Von Andreas Baumer
Es sind Pressemitteilungen, die die Unternehmenskommunikation gern sendet. Die Stromnetzentgelte sinken – und zwar fast überall in Deutschland. Beim norddeutschen Netzbetreiber EWE Netz las sich das dann so: "Niedrige Netzentgelte bei höchster Versorgungssicherheit zeigen: Die Energiewende wirkt."
Der Datendienstleister Enet ist inzwischen bei einem Erfassungsstand von 99,8 Prozent angekommen. Demnach sinken die Preise für Single-Haushalte (Jahresverbrauch 1500 Kilowattstunden [kWh]) im Durchschnitt um 13 Prozent. Bei Mehrpersonen-Haushalten (4000 kWh Jahresverbrauch) sind es sogar 17 Prozent. Noch stärker profitiert das Gewerbe. Je nach Spannungsebene und Benutzungsstunde geht es im Schnitt zwischen 16 und 26 Prozent nach unten.
Hier auch ein Blick auf die Preisdifferenzen pro Kilowattstunde: Single-Haushalte und Mehrpersonen-Haushalte werden im Schnitt um fast zwei Cent pro kWh entlastet – netto wohlgemerkt.
Netzentgeltzuschüsse zeigen Wirkung
Der hauptsächliche Preisdämpfer dürfte schnell ausgemacht sein. Die Bundesregierung hat eine Subventionierung der Übertragungsnetzkosten in Höhe von 6,5 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Dies führt zu einer Senkung der Übertragungsnetzentgelte um durchschnittlich 57 Prozent. Der Bundeszuschuss muss noch von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden.
Wie erwartet sind die Preissenkungen unterschiedlich stark ausgefallen. Zum einen schlagen die Übertragungsnetzentgelte nicht gleichmäßig auf Verteilnetzentgelte durch. Grob gesagt ist es so: Wenn ein Verteilnetz mehr Strom aus dem Übertragungsnetz bezieht, ist auch der Anteil der Übertragungsnetzkosten an den Netzkosten größer. Entsprechend wird hier die Senkung der Übertragungsnetzentgelte spürbarer. Wer hingegen mehr erneuerbare Energie vor Ort ins Netz einspeist, profitiert weniger.
Zum anderen preisen Netzbetreiber andere Faktoren ein. Preissenkend wirkt etwa weiterhin die 2024 eingeführte Regelung zur Umverteilung von Mehrkosten aus der Integration erneuerbarer Energien. Dies schlug sich etwa im Netzgebiet der Eon-Tochter Edis Netz nieder, wo besonders viel erneuerbare Energie angeschlossen wird. Hier sanken die Netzentgelte für Mehrpersonen-Haushalte um mehr als ein Drittel.
58 Prozent weniger in Oberbayern
Einen regelrechten Preissturz gibt es im Netzgebiet der Elektrizitäts-Genossenschaft Tacherting-Feichten (knapp 2800 Entnahmestellen). Das Unternehmen sitzt in Oberbayern. Hier sinken die Netzentgelte für einen typischen Mehrpersonen-Haushalt (4000 kWh Jahresverbrauch) um 58 Prozent. Allerdings kommt der Netzbetreiber auch von einem sehr hohen Niveau: nämlich von mehr als 14 Cent pro kWh netto.
Ähnlich verhält es sich bei den Gemeindewerken Partenstein, im bayerischen Unterfranken. Hier sinken die Netzentgelte für Mehrpersonen-Haushalte von rund 14,6 auf nun 8,4 Cent pro kWh.
25 Prozent mehr in Mainbernheim
Im Einzelfall steigen die Stromnetzentgelte sogar im kommenden Jahr – beim Elektrizitätswerk Mainbernheim sogar um satte 25 Prozent auf 10,3 Cent pro kWh. Mainbernheim liegt ebenfalls im bayerischen Unterfranken. Der Netzbetreiber hat 1300 Entnahmestellen.
Auch die Elektrizitäts-Genossenschaft Schlachters (Bayern) zieht die Netzgebühren an. 18 Prozent mehr sind es hier für einen typischen Mehrpersonen-Haushalt. Je Kilowattstunde werden nächstes Jahr 8,4 Cent aufgerufen. Die Elektrizitäts-Genossenschaft hat nach eigenen Angaben rund 3600 Entnahmestellen.
Laut Enet gibt es im nächsten Jahr eine große Spannbreite bei den Stromnetzentgelten. Die niedrigsten Stromnetzentgelte sind demnach in Olching bei München zu finden (4,86 Cent pro kWh). Die höchsten Gebühren werden in Ebersbach im Norden Baden-Württembergs aufgerufen. Hier sind es 16,15 Cent pro kWh.
Derzeit handelt es sich noch nicht um die endgültigen, sondern lediglich um vorläufige Netzentgelte für nächstes Jahr. Diesmal ist dieser Vermerk besonders wichtig. Denn sollte der Bundestag die Zuschüsse zu den Übertragungsnetzentgelten ablehnen oder Änderungen vornehmen, würden sich die Netzentgelte über die gesamte Kette noch einmal ändern. Es bleibt also spannend.
Hinweis: Alle hier genannten Netzentgelt-Zahlen stammen vom Datendienstleister Enet.
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