Mithun Basu ist einer von zwei Vorständen beim Koblenzer Energieversorger und Netzbetreiber EVM.

Mithun Basu ist einer von zwei Vorständen beim Koblenzer Energieversorger und Netzbetreiber EVM.

Bild: © EVM

Von Andreas Baumer

Der Streit um die Zukunft der Netzregulierung zieht immer größere Kreise. Am Samstag war der sogenannte Nest-Prozess auch in der "Rhein-Zeitung" Thema. Die "Rhein-Zeitung" wird vor allem in Koblenz (Rheinland-Pfalz) und Umgebung gelesen. In einem mehr als halbseitigen Artikel legte dort Mithun Basu, Vorstandsmitglied beim Flächenversorger EVM, dar, warum er die Pläne der Bundesnetzagentur ablehnt.

Bemerkenswert dabei: Basu führte aus, welche Auswirkungen die Verschärfungen bei der Ermittlung der Effizienzwerte für Strom- und Gasnetzbetreiber auf sein Unternehmen konkret haben würden. Demnach würden dem Unternehmen in den kommenden Jahren 15 Millionen Euro fehlen. "Eine Million Euro jährlich beim Strom plus zwei Millionen beim Gas. Mal fünf Jahre."

Basu zog außerdem in Zweifel, dass durch die geplanten Änderungen die Netzentgelte spürbar sinken würden. Nach seiner Rechnung würde sich – auf den gesamten Strompreis bezogen – eine Entlastung von gerade einmal 0,2 Prozent ergeben. (Zur vereinfachten Rechnung: 27 Prozent mal 1/140; die 27 Prozent entsprechen dem Netzentgeltanteil am Gesamtstrompreis, die 140 Millionen Euro in etwa dem Umsatz).

Bundesnetzagentur widerspricht vehement

Zum Hintergrund: Aktuell erzielt EVM allein im Stromnetz nach eigenen Angaben eine jährliche Eigenkapitalverzinsung von etwa drei Millionen Euro – bei einem Umsatz von rund 140 Millionen Euro. Durch das Netzagentur-Vorhaben würde sich die Eigenkapitalverzinsung im Stromnetz entsprechend um bis zu 33 Prozent verringern. Die Neuerungen würden ab der kommenden Regulierungsperiode greifen. Die nächste Regulierungsperiode im Strombereich beginnt im Jahr 2029 und dauert bis einschließlich 2033.

Die Bundesnetzagentur zieht Prognosen der Netzbetreiber stark in Zweifel, wonach Mindereinnahmen im zweistelligen Prozentbereich drohen. Sein Haus gehe von einer Erhöhung der Erlösobergrenze für Netzbetreiber aus, führte Behördenchef Klaus Müller am Freitag auf ZfK-Nachfrage aus: "Im Klartext: Schon in unseren Plänen sehen wir mehr Geld für die Verteilnetzbetreiber. Dass sie noch mehr als mehr Geld gerne hätten, ist legitim in unserem Land. Aber: Sachargumente beeindrucken die Bundesnetzagentur, Erwartungen und Befürchtungen eher etwas weniger."

Die Eigenkapitalverzinsung ist ein wichtiger Faktor für die Berechnung der Erlösobergrenze. Die Höhe des Eigenkapitalzinssatzes wird von der Bundesnetzagentur vor Beginn der Regulierungsperiode festgelegt. Beim Nest-Prozess geht es um eine grundsätzliche Überarbeitung der sogenannten Anreizregulierung. Die jüngsten Entwürfe der Bundesnetzagentur dazu werden derzeit von Verbänden und anderen Akteuren konsultiert.

EVM-Netztochter im Gasnetzbereich bei 100 Prozent Effizienz

Nach eigener Darstellung arbeitet die EVM-Netztochter Energienetze Mittelrhein schon jetzt ziemlich effizient. Beim Stromnetz liege der Effizienzwert bei 96,29 Prozent und im Gas bei 100 Prozent, schilderte Basu. Der geplante Regulierungsansatz werde in der zweiten Hälfte der anstehenden fünf Jahre die Finanzierungskosten erheblich nach oben treiben, erläuterte er im Interview mit der "Rhein-Zeitung". "Die anstehenden Investitionen werden wir nicht aus eigener Liquidität bedienen können, sondern nur aus Darlehen, die dann teurer werden. Vielleicht werden wir dann – bei Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben – sagen müssen, wir investieren nur noch die Hälfte."

Energienetze Mittelrhein unterhält nach eigenen Angaben ein 6900 Kilometer langes Stromnetz. In ihrem Netzgebiet wohnen demnach fast 400.000 Menschen.

Haben Sie einen Fehler entdeckt oder wollen Ihre Perspektive zum Nest-Prozess schildern? Dann wenden Sie sich gern an unseren Autor Andreas Baumer (a-baumer@zfk.de).

Mehr zum Thema aus dem ZfK-Archiv:

Netzregulierung: BNetzA-Chef zeigt sich von Stadtwerke-Warnungen unbeeindruckt

Streit um Netzregulierung: Viele Stadtwerke erwägen drastische Schritte

Streit um Nest-Prozess: "Warnungen vor Stadtwerkesterben stark übertrieben"

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper