Viele Kunden müssen sich im kommenden Jahr auf höhere Gasnetzentgelte einstellen.

Viele Kunden müssen sich im kommenden Jahr auf höhere Gasnetzentgelte einstellen.

Bild: © Photocreo/Bednarek/AdobeStock

Von Andreas Baumer

In Österreich schafften es die neuen Netzgebühren für Strom und Gas bis in die "ZIB 2", eine der wichtigsten Nachrichtensendungen des Landes – samt Interview mit dem österreichischen Pendant des Bundesnetzagentur-Präsidenten. So viel Aufmerksamkeit bekam das Thema in Deutschland noch nicht. Dabei haben sich auch hierzulande die Gebühren teilweise deutlich verändert.

Im südlich von Stuttgart gelegenen Balingen steigen die Gasnetzentgelte zum Jahreswechsel beispielsweise um 77 Prozent. Der Anstieg relativiert sich, wenn man die absoluten Zahlen zugrundelegt. Die Stadtwerke Balingen kommen schlicht von einem niedrigen Niveau. Rund 1,5 Cent pro Kilowattstunde (kWh) müssen typische Haushaltskunden derzeit theoretisch bezahlen. Im nächsten Jahr werden es 2,7 Cent pro kWh sein.

Die Zahlen stammen von Auswertungen des Datendienstleisters Enet und des Vergleichsportals Verivox, die bereits mehr als 90 Prozent des deutschen Netzgebiets erfasst haben. Enet liegt nach eigenen Angaben mittlerweile sogar bei einem Abdeckungsgrad von 99,8 Prozent. Für die Berechnung wird ein Jahresverbrauch von 20.000 kWh mit Standardlastprofil angenommen. Es handelt sich um Nettopreise. Wichtig bei allem: Welche Netzentgelte die Gaskunden tatsächlich bezahlen, hängt vom Vertrag ab, den sie mit ihrem Gasversorger geschlossen haben. Zudem handelt es sich derzeit noch um vorläufige Netzentgelte.

Gasnetzentgelte: Drei preistreibende Faktoren

Insgesamt hat sich im Gasbereich der Aufwärtstrend der vergangenen Tage bestätigt. Laut Enet steigen die Gasnetzentgelte für Haushalte im bundesweiten Durchschnitt um zehn bis elf Prozent. Im Gewerbe sind es knapp zwölf Prozent.

Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller nannte bei einer Pressekonferenz auf ZfK-Nachfrage dafür mehrere Gründe. Während einerseits der Gasverbrauch zurückgegangen sei, habe es bei Netzbetreibern Kostensteigerungen gegeben. Das heißt, dass höhere Netzkosten auf weniger Kilowattstunden verteilt werden müssen. Entsprechend steigen die Gebühren pro kWh.

Müller verwies zudem auf die Festlegung Kanu 2.0. Diese erlaubt Gasnetzbetreibern, ihre Netze schneller abzuschreiben. Dadurch werden die Netze schneller refinanziert. Das führt bei Verwendung der Kanu-2.0-Option zunächst zu höheren Netzentgelten. Dafür fällt der Kostenanteil, der später auf immer weniger Kunden verteilt werden müsste, geringer aus.

Kanu 2.0: So nutzt die Branche bisher die neuen Abschreibungs-Optionen

Als "Freibrief" für kräftige Preiserhöhungen wollte Müller Kanu 2.0 allerdings nicht verstanden wissen. "Die Bundesnetzagentur wird immer darauf achten, dass es keine Exzesse gibt", sagte er. Man habe bereits 2025 mit einzelnen Betreibern vertrauensvolle Gesprächen geführt. Da habe es auch an dieser Stelle Korrekturen gegeben.

In Uelzen sinken Gasnetzentgelte um 13 Prozent

Der hessische Netzbetreiber Syna zählt zu den Unternehmen, die Kanu 2.0 im nächsten Jahr erstmals anwenden. Die Folge: Die Preise bei der Eon-Netztochter steigen – für einen typischen Haushalt um knapp 30 Prozent. Beim absoluten Niveau der Gasnetzentgelte sei die Syna mit drei Cent pro kWh aber kein Ausreißer nach oben, ordnete Marcel Rohrbach, Kaufmännischer Geschäftsführer des Unternehmens, auf ZfK-Nachfrage ein.

Tatsächlich müssen Kunden in manch anderen Netzgebieten mehr als vier Cent pro kWh bezahlen. Im Netzgebiet von Ermstal Energie Dettingen an der Erms (Baden-Württemberg) betragen die Gasnetzgebühren im kommenden Jahr sogar 5,2 Cent pro kWh. Die gute Nachricht aus Kundensicht: Die Preise sinken gegenüber diesem Jahr um fünf Prozent.

Deutlich nach oben geht es demgegenüber für die Netze ODR im baden-württembergischen Ellwangen. Dort müssen Gasnetzkunden nächstes Jahr knapp 40 Prozent mehr zahlen. Der Preis geht von 3,46 auf 4,8 Cent pro kWh hoch.

Richtig günstig sind die Gasnetzkosten übrigens bei den Stadtwerken Dülmen in Nordrhein-Westfalen. Sie halten ihre Entgelte konstant. Heißt: Auch im nächsten Jahr werden für typische Haushaltskunden rund 1,35 Cent pro kWh fällig. Den stärksten prozentualen Preissturz gibt es bei den Stadtwerken Uelzen in Niedersachsen. Hier sinken die Entgelte um 13 Prozent auf 1,4 Cent pro kWh.

Mehr zum Thema aus dem ZfK-Archiv:

Anstieg mit Ausreißern: Die neuen Gasnetzentgelte in 8 Grafiken

BNetzA zu Gasnetzentgelt-Anstiegen: "Werden achten, dass es keine Exzesse gibt"

Von Eon bis Netze BW: Starke Streuung bei Stromnetzentgelt-Senkung

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper