Von Andreas Baumer
Schlussspurt bei der Veröffentlichung von Stromnetzentgelten für 2026. Noch bis zu diesem Mittwoch haben Verteilnetzbetreiber Zeit, ihre Preisblätter zu veröffentlichen. Der Datendienstleister Enet hat nach eigenen Angaben bereits 80 Prozent des Gebiets erfasst.
Dabei verfestigt sich der Trend: Selbst für kleine Haushalte gehen die Stromnetzentgelte spürbar nach unten – um 14 Prozent oder umgerechnet zwei Cent pro Kilowattstunde (kWh). Bei größeren Haushalten und im Gewerbe fällt die Entlastung noch höher aus.
Berechnungen von BDEW und BNetzA
Das ist mehr, als durch die Senkung der Übertragungsnetzentgelte allein zu erwarten war. Als Faustregel hatte Andrees Gentzsch, Mitglied der BDEW-Hauptgeschäftsführung, im Januar für Haushalte pro einer Milliarde Euro Zuschuss eine durchschnittliche Entlastung von 0,2 Cent pro kWh genannt. Bei einem Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro wären das 1,3 Cent pro kWh gewesen. Samt Mehrwertsteuer wäre man bei 1,5 Cent pro kWh gelandet.
Gentzsch relativierte aber schon damals. "Eine genaue Entlastung für Kunden oder Kundengruppen kann aufgrund der Abhängigkeit der Netzentgelte von dem Lastprofil des Kunden nicht angegeben werden", sagte er.
Das Bundeswirtschaftsministerium war im Sommer auf ZfK-Nachfrage etwas großzügiger. Es bezog sich auf eine grobe Analyse, die auf Daten der Bundesnetzagentur basierte. Demnach ergebe sich für Privathaushalte eine Entlastungsspanne von 1,3 bis 2,4 Cent pro kWh, je nach Region. Hinzu komme der Mehrwertsteuereffekt, da auf Netzentgelte auch die Mehrwertsteuer fällig sei.
Moderate Rückgänge bei Westnetz und in Pforzheim
Grundsätzlich gilt: Wann und wie sich die Netzentgeltsenkung auf den Stromrechnungen der Verbraucher niederschlägt, hängt von der individuellen Vertragssituation der Kunden mit den Stromversorgern ab.
Wie erwartet fallen die Stromnetzentgeltsenkungen je nach Netzgebiet unterschiedlich stark aus. Im Netzgebiet der Stadtwerke Pforzheim (Baden-Württemberg) etwa sinkt der Arbeitspreis bei klassischen Haushalten (Niederspannung, keine Standardlastprofil) von brutto 6,5 auf 6,0 Cent pro kWh. Neben der Senkung der Preise des vorgelagerten Netzbetreibers habe es keine weiteren größeren Einflussfaktoren auf die Entwicklung der Entgelte im Vergleich zu diesem Jahr gegeben, teilte das Kommunalunternehmen mit.
Auch beim größten deutschen Verteilnetzbetreiber Westnetz gehen die Netzentgelte moderat zurück. "Gegenläufig zu den senkenden Faktoren wirken die Kosten für die Transformation und den Ausbau der Netzinfrastruktur zur Umsetzung der Energiewende – sprich: die deutlich gestiegenen Investitionen in den Netzausbau", teilte die Eon-Netztochter mit. "Dazu gehören etwa steigende Ausgaben für den Anschluss neuer Großverbraucher sowie für den Netzausbau zur Integration erneuerbarer Energien. Diese Kosten fallen zu wesentlichen Teilen in der Nieder- und Mittelspannung an."
Edis Netz verweist auf Erneuerbaren-Kostenmechanismus
Erheblich verringern sich die Stromnetzentgelte beim nordostdeutschen Verteilnetzbetreiber Edis Netz, dessen Gebiet sich über große Teile Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs erstreckt. Hier gehen die Netzentgelte für typische Haushalte um 37 Prozent zurück. "Neben Investitionen ins Verteilnetz, neuen Kundenanschlüssen und verändertem Stromverbrauch wirkt auch die 2024 eingeführte Regelung zur Umverteilung von Mehrkosten aus der Integration erneuerbarer Energien netzentgeltdämpfend – insbesondere zugunsten von Regionen mit starkem Erneuerbaren-Ausbau", schrieb das Unternehmen auf ZfK-Nachfrage.
Auf diesen Effekt verwies auch der baden-württembergische Verteilnetzbetreiber Netze BW. Die Senkung der Übertragungsnetzentgelte selbst führte bei Netze BW zu einer Entlastung von 25 Prozent über alle Spannungsebenen.
In den vergangenen Tagen veröffentlichten auch vermehrt kommunale Stromnetzbetreiber ihre Preisblätter. Bei der Rheinnetz, der Netztochter der Kölner Rheinenergie, verringert sich der Brutto-Arbeitspreis für klassische Haushalte zum Jahreswechsel von 6,9 auf 4,5 Cent pro kWh. Bei den Stadtwerken München geht der Brutto-Arbeitspreis von 11,0 auf 7,7 Cent pro kWh zurück.
Etwas kleiner fällt der Preisrückgang bei der Nürnberger N-Ergie Netz aus. Hier werden es brutto statt 7,6 dann noch 7,1 Cent pro kWh sein. Deutlicher nach unten geht es bei den Mainzer Netzen. Anstelle von 12,1 werden ab nächstem Jahr 8,0 Cent pro kWh brutto für klassische Haushalte berechnet werden. Immer unter der Voraussetzung, dass der geplante Milliardenzuschuss vom Bundestag bewilligt wird.
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