert

Tatsächlich wurde aber an diesem Tag insgesamt nur ganz wenig Gas eingelagert – auch weil zwischen 6 und 13 Uhr und wieder zwischen 5 und 6 Uhr Gas ausgespeichert wurde. Ein Vorgang, der sich am Folgetag wiederholen sollte.

Zwar wurden zwischen 6 und 22 Uhr weitere kleine Mengen zugeführt. Doch danach wurde in größerem Stil ausgespeichert. In der Folge betrug der Füllstand nicht mehr 0,6, sondern nur noch 0,5 Prozent.

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Gasspeicher: Bewegungsdaten, aber keine Nutzernamen

Am Wochenende dann wieder die Trendumkehr. Jetzt wurde durchgehend eingespeichert, so dass der Gasspeicher am Montagmorgen, 6 Uhr, zu 0,6 Prozent gefüllt war – und damit wieder so voll wie vor einer Woche.

Öffentlich ist nicht bekannt, wer genau für die Ein- und Ausspeicherungen verantwortlich ist. Speicherbetreiber Astora stellt lediglich Bewegungsdaten zur Verfügung.

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Drei Speichernutzer in Gasspeicher Rehden

In Branchenkreisen aber heißt es, dass es zumindest bis vor Kurzem drei langfristige Speichernutzer in Rehden gegeben habe, die allesamt zum Imperium des russischen Gasriesen Gazprom gehört hätten. Zu ihnen soll neben der Gazprom-Germania-Tochter Wingas auch Gazprom Export zählen, das zu 100 Prozent dem russischen Konzern gehört.

Faktisch soll Gazprom Export sogar über die gesamte Kapazität verfügen. Stimmt dies, würden die Ausspeicheraktivitäten wohl auch auf dieses Unternehmen zurückgehen. Was die Frage aufwerfen würde: Will da jemand die Auffüllpläne der Bundesregierung durchkreuzen, indem er rasch noch eigenes Gas ausspeichert?

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Rehden: Kapazitätenentzug droht

Ganz abwegig scheint dies nicht. Im zweitgrößten Gasspeicher Mitteleuropas im österreichischen Haidach vermarktet beispielsweise GSA, eine andere Gazprom-Tochter, zwei Drittel der Kapazitäten. Der Füllstand dort seit mehreren Tagen: null Prozent.

Sollte Gazprom Export tatsächlich nicht gewillt sein, Gas einzuspeichern, droht dem Unternehmen laut neuem Gasspeichergesetz der Entzug der Kapazitäten. Dann könnte der Marktgebietsverantwortliche THE die benötigten Füllmengen ausschreiben oder selbst einkaufen und einlagern.

Befüllung auf unterbrechbarer Basis

Unklar ist auch, wer genau jetzt schon einspeichert. Möglicherweise handelt es sich hierbei um Wingas, das wie seine Mutter Gazprom Germania unter der Treuhandschaft der Bundesnetzagentur steht. (Die ZfK berichtete.) Wenn Wingas noch eigene Kapazitäten gebucht hat, dürfte dies ohne Weiteres zu bewerkstelligen sein.

Alternativ könnte das Unternehmen Fremdkapazitäten auf unterbrechbarer Basis buchen und befüllen. Betreiber Astora bietet seit Februar ein entsprechendes Produkt an.

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Drei Monate Vorlaufzeit – mindestens

Um Stand jetzt die vom Gasspeichergesetz vorgegebene 80-Prozent-Marke bis zum 1. Oktober zu erreichen, bräuchte man selbst bei vollständiger Nutzung der technisch möglichen Einspeicherkapazitäten mehr als drei Monate. Dazu kommt, dass der Speicher vom 12. bis 24. September planmäßig nicht für Ein- und Ausspeicherungen zur Verfügung steht. Umso dringlicher dürfte es da nun sein, schon in den nächsten Tagen größere Gasmengen einzulagern – ohne dass Ausspeicherungen dem entgegenwirken. (aba)